Start-ups: Bayern hängt Berlin bei der Zahl der Neugründungen weiter ab
Berlin. Im ersten Quartal entstanden in Bayern trotz der weiterhin widrigen Finanzierungsbedingungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten 180 neue Start-ups. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Datendienstes Startupdetector hervor. Damit baut das Bundesland seinen Vorsprung vor Berlin weiter aus. Letzteres kam in diesem Zeitraum lediglich auf 119 Neugründungen.
Bayern positioniert sich somit nicht nur als unangefochtene Nummer eins bei den Neugründungen. Vielmehr rutscht Berlin erstmals auch auf den dritten Platz. Den zweiten Rang nimmt diesmal Nordrhein-Westfalen ein, wo vor allem in Städten wie Köln und Düsseldorf viele neue Start-ups entstanden sind. Zwar zählt Berlin als Stadt weiterhin die meisten Jungfirmen, als Bundesland inzwischen aber nicht mehr.
Dass Bayern die meisten neuen Start-ups hervorbringt, hält Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Investorennetzwerks Baystartup, nicht für Zufall: „Bayern setzt sehr kontinuierlich seit vielen Jahren auf die Förderung von Start-ups und begleitet gerade Technologiegründungen in allen Phasen.“ Es gebe wie bei Baystartup Hilfe bei den ersten Räumlichkeiten sowie bei der aktiven Vernetzung der Start-ups mit Investoren, Kunden und Partnern. Das hilft nicht nur bei Neugründungen, sondern auch in den weiteren Unternehmensphasen.
Aus München kommt mit dem Fitnessanbieter Egym auch das jüngste deutsche Einhorn. Bewerten Investoren eine Firma mit mehr als einer Milliarde Dollar, zählt diese zu den sogenannten Einhörnern. Egym erhielt diesen Status im Sommer 2024.
Demnächst dürfte sich der ebenfalls in München ansässige Drohnenhersteller Quantum Systems in den Reigen dieser Einhörner einreihen. Insidern zufolge geschieht das mit der nächsten Finanzierungsrunde, die in Kürze ansteht.
Die Aktivitäten in Bayern und Nordrhein-Westfalen sorgten auch dafür, dass die Neugründungen von Januar bis März fast wieder einen Höchststand erreichten. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum in Deutschland 747 Start-ups gegründet, was einem Plus von 14 Prozent zum Schlussquartal 2024 und von neun Prozent zum Vorjahresquartal entspricht. Zugleich handelt es sich damit um eines der besten Gründungsquartale der vergangenen Jahre und den stärksten Auftakt seit 2022.
Finanzierungsbedingungen bleiben schwierig
Während die Zahl der Neugründungen zulegt, geht es bei den Finanzierungsrunden weiter abwärts. Von Januar bis März konnten nur 385 Jungfirmen eine Finanzierungsrunde stemmen. Das waren so wenig wie letztmals vor vier Jahren. Der Wert entsprach einem Minus von 15 Prozent zum Vorjahresquartal.
Wie viele andere hat sich auch der Mymuesli-Mitgründer Hubertus Bessau davon nicht abschrecken lassen und hat erneut gegründet. „Durch die Ungewissheit aufgrund der wirtschaftlichen Lage und damit auch auf dem Jobmarkt, der internationalen Politik und der Konflikte sinkt das wahrgenommene relative Risiko einer Gründung“, sagt Bessau. Zusammen mit Leonard von Lojewski hat er vor einigen Monaten RSN8 Labs gestartet.
Wie zuletzt bei jeder fünften Gründung handelt es sich auch bei der neuen Firma von Bessau um ein Start-up, das sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigt: „Wir prognostizieren mittels KI das Verhalten von Zielgruppen.“ Bereits während seiner Zeit bei Mymuesli sei ihm aufgefallen, dass es zwar viel Marktforschung gibt, die Erkenntnisse jedoch selten ins operative Marketing einfließen.
Der jüngste Bericht von Startupdetector gibt keinen Einblick in die Höhe des investierten Risikokapitals. Laut der Förderbank KfW stieg das Dealvolumen von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal um 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Das deutet darauf hin, dass insgesamt pro Finanzierungsrunde mehr Geld floss. Ein Beispiel dafür ist die Ärzte-Lernplattform Amboss, die im März 240 Millionen Euro von internationalen Investoren einsammelte.