Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Personalie Was Ex-Siemens-CEO Löscher bei Telefónica Deutschland erwartet

Nach einer langen Karriere kommt Peter Löscher als Chefaufseher zu dem MDax-Unternehmen. Bei dem Mobilfunkanbieter warten viele Aufgaben auf ihn.
03.04.2020 - 13:29 Uhr Kommentieren
Der Ex-Siemens-CEO Löscher wird Chefaufseher bei Telefónica. Quelle: Telefónica Deutschland Holding AG
Peter Löscher

Der Ex-Siemens-CEO Löscher wird Chefaufseher bei Telefónica.

(Foto: Telefónica Deutschland Holding AG)

Bislang gewährte der spanische Mobilfunkkonzern Telefónica seiner deutschen Landestochter eher wenig Freiraum. Die Geschäfte des Managements in Deutschland wurden immer von Spaniern als Chefaufseher überwacht. Das hat sich geändert. Seit April hat ein gut vernetzter Manager den Vorsitz des Aufsichtsrates hierzulande übernommen: Ex-Siemens-CEO Peter Löscher.

Bei Telefónica Deutschland ist Löscher ein alter Bekannter. Er sitzt beim Mutterkonzern Telefónica im Verwaltungsrat. In Spanien ist Löscher schon lange sehr gut vernetzt. Seine Frau ist Spanierin, sein verstorbener Schwiegervater Agustí Montal Costa war Präsident des FC Barcelona. Löscher lebt in München und Barclona. Schon in seiner Siemens-Zeit flog er am Wochenende oft nach Katalonien.

Bei Siemens endete sein Engagement einst wenig glücklich. Als der damalige Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im Mai 2007 Löscher, den hochgewachsenen Manager, der verblüfften Öffentlichkeit als neuen Siemens-Chef präsentierte, mussten viele im Haus den Namen erst einmal checken: Es handelte sich um einen Österreicher, der schon bei General Electric, Aventis und Merck gearbeitet hatte.

Der studierte Betriebswirt, Sohn eines Sägewerkbetreibers aus Villach in Kärnten, hatte in der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft gespielt. Möglich war die überraschende Personalie damals nur, weil der größte deutsche Schmiergeldskandal das stolze Unternehmen Siemens in seinen Grundfesten erschüttert hatte.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In seiner ersten Amtszeit konnte Löscher dann auch durchaus Erfolge vorweisen. Er räumte in dem korruptionsgeplagten Konzern gründlich auf. Sein Mantra – „nur noch saubere Geschäfte“ – konnte er glaubhaft vermitteln. Er baute den Konzern – wie fast jeder Siemens-Chef zuvor auch – grundlegend um und gliederte ihn in zunächst drei Sparten. Die Margen verbesserte er deutlich und führte den Konzern in Sachen Profitabilität nah an das lange als unerreichbar geltende Vorbild General Electric heran.

    Doch sein Führungsstil barg Risiken. Er galt nicht als der Fleißigste – allerdings nahm er im Gegenzug am Wochenende auch immer ausdrücklich Rücksicht auf das Privatleben seiner Mitarbeiter. Doch Löscher arbeitete sich nicht extrem tief in die Themen ein, sondern vertraute auf operativ Verantwortliche.

    In seiner zweiten Amtszeit bröckelten die Margen, Löscher musste mehrere Gewinnwarnungen abgeben. Manche im Konzern hatten seinen Finanzvorstand Joe Kaeser im Verdacht, sich für den besseren CEO zu halten und Löscher auflaufen zu lassen.

    2016 zurück ins Heimatland

    Die beiden konnten unterschiedlicher nicht sein. Kaeser führte stets eloquent das Wort, äußerte sich auch tief zu strategischen Themen. Löscher war im direkten Kontakt zwar verbindlich, bei öffentlichen Auftritten aber eher spröde und sperrig. Bei Siemens musste er schließlich 2013 gehen, Kaeser übernahm den Vorstandsvorsitz.

    Nach Siemens folgte für Löscher ein Intermezzo in der Schweiz. 2014 machte der russische Oligarch Wiktor Wekselberg den Österreicher zum starken Mann in seiner Schweizer Holdinggesellschaft Renova. Die Firma hält Anteile an den Schweizer Unternehmen Sulzer, OC Oerlikon und Schmolz+Bickenbach. Doch schon nach zwei Jahren gingen beide Manager wieder getrennte Wege. Medienberichten zufolge sollen sich der Russe und der Österreicher zunehmend entfremdet haben, weil die geschäftlichen Erfolge ausblieben.

    Für Löscher ging es dann zurück in sein Heimatland, als Aufsichtsratschef des Öl- und Gaskonzerns OMV. Doch beim größten Industrieunternehmen der Alpenrepublik schied Löscher im vergangenen Jahr im Unfrieden aus. Auslöser seines Rückzugs war der massive Einfluss der damaligen konservativ-rechtspopulistischen Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf das teilstaatliche Unternehmen in Österreich. Selbst der damalige Finanzminister Hartwig Löger konnte Löscher, der seit 2016 als Chefaufseher der OMV fungierte, nicht umstimmen.

    In einem in den Medien bekannt gewordenen Brief hatte Löscher Kritik an der stärkeren staatlichen Kontrolle beim Energiekonzern in Wien geübt. So sehr er den politischen Anspruch einer ökonomisch stärkeren Interessenswahrnehmung und staatlichen Beeinflussung der österreichischen Regierung nachvollziehen könne, „so sehr bin ich auch unternehmerisch geprägt“, schrieb der „Auslandsösterreicher“ Löscher damals. Der frühere Siemens-Chef galt bei der OMV als exzellenter Aufsichtsratsvorsitzender, der sich mit Ehrgeiz in das globale Energiegeschäft eingearbeitet hat.

    Bei Telefónica in Deutschland muss er nun zeigen, dass er die Arbeit des Mobilfunkers gut überwachen kann. Die Firma hinter der Marke O2 ist seit Jahren in der Qualität ihres Netzes weit abgeschlagen hinter der Deutschen Telekom und Vodafone.

    Ein Grund dafür: Der Netzausbau ist teuer. Und bislang pocht die Mutter in Spanien auf üppige Dividenden-Ausschüttungen. Bei Telefónica in Deutschland gibt es daher laut Handelsblatt-Informationen die Hoffnung, dass er der Landesgesellschaft mehr finanziellen Spielraum verschaffen kann, damit es der Firma gelingen kann, zu Telekom und Vodafone aufzuschließen.

    Mehr: Ex-Siemens-Chef Löscher tritt bei OMV als Chefaufseher ab.

    Startseite
    Mehr zu: Personalie - Was Ex-Siemens-CEO Löscher bei Telefónica Deutschland erwartet
    0 Kommentare zu "Personalie: Was Ex-Siemens-CEO Löscher bei Telefónica Deutschland erwartet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%