Playstation und Xbox: Indigaming baut Fußballprofis die perfekten Videospiel-Koffer
Die Konsole ist mit dem Bildschirm im Deckel verkabelt und kann jederzeit benutzt werden.
Foto: IndigamingMünchen. In Paderborn ist Moritz Stoppelkamp berühmt. Auf dem Stadionvorplatz erinnert die „Stoppelkamp-Allee“ an den 34-Jährigen: In der Bundesliga-Partie zwischen dem SC Paderborn und Hannover 96 traf er am 20. September 2014 aus sagenhaften 82,3 Meter Entfernung – es wurde das Tor des Monats.
Der Weitschuss ist bis heute der größte fußballerische Moment des gebürtigen Duisburgers. Der Profifußballer sorgt mit seinem Start-up Indigaming schon einmal für die Zeit nach der Karriere vor. Gemeinsam mit seinem Partner Benjamin Reichert bietet Stoppelkamp Spezialkoffer für Videospielkonsolen an.
Die „Poga“ genannten Koffer gibt es inzwischen seit drei Jahren, die Abkürzung steht für „Portable Gaming Cases“. Für oft videospielbegeisterte Fußballprofis ein nützliches Gepäckstück: Unten kommt die Spielkonsole hinein, dazu die Controller zur Bedienung, in den Deckel ist ein Bildschirm eingelassen. So ist das Spielgerät auf Reisen mit wenigen Handgriffen sofort einsatzbereit.
Inzwischen sind die zwischen 650 und 900 Euro teuren Koffer aber auch bei Elektronikhändlern auf der ganzen Welt zu haben. Rund 10.000 Stück werden die beiden Partner dieses Jahr absetzen und damit rund fünf Millionen Euro einnehmen.
Dabei soll es aber nicht bleiben. Für 2022 planen die Jungunternehmer mit Erlösen von zehn Millionen Euro.
Anders als die meisten anderen Start-ups haben Reichert und Stoppelkamp keine Investoren an Bord. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie im Fußballgeschäft seit vielen Jahren gut verdienen
Benjamin Reichert und Moritz Stoppelkamp haben Indigaming 2018 gegründet.
Foto: IndigamingStoppelkamp spielt derzeit in der dritten Liga, ist Mannschaftskapitän beim MSV Duisburg. Seine Karriere führte ihn durch halb Deutschland, von Düsseldorf, Oberhausen, Essen und Erfurt über Hannover, München und Paderborn bis Karlsruhe. Stoppelkamp kümmert sich bei Indigaming um Produktentwicklung und Finanzen.
Partner Reichert ist fürs Marketing und den Vertrieb zuständig. Der 38-Jährige spielte einst 24 Jahre lang für Rot-Weiß Oberhausen in der Abwehr. Seine aktive Karriere auf dem Spielfeld beendete der gebürtige Essener 2013 beim Wuppertaler SV. Anschließend war er als professioneller E-Sportler aktiv und betätigt sich bis heute als Spielerberater.
Stoppelkamp ist unzufrieden und wird aktiv
Wie viele junge Erwachsene spielen auch zahlreiche Fußballprofis im Feierabend gern an der Konsole. Doch sie sind bei Auswärtsspielen viel auf Reisen, und nicht jedes Hotelzimmer hat einen Gaming-geeigneten Fernseher, dazu der Kabelsalat beim Auf- und Abbauen. Ein Konsolenkoffer mit eingebautem Bildschirm könnte die Lösung sein.
So ging es auch Stoppelkamp selbst, er probierte die Konsolenkoffer mehrerer Hersteller aus. Doch er war unzufrieden und sah eine Marktlücke: Als vielreisender Videospielfan kennt er die Bedürfnisse seiner Zielgruppe ganz genau. So entstand die Idee, den besten Gamingkoffer zu verkaufen – gerade auch für Fußballprofis.
Denen gefallen die Koffer offenbar. Der Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubmeyang zeigte sich auf Instagram schon mit einem Poga, genauso sein Teamkollege beim FC Arsenal und englischer Nationalspieler Bukayo Saka. Auch der frühere Bayern-Star Franck Ribéry und Gini Wijnaldum von Paris Saint Germain nehmen ihre Konsolen in einem Poga mit auf Reisen. US-Sänger Chris Brown ließ sich sein Exemplar gar mit einem eigenen Motiv auf dem Deckel personalisieren.
Der Profifußballer und Gründer jubelt nach seinem legendären Tor für den SC Paderborn im September 2014.
Foto: dpaDie in Deutschland gefertigten Alukoffer enthalten im Deckel einen eingebauten Gaming-Bildschirm. Konsolen wie die Playstation von Sony oder Microsofts Xbox passen genau in die individuellen Plastikeinsätze im unteren Teil des Koffers, die Kühlung sichern Lüftungsschlitze. Der Poga ist ein Trolley-Koffer, lässt sich ziehen und passt im Flugzeug ins Gepäckfach.
2018 brachten die beiden Gründer das erste Modell auf den Markt. Es fing an bei Stoppelkamps MSV Duisburg, schon bald sprach sich das Angebot in der Fußballszene herum. Als sie noch beim benachbarten FC Schalke 04 spielten, gehörten Sebastian Rudy, Leroy Sané und Amine Harit zu den ersten Kunden „Wir sind durch die Community gewachsen“, sagt Co-Gründer Reichert.
Spielekoffer für alle
Inzwischen sind die Geräte auch bei großen Ketten wie Media Markt und Saturn, bei Amazon und weltweit erhältlich. „Selten findet man heute noch innovative Produkte, die den Markt treffen und ein profitables Geschäft ermöglichen. Daher macht es große Freude, mit Indigaming zu arbeiten“, sagt Frédéric Jambon, Einkaufsleiter des französischen Online-Elektronikhändlers LDLC.com.
Indigaming hat inzwischen sechs Mitarbeiter, weitere sollen bald dazu kommen. Und auch die Produktpalette soll wachsen. So tüfteln die Gründer an einer High-End-Nobelvariante und einem Einstiegsmodell für ungefähr 400 Euro.
Viele der bekannten Kunden sind zwar Profifußballer und damit häufig Multimillionäre. Auf dem Massenmarkt darf der Konsolenkoffer aber nicht mehr kosten als die Konsole selbst. „Wir wollen noch bezahlbarer werden“, betont Reichert.
Das ist auch eine Sache des Prinzips. Die Gründer sehen sich bis heute als bodenständige Typen aus dem Ruhrgebiet.