Streamingdienst: Netflix vor Einführung eines Werbe-Abos – Microsoft soll Vertriebs- und Technikpartner werden
Auf der Plattform soll bald auch Werbung laufen.
Foto: ReutersDüsseldorf. Die Pläne von Netflix für eine werbefinanzierte Abo-Option werden konkret. Der Streamingdienst hat sich nun für Microsoft als Technologie- und Vertriebspartner entschieden. Der Softwareriese bringe alle nötigen Fähigkeiten dafür mit, schrieb der für das operative Geschäft zuständige Netflix-Manager Greg Peters in der Nacht zu Mittwoch im Blog des Unterhaltungskonzerns.
Netflix steht unter Druck. Der Streamingpionier ist zwar mit weltweit über 221 Millionen Abonnenten Marktführer, doch das Wachstum schwächt sich zunehmend ab. Das verändert das bisherige Geschäftsmodell, das auf zahlenden Kunden basiert.
Doch bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende April musste das Unternehmen erstmals seit mehr als einer Dekade einen Rückgang der Abonnentenzahlen hinnehmen: Der Kundenstamm schrumpfte um 200.000.
Für das zweite Vierteljahr erwartet Netflix sogar einen Rückgang um zwei Millionen Kunden. Die genauen Zahlen stellt der US-Konzern am kommenden Mittwoch vor. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley hat seit Herbst zwei Drittel seines Börsenwerts verloren. Denn Netflix muss mit immer neuen Konkurrenten kämpfen, zudem ist die Marktdurchdringung so hoch, dass weiteres Wachstum schwieriger wird.
Als Reaktion auf das schwache Wachstum kündigte Netflix-Chef Reed Hastings im Frühjahr an, ein werbefinanziertes Abo-Modell einzuführen. Für den Anbieter ist das ein Novum. Lange war der Manager gegen einen werbebasierten Tarif.
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Für ihn hätten die Vorteile eines simplen Preismodells überwogen, sagte er. Er lasse sich bei seiner Meinung aber auch umstimmen. Das ist offenbar geschehen, Netflix plant, einen weiteren, günstigeren Tarif anzubieten, für den Kunden Werbung hinnehmen müssen.
Auch die Konkurrenz von Netflix setzt auf Werbung
So könnte Netflix neue Nutzer gewinnen, denen ein Abo bislang zu teuer ist. Für mehr als 80 Prozent der Befragten wäre Werbung kein Grund, ihr Netflix-Abo zu kündigen, zeigt eine aktuelle Studie der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners.
Netflix würde dem Beispiel der Konkurrenz folgen. Disney hatte bereits Anfang März angekündigt, ein günstigeres, werbefinanziertes Abo-Modell bis 2023 international einzuführen.
„Wir stehen noch ganz am Anfang und müssen noch vieles klären“, schrieb Netflix-Manager Peters. CEO Hastings erklärte im Frühjahr, die Einführung würde ein bis zwei Jahre dauern. Beobachter erwarten, dass es schneller geht.
Für Netflix ist das Vorhaben nicht trivial. Konkurrenten wie Disney oder HBO haben eigene Vermarktungsmöglichkeiten, etwa aus dem linearen Fernsehen. Netflix fehlt dieses Know-how, deshalb nun die Kooperation mit Microsoft.
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Berichten zufolge hatte Netflix auch die Youtube-Mutter Google und den Eigentümer der Senderkette NBC, Comcast, als Technologiepartner für die Anzeigenversion in Erwägung gezogen.
Microsoft erzielt mit Werbung jährlich mehr als zehn Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Firma ist der viertgrößte Anbieter digitaler Anzeigen. Die meisten Verkäufe werden über die Suchmaschine Bing und Stellenausschreibungen auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn erzielt. Microsoft-Chef Satya Nadella bezeichnete die Partnerschaft als einen ersten Schritt zum Aufbau eines Werbenetzwerks, das eine breitere Gruppe von Medienunternehmen unterstütze.