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Mögliches Verbot Nach Intervention von Trump: Tiktok zeigt sich zu Zugeständnissen bereit

Der US-Präsident verunsichert mit Plänen für ein Verbot den potenziellen Käufer Microsoft. Das chinesische Unternehmen will nun offenbar einlenken.
02.08.2020 Update: 03.08.2020 - 02:21 Uhr Kommentieren
Tiktok gehört der chinesischen Internetfirma Bytedance. Quelle: Reuters
Tiktok

Tiktok gehört der chinesischen Internetfirma Bytedance.

(Foto: Reuters)

Peking, Washington Tiktok flimmert auf Millionen Teenager-Smartphones, die meisten Kurzvideos sind kreativ, lustig, harmlos. Doch die beliebte App aus China steht jetzt zwischen den Fronten zweier Wirtschaftsgiganten, die um die globale Vormacht im Tech-Sektor ringen.

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Drohung, Tiktok in den USA zu verbieten, die Expansionspläne der App erschüttert. Und auch, wenn der geplante Verkauf des US-Geschäfts von Tiktok an den amerikanischen Software-Riesen Microsoft noch nicht vom Tisch ist, sorgt die Intervention aus dem Weißen Haus für massive Verunsicherung – sowohl bei den potenziell beteiligten Konzernen wie bei den Nutzern. Laut Tiktok hat das Unternehmen 100 Millionen Nutzer in den USA. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie, in der viele Menschen Zeit zu Hause verbringen, gehen die Downloads der App steil nach oben.

Tiktok gehört der chinesischen Internetfirma Bytedance. Die Gespräche mit Microsoft befanden sich laut US-Medien zuletzt in fortgeschrittenem Stadium. Sie wurden aber am Wochenende unterbrochen, bis Klarheit über die nächsten Schritte aus dem Weißen Haus herrscht. Am Sonntag bekräftigte Microsoft trotzdem weiter Gespräche mit ByteDance führen zu wollen. Der Softwarekonzern will nach eigenen Angaben bis zum 15. September einen Deal erzielen.

„Was Tiktok betrifft, verbieten wir es in den USA. Ich habe die Befugnis dazu“, hatte Trump jedoch am Freitag gesagt. Noch ist unklar, ob er ein Verbot per Exekutivorder anstrebt. Die Trump-Regierung könnte auch den sogenannten International Emergency Economic Powers Act verwenden, um den Download von Tiktok aus amerikanischen App-Stores zu unterbinden. Oder sie könnte Bytedance auf eine schwarze Liste setzen, was US-Firmen verbieten würde, ohne entsprechende Erlaubnis mit Tiktok Geschäfte zu machen.

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    Microsoft würde der Zukauf gut in die eigene Strategie passen. Der US-Konzern konzentriert sich seit einigen Jahren, neben seinem Geschäft mit Unternehmenssoftware, auch auf Verbrauchertechnologie. So kaufte es 2016 für rund 26 Milliarden US-Dollar das Job-Netzwerk LinkedIn. 

    „Wir gehen nirgendwo hin“

    Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, ist Bytedance zu einem vollständigen Verkauf des US-Geschäfts von Tiktok bereit. Ein vorangegangener Vorschlag, nach dem Bytedance eine Minderheitsbeteiligung behalten hätte, war laut Medienberichten von der US-Regierung abgelehnt worden. Der staatliche chinesische Fernsehsender CGTN berichtete unter Berufung auf Insider, es sei noch nicht klar, ob der Verkauf an Microsoft oder ein anderes US-Unternehmen erfolgen solle.

    In einem Statement teilte Microsoft am Sonntag mit, dass der Konzern nicht nur das US-Geschäft übernehmen will, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland. Dabei sei der Microsoft auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Microsoft betonte, dass die Verhandlungen in einem vorläufigen Stadium seien und es keine Sicherheit gebe, ob eine Einigung erzielt werde.

    Doch Tiktok scheint daran gelegen, dass der Deal gelingt: Nach Trumps Intervention habe Tiktok Zugeständnisse gegenüber Microsoft gemacht, schreibt das „Wall Street Journal“. So wolle das Unternehmen bis zu 10.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen, fast siebenmal so viele wie jetzt.

    Der chinesische Konzern gab sich am Samstag selbstbewusst: „Ich möchte mich bei den Millionen Amerikanern bedanken, die Tiktok jeden Tag nutzen“, teilte Vanessa Pappas, General Managerin von Tiktok in den USA, per Kurzvideo mit. „Wir planen nicht, irgendwo anders hinzugehen.“ Tiktok-Nutzer warfen Trump vor, mit dem möglichen Verbot die die Meinungsfreiheit beschneiden zu wollen.

    Die Zukunft der Plattform ist ungewiss. Quelle: AFP/Getty Images
    Tiktok

    Die Zukunft der Plattform ist ungewiss.

    (Foto: AFP/Getty Images)

    Der Streit um Tiktok steht für die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen Washington und Peking. Vor einer Woche machten die USA das chinesische Konsulat in Houston dicht, China reagierte mit einer Schließung des US-Konsulats in Chengdu.

    Die USA werfen China vor, geistiges Eigentum zu stehlen und damit die nationale Sicherheit zu gefährden. 2018 setzte die US-Regierung die Tech-Konzerne Huawei und ZTE, die sie als „trojanische Pferde für den chinesischen Geheimdienst“ bezeichnet, auf eine solche Blacklist. Im US-Militär dürfen chinesische Anbieter schon länger nicht mehr genutzt werden.

    Auch im Fall von Tiktok geht das Weiße Haus davon aus, dass die chinesische Regierung über die App massenhaft Informationen von US-Bürgern sammelt. Tiktok weist diese Vorwürfe zurück. Doch der App-Betreiber hat in den vergangenen Monaten nicht nur aus den USA, sondern weltweit Gegenwind bekommen. Indien verbot die App unter Berufung aus Sicherheitsbedenken vor kurzem sogar ganz.

    Experten bezweifeln Tiktoks Unabhängigkeit

    Auch in Deutschland wächst die Skepsis gegen den Dienst. Das Unternehmen steuert gegen, indem es sich internationaler aufstellt und seine chinesische Herkunft abschüttelt. Erst kürzlich setzte es mit Kevin Mayer einen US-Amerikaner als CEO ein.

    Die Konzernmutter Bytedance hat ihren Hauptsitz in Peking und macht den größten Teil des Umsatzes in China. Bytedance bietet die App aber nur außerhalb Chinas an, innerhalb der Volksrepublik betreibt das Unternehmen den ähnlichen Videodienst Douyin. Dieser ist in China wie alle Soziale Medien strenger Zensur unterworfen.

    Douyin macht keinen Hehl daraus, dass es die Daten seiner Nutzer vor staatlichem Zugriff nicht schützen kann. Daten werden nur solange gespeichert wie notwendig, heißt es in den Nutzungsbedingungen – es sei denn, „Gesetze und Vorschriften schreiben etwas anderes vor“. Das Unternehmen verspricht zwar, dass nur „befugtes Personal“ Zugriff auf die Daten hat, listet dann aber eine ganze Reihe von Ausnahmen auf.

    Tiktok betont stets, dass die Daten seiner Nutzer auf Servern außerhalb Chinas gespeichert werden und wehrt sich gegen den Vorwurf, dass es Daten mit der chinesischen Regierung teilen würde. „Wir haben niemals Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergegeben und würden dies auch nicht tun, wenn wir darum gebeten würden“, heißt es in einem Statement des Unternehmens.  

    Experten bezweifeln jedoch, dass sich ein chinesisches Unternehmen tatsächlich gegen ein Gesuch Pekings wehren könnte. Unter anderem können zwei chinesische Gesetze so ausgelegt werden, dass Firmen zur Datenherausgabe verpflichtet sind. Anders als in den USA gibt es für chinesische Unternehmen zudem keinen vergleichbaren Rechtsweg, um sich gegen Datenabfragen zu wehren. 

    Seit der heute 37-jährige Chinese Zhang Yiming die Firma 2012 gründete, ging es für Tiktok steil bergauf. Die App wurde bis April dieses Jahres weltweit mehr als zwei Milliarden mal heruntergeladen. Noch ist Tiktok nicht rentabel, da es in den letzten Jahren reichlich Geld für die Akquise von Nutzern ausgab. Die Nachrichtenagentur Reuters schätzt den Marktwert auf 50 Milliarden US-Dollar. 

    Mehr: Trump will TikTok in den USA verbieten – Microsoft pausiert wohl Gespräche über Kauf des US-Geschäfts

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