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Messe für Unterhaltungselektronik Die IFA trotzt der Corona-Pandemie – ohne Publikum und viele prominente Namen

Die IFA findet in diesem Jahr nur im Kleinformat statt. Ein Hygienekonzept soll Besucher schützen. Prominente Aussteller wie Samsung und Telekom fehlen aber.
02.09.2020 - 13:18 Uhr Kommentieren
IFA 2020 in Berlin findet trotz Coronakrise im Kleinformat statt Quelle: dpa
Elektronikmesse IFA (Archiv)

Viel los wird dieses Jahr nicht sein: Die IFA lässt nur akkreditierte Besucher aufs Messegelände.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wenn Jens Heithecker diese Woche über das „Expo Center“ unter dem Funkturm in Berlin läuft, hat er gemischte Gefühle. Einerseits ist der Direktor der IFA froh, dass die internationale Messe für Unterhaltungselektronik trotz Coronakrise stattfinden kann – zumindest als „Special Edition“ in einem Kleinformat.

Andererseits schmerzt es ihn, dass es weder Konzerte im Freien noch Besuchermassen vor riesigen Fernsehern, vernetzten Küchen und ausgefallenen Gadgets in den Hallen geben wird. „Es gibt im Spätsommer immer eine IFA-Luft“, sagt Heithecker. „Der Spätsommer ist jetzt da, aber die IFA-Stimmung fehlt.“

Es ist ein Experiment, das Heithecker und sein Team in dieser Woche von Donnerstag bis Samstag wagen. Bei einer Messe geht es ums Begegnen, Anfassen, Gucken – was während einer Pandemie durch die vielen Einschränkungen aber nur schwierig möglich ist.

„Es gibt natürlich Reiseverbote, und einige Menschen haben Angst. Trotzdem gibt es viele, die sich direkt austauschen wollen“, sagte der Manager dem Handelsblatt. „Wir können nur Vertrauen aufbauen, indem wir Veranstaltungen durchführen und zeigen, dass wir die notwendige Sicherheit bieten.“

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    Und so geht es nicht allein darum, den Herstellern und Händlern von Unterhaltungselektronik kurz vor dem Weihnachtsgeschäft eine Plattform zu bieten, sondern auch ein Signal an die gesamte Branche zu senden. „Wir glauben, dass gerade Messen mit Infrastruktur und Organisation es bewältigen können, solche Veranstaltungen sicher zu organisieren“, sagt Heithecker.

    Grafik

    Andere Unternehmen dürften genau hingucken, wie die Bilanz nach drei Tagen ausfallen wird – was Besucherzahlen, Berichterstattung und Geschäftsabschlüsse betrifft, aber auch die Hygiene. Klar ist schon jetzt: Geschäftlich lohnt sich die Veranstaltung nicht. „Für die Messe Berlin ist die IFA dieses Jahr nicht profitabel – sie zahlt aber auf die Zukunft der Marke ein“, sagt Heithecker.

    Telekom, Samsung und Sony fehlen auf der IFA

    Die IFA hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Ereignis mit weltweiter Anziehungskraft entwickelt. In ganz Berlin gibt es Pressekonferenzen und Meetings, die Hotels und Taxis verbuchen eine Sonderkonjunktur.

    Das wird in diesem Jahr anders sein. Die Schau ist auf drei Tage verkürzt, nur wenige Tausend akkreditierte Besucher dürfen kommen. Die IFA werde sich auf ihre „Kernfunktionen“ konzentrieren, heißt es: Sie soll eine Bühne für Innovationen bieten.

    Dabei ist die Messe in drei Bereich aufgeteilt: ein Programm mit Pressekonferenzen und Keynotes, „Global Press Conferences“ genannt, den Bereich „Shift Mobility Meets IFA Next“, wo es Innovationen aus Bereichen wie Mobilität, Smart Home und Gesundheit zu sehen gibt, sowie den Handelsbereich „Retail & Business“, wo sich Einkäufer über neue Produkte informieren können.

    Bei der Vermarktung ihrer Produkte rücken die Unternehmen den Umgang mit der Coronakrise in den Mittelpunkt. „Man muss nicht in die Galerie gehen, um sich Kunst anzusehen“, warb etwa Samsung am Mittwoch für einen Fernseher, der im ausgeschalteten Zustand Bilder anzeigt. Für die Branche bietet sich eine Chance, Ausrüstung für Homeoffice, Heimkino und Küche zu verkaufen.

    IFA2020 „Special Edition“: Elektronikmesse trotz Coronakrise Quelle: dpa
    Samsung-Stand auf der IFA (Archiv)

    Viele prominente Aussteller fehlen in diesem Jahr, zum Beispiel Samsung.

    (Foto: dpa)

    Wie viel davon in Berlin zu sehen sein wird, ist allerdings fraglich: Samsung zeigt die Neuerungen in einem eigenen Digitalformat, verzichtet aber auf einen Stand. Auch bekannte Namen wie Sony, Philips, Lenovo, Amazon und Sennheiser fehlen.

    Andere IFA-Stammgäste wie Miele, Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) oder Qualcomm verzichten auf einen Stand, veranstalten aber immerhin Pressekonferenzen. Insgesamt sind nur rund 100 Aussteller sind vor Ort.

    Öffentlich wollen viele ihre Beweggründe nicht darlegen, um der Messe Berlin nicht weiter zu schaden. Im Hintergrund nennen die Aussteller verschiedene Argumente: die gesundheitlichen Risiken für die Mitarbeiter vor Ort, die hohen Kosten für einen Stand, die sich im Kleinformat nicht bezahlt machen, und nicht zuletzt auch die Angst vor einer kurzfristigen Absage der IFA.

    Dabei tut die Messe Berlin einiges, damit die IFA nicht zu einem „Superspreader Event“ wird: Das Hygienekonzept umfasst elf Seiten. In den beiden Ausstellungshallen sind die Gänge breit, Ampeln regeln an den Eingängen den Zutritt.

    „Man bekommt nicht den üblichen Eindruck einer vollgepackten Messehalle“, sagt Messechef Heithecker. Das Gelände mit 26 Hallen und 180.000 Quadratmetern Fläche macht es dem Veranstalter leicht, die Besucher auf Abstand zu halten. Für die Pressekonferenzen gibt es zudem zwei Bereiche, zwischen denen die Journalisten hin- und herwechseln – zwischendurch wird sauber gemacht.

    Messe plus Livestream

    Die Sonderausgabe der IFA schnurrt damit indes auf eine Veranstaltung für ein paar ausgewählte Besucher zusammen. Um trotzdem viele Händler, Journalisten und Fans zu erreichen, plant die Messe zusätzliche virtuelle Angebote.

    Zum einen gibt einen „Virtual Market Place“, wo sich auch Unternehmen präsentieren können, die keinen Stand auf der Messe haben. Zum anderen werden über einen „Xtended Space“ zahlreiche Veranstaltungen kostenlos übers Internet übertragen.

    Die Messe Berlin testet damit, wie solche hybriden Formate funktionieren. „Wir haben innerhalb weniger Monate eine ganz neue Lösung geschaffen“, berichtet Heithecker. „Mit einer so übersichtlichen IFA wie in diesem Jahr können wir Dinge ausprobieren, die wir sonst nicht bewältigt hätten.“ Für die Zukunft des Messegeschäftes wird das immer wichtiger, auch wenn einmal die Pandemie bewältigt sein sollte.

    Einen dauerhaften Ersatz für Präsenzveranstaltungen sieht Messemanager Heithecker im jetzigen Format nicht. „Es ist ähnlich wie bei einer Fernsehproduktion oder einem Fußballspiel: Es geht auch ohne Zuschauer – aber dann fehlt die Emotion. Das macht den Unterschied aus.“

    An der IFA zeigt sich indes auch, welche Schwierigkeiten sich bei der Organisation einer Messe in Pandemiezeiten ergeben. So stuft das Auswärtige Amt immer wieder neue Regionen und Länder als Risikogebiete ein, jüngst beispielsweise Paris. Das dürfte viele Besucher aus diesen Gegenden abschrecken – sie müssen nach der Einreise entweder in Quarantäne gehen oder einen negativen Test aufs Coronavirus vorlegen.

    Wegen der Reisebeschränkungen kann der Veranstalter auch den Bereich „Global Markets“ nicht anbieten. Das Interesse der Aussteller sei groß gewesen, gerade bei Unternehmen aus China, berichtet Heithecker: „Viele Einkäufer können ja im Herbst nicht nach Asien reisen, wir wollten deswegen die ganze Zuliefererindustrie zusammenführen.“ Aber: Die deutschen Konsulate in China seien größtenteils geschlossen und könnten daher keine Visa erteilen. „Die deutsche Bürokratie macht uns einen Strich durch die Rechnung.“

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