Masayoshi Son: Vom Crash zum Rekordhoch: Der Softbank-Gründer gibt sich wieder optimistisch
Der Gründer von Softbank konnte den Kursrutsch seines Unternehmens schnell korrigieren.
Foto: ReutersEnde Juni stand wieder ein typischer Masayoshi Son vor den Aktionären: Mit reflektierender Selbstironie witzelte er, auf der Jahresbilanzkonferenz im Mai habe er vielleicht „sehr ernst und trübsinnig“ gewirkt. Da hatte der Softbank-Gründer wegen riesiger Buchverluste bei seinem Softbank Vision Fund einen Rekordverlust bekanntgegeben.
Seine Stimmung sei darauf zurückzuführen gewesen, dass er die Menschen in der Coronavirus-Pandemie habe leiden sehen, ohne helfen zu können. „Für unsere Geschäftsentwicklung bin ich genauso zuversichtlich wie zuvor“, erklärte Son nun seinen Aktionären.
Inzwischen wirkt Sons Daueroptimismus auch nicht mehr so weit von der Kursrealität entfernt wie in den letzten Monaten. Denn so schnell wie während der Coronakrise hat der 62-jährige crasherprobte Technikinvestor noch keinen Kurssturz gewendet. Noch geschockt von der Krise seines einstigen Lieblingsinvestments, des Bürovermittlers WeWork, trieben die Aktionäre Softbanks Aktienkurs in der pandemischen Börsenpanik um mehr als die Hälfte nach unten.
Doch am Freitag notierte die Aktie kurzzeitig mit 6478 Yen auf einem neuen 20-Jahreshoch – und um fast 150 Prozent höher als am 19. März. Nur hat das Kursfeuerwerk einen Schönheitsfehler: Selbst Analysten, die die Aktie zum Kauf empfehlen, sehen die Lage durchaus differenziert – eher als Resultat einer doppelten Kurspflege von Softbank und den Regierungen der Welt als von brummenden Geschäften.
Analysten sehen Kursfeuerwerk differenziert
Ein Beispiel ist Mitsunobu Tsuruo von der Citi Group in Japan. Selbst nach der jüngsten Kursrally urteilt der Analyst, „dass es weiterhin genügend Raum für Wachstum gibt“. Denn Softbank kaufe aggressiv Aktien zurück und versuche, die Bilanz auf eine gesündere Grundlage zu stellen.
Tsuruo gibt sogar 7200 Yen als Kursziel aus. Denn zum einen liegt Softbanks Marktwert noch immer rund 40 Prozent unter dem Wert der Beteiligungen, die Son in seiner langen Karriere gesammelt hat. Zu denen gehören solide Unternehmen wie der chinesische Onlinehandelsriese Alibaba, der britische Chipdesigner ARM und der Mobilfunker T-Mobile US.
Zweitens sorgen die Regierungen und Notenbanken in aller Welt mit beispiellosen Hilfsprogrammen dafür, dass die Aktienkurse steigen, obwohl die Welt in eine Coronarezession stürzt. Auch lockt Son die Investoren mit viel Geld. Im März kündigte er an, für 38 Milliarden Euro Aktien aus seinem großen Portfolio zu verkaufen, um damit etwa zur Hälfte Aktien zurückzukaufen und mit der anderen Hälfte Schulden zu tilgen und Geld auf die hohe Kante zu legen.
Eine derart hohe Nachfrage lockt naturgemäß Investoren an. „Aber die Aussichten für den Softbank Vision Fund bleiben düster“, merkt Analyst Tsuruo an. Denn tatsächlich hat sich der selbsternannte „Einhorn-Jäger“ zum Schimmelreiter gewandelt. Mit dem Geld seiner Partner, darunter dem saudischen Pensionsfonds, Apple und dem taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn, kaufte sich Son hohe Minderheitsbeteiligungen an 88 jener „Einhörner“ der Technikwelt, deren Marktwert über einer Milliarde Dollar liegt.
Son will größtes Unternehmen des Internetzeitalters aufbauen
Sons Ziel ist, mit diesem Unternehmensschwarm die Grundlage für das größte Unternehmen des Internetzeitalters aufzubauen. Doch auf der Bilanzkonferenz im Mai gab er zu, dass sich viele seine Fabelwesen nun in der Krise nur als weiße Pferde mit aufgeklebten Hörnern entpuppen könnten. Nach Sons Einschätzung könnten 15 seiner 88 Investitionsobjekte abstürzen, 15 womöglich umso höher fliegen. Ein Opfer gab es schon: Das Satelliten-Start-up One Web, das die Welt mit einem Satelliteninternet umspannen wollte, ging pleite.
Die Ratingagentur Moody’s unterstrich Ende Juni Sons Schwachstelle und senkte die Aussichten sogar auf „negativ“. Neben Sons aggressiven Investitionen, Finanzkonstruktionen und dem Verkauf großer Aktienpakete warnt Moody’s vor „volatilen Bedingungen am Kapitalmarkt, die die Bewertungen der Firmen senken könnten, in die Softbank investiert hat“.
Doch Son bleibt optimistisch bezüglich seines Firmenimperiums, das mit Internet, Künstlicher Intelligenz und Robotik die Welt erobern will. „Wir sprechen hier über Wachstumsindustrien“, erklärte er den Anlegern. „Die digitale Wirtschaft entwickelt sich mit viel Auf und Ab, aber wenn man das große Bild sieht, wächst sie exponentiell.“