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Coronakrise IFA, Buchmesse, Expo Real: Messen sehnen den Neustart herbei

Die ersten Branchenschauen nach Corona werden deutlich kleiner ausfallen. Doch sie geben der gesamten Wirtschaft wichtige Impulse, um schnell aus der Krise zu kommen.
10.06.2020 - 17:55 Uhr Kommentieren
In diesem Oktober wird die Buchmesse nicht so voll werden wie im Vorjahr. Es wird höchstens ein Drittel der Aussteller erwartet. Doch die Veranstaltung soll ein Signal für den Neustart der Messen nach Corona sein. Quelle: dpa
Buchmesse Frankfurt 2019

In diesem Oktober wird die Buchmesse nicht so voll werden wie im Vorjahr. Es wird höchstens ein Drittel der Aussteller erwartet. Doch die Veranstaltung soll ein Signal für den Neustart der Messen nach Corona sein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Rund 245.000 Teilnehmer tummelten sich noch im vergangenen September auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Noch nie zuvor seit 1924 waren so viele Fachbesucher aus dem Ausland gekommen.

In diesem Jahr fällt die IFA wegen der Corona-Pandemie deutlich bescheidener aus. Vom 3. bis zum 5. September findet eine Messe im Miniformat statt, drei Tage kürzer als sonst. Die Funkausstellung wird in vier parallele Events mit jeweils maximal 1000 Teilnehmern aufgeteilt. Zugelassen sind nur Fachbesucher und Journalisten.

Die Messe Berlin brennt wie die gesamte Messewirtschaft auf einen Neustart nach der halbjährigen Corona-Zwangspause. „Nach all den Veranstaltungsausfällen der vergangenen Monate braucht unsere Branche dringend diese Plattform, um ihre Innovationen zu präsentieren“, sagte IFA-Organisator Jens Heithecker.

„Die Verkündung des Lockdown Mitte März war ein schwarzer Tag für die deutschen Messen“, resümierte Philip Harting, Vorsitzender des Messeverbands Auma, auf der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Allein in Deutschland fanden und finden 165 Messen nicht wie geplant statt, 110 davon fallen komplett aus.

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    Eigentlich erwartete die deutsche Messewirtschaft mit rund vier Milliarden Euro Umsatz 2019 ein neues Rekordjahr. „Doch vom Vollgas ging es direkt in die Vollbremsung“, so Harting.

    Bisher hat der Ausfall der Messen mehr als 12,2 Milliarden Euro Schaden in der deutschen Wirtschaft angerichtet, errechnete der Verband der deutschen Messewirtschaft Auma. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionseffekte erreichen sonst laut Ifo-Institut 28 Milliarden Euro im Jahr. Dem Staat sind fast zwei Milliarden von 4,5 Milliarden Euro Steuern entgangen. 100.000 von 231.000 Stellen, die Messen direkt und indirekt schaffen, sind akut bedroht.

    „Die deutsche Wirtschaft lebt vom Export“, so Harting. Deshalb sei der Neustart internationaler Messen für alle Branchen enorm wichtig. Im Herbst soll es in Deutschland schrittweise unter Auflagen wieder losgehen. Bis Jahresende sind hierzulande 151 Messen geplant. „Die Durchführung hängt aber von den Lockerungen der einzelnen Bundesländer ab – aber auch von der wachsenden Bereitschaft der Unternehmen, Personal zu Messen zu schicken“, sagte Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier.

    Viele Firmen müssen jedoch in der Krise sparen. Zudem sorgen sie sich um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. So werden zu den ersten Messen überwiegend Teilnehmer aus Europa erwartet. Sonst kommen rund 60 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. China liegt dabei an erster Stelle. Der Auma tröstet sich, dass von den größten Top-10-Ausstellerländern acht aus Europa stammen.

    Buchmesse erwartet nur ein Drittel der Aussteller

    Auch die Frankfurter Buchmesse plant im Oktober eine „europäische Messe“, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Er rechnet mit einem Drittel der sonst 7000 ausstellenden Verlage. „Wir wissen, dass viele internationale Verlage nicht teilnehmen können.“ Aber auch große Verlage aus Deutschland und Frankreich haben abgesagt. Laut Hygienevorschrift dürfen nur rund 16.500 Menschen gleichzeitig auf das Gelände. 2019 pilgerten noch mehr als 300.000 Buchbegeisterte nach Frankfurt.

    Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier legt Wert darauf, dass die Buchmesse 2020 stattfindet: „Wenn die Messe hier einmal weg ist, dann ist sie im nächsten Jahr bei der Book Fair in London.“ Die finanziellen Folgen sind für den Veranstalter dennoch dramatisch. „Wir werden ein enormes Defizit einfahren in diesem Jahr“, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Aber auch Hotels, Restaurants, Taxiunternehemn, Messebauer und die Messe Frankfurt, die die Hallen vermietet, dürften deutlich weniger einnehmen.

    Grafik

    „Für die Messegesellschaften wird es ein ganz katastrophales Jahr“, glaubt Harting vom Auma. Ein Großteil der Mitarbeiter ist in Kurzarbeit. Das gilt auch für die Messe Düsseldorf, die bisher zehn Weltleitmessen verschoben hat – von der Drupa über die ProWein bis zur Interpack. Die Erlöse werden 2020 mit weniger als 200 Millionen Euro vermutlich nur halb so groß sein wie erwartet. Die Düsseldorfer befürchten einen höheren zweistelligen Millionenbetrag an Verlust. 2019 hatte der scheidende Messechef Werner Dornscheidt noch einen Konzerngewinn von 56,6 Milliarden Euro eingefahren.

    In Berlin sieht die finanzielle Lage der Messe düster aus. Finanzsenator Matthias Kollatz prognostizierte im April einen operativen Verlust von rund 105 Millionen Euro bis ins nächste Jahr hinein. Da kann auch die abgespeckte IFA nichts mehr herausreißen.

    Die Deutsche Messe AG in Hannover, die 2019 noch mit einem Gewinn von 14,5 Millionen Euro abschloss, braucht in der Coronakrise einen Überbrückungskredit von 50 Millionen Euro, das berichteten NDR und „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. „Die Finanzierung des Unternehmens ist gesichert“, sagte Vorstandschef Jochen Köckler dazu nur. 2020 fallen wichtige Events wie die IAA Nutzfahrzeuge oder die Hannover Messe aus, die nur in kleinem Rahmen digital im Juli stattfinden kann.

    Der Messe Nürnberg sind in den rund drei Monaten der Pandemie mindestens 70 Millionen Euro Umsatz verloren gegangen. „Die Liquidität des Unternehmens zu sichern – das hat derzeit oberste Priorität für uns“, sagen die Messechefs Roland Fleck und Peter Ottmann. In allen Bereichen muss gespart und müssen Investitionen verschoben werden. Der Spatenstich zum Kongresszentrum NCC Süd etwa, das auf Plänen der verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid beruht, wird von Anfang 2021 um mehrere Jahre verlegt.

    Der Koelnmesse sind gar Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich weggebrochen. Fest stehe schon jetzt, dass die Messe 2020 mit „gravierendem Verlust“ abschließen wird. Vorsorglich wurde mit der Stadt Köln als Gesellschafter ein Kreditrahmen vereinbart. Wegen Corona wurden zehn eigene und acht Gastveranstaltungen verschoben oder abgesagt sowie zwölf Auslandsmessen.

    Die Gamescom findet Ende August rein digital statt. Die weltgrößte Gartenfachmesse Spoga vom 6. bis 8. September ist für die Kölner die Bewährungsprobe für eine Messe unter Corona-Auflagen: ohne Standpartys, Vortragsbühnen, Besprechungskabinen und Händeschütteln.

    Messen als Lagerfeuer der Branche

    Auch die Messe München will im Herbst wieder durchstarten. Die Immobilienmesse Expo Real im Oktober soll den Neuanfang machen – mit breiteren Gängen und einer speziellen Handy-App. Die informiert bei einem Corona-Fall Kontaktpersonen anonym. „Das Risiko bei einem Messebesuch darf nicht größer sein als beim Einkaufen im Supermarkt“, sagte Messechef Klaus Dittrich. Allein in München hängen 16.400 Arbeitsplätze indirekt von der Messe ab. Das Messegeschäft sei ein „unglaublicher Hebel, um die Wirtschaft zu beleben“, so Dittrich.

    „Messen sind und bleiben die Lagerfeuer, nach denen sich die Menschen sehnen“, sagen Fleck und Ottmann von der Messe Nürnberg. „Gleichzeitig sind sie die Plattformen, die Marktchancen für unsere Wirtschaft bieten – insbesondere nach der Krise.“ Als digitale Erweiterung etwa der Cyber-Sicherheitsmesse It-Sa im Oktober oder der Braubeviale im November startet Nürnberg neue digitale Plattformen. Dort können sich die Teilnehmer virtuell austauschen und ihre Produkte präsentieren. Ziel sei die optimale Verknüpfung beider Welten.

    Noch zeigen sich Aussteller zurückhaltend, was reine virtuelle Messen angeht. 23 Prozent nutzen laut Auma allerdings bereits virtuelle Marktplätze. In der Coronakrise haben viele Firmen gezwungenermaßen Neues ausprobiert. Eine dramatische Abwanderung zu virtuellen Messen erwartet Harting allerdings nicht. „Digitale Veranstaltungen sind zwar nützlich, aber ihnen fehlt die menschlich emotionale Verbindung“, meint auch IFA-Direktor Heithecker.

    Für 2021 sind aktuell 347 reale Messen in Deutschland geplant einschließlich rund 25 Messen, die verschoben wurden. „Wir werden wohl erst 2022/23 wieder auf dem Stand von vor Corona sein“, so Harting. „Wichtig ist, dass wir endlich wieder Messen veranstalten und uns treffen können.“

    Mehr: Philip Harting vom Auma: „Wir können nicht warten, bis Corona verschwunden ist“

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