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Streit um App-Gebühren Fortnite-Entwickler Epic Games zieht gegen Apple vor EU-Kommission

Im Streit mit Apple reicht Epic Games nun auch in Europa eine Kartellbeschwerde ein. Es ist Teil eines Schlachtplans, Codename: „Project Liberty“.
17.02.2021 Update: 17.02.2021 - 11:31 Uhr Kommentieren
App-Entwickler müssen an die großen Handy-Betriebssystem-Anbieter Apple und Google zahlen, wenn sie im App Store oder Google Play Store präsent sein wollen. Quelle: AP
App Store von Apple

App-Entwickler müssen an die großen Handy-Betriebssystem-Anbieter Apple und Google zahlen, wenn sie im App Store oder Google Play Store präsent sein wollen.

(Foto: AP)

Düsseldorf Der Spieleentwickler Epic Games eröffnet in seinem festgefahrenen App-Store-Streit mit Apple eine neue Front in der Europäischen Union. Die Firma hinter dem populären Onlinespiel „Fortnite“ reichte am Mittwoch eine Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission ein.

Apple nutze die Kontrolle über das iOS-Betriebssystem seiner iPhones, um sich selbst zu bevorteilen und gleichzeitig Wettbewerber zu blockieren, argumentierte Epic Games. Der iPhone-Konzern verteidigte sein Vorgehen.

Der in den USA bereits seit Sommer laufende Konflikt könnte am Ende beeinflussen, wie Apps auf Smartphones vertrieben werden – und wie viel Geld vom Kaufpreis Plattformen wie der App Store von Apple oder Googles Play Store einbehalten dürfen.

Die Beschwerde in Europa ist Teil eines groß angelegten Plans, den das Unternehmen intern als „Project Liberty“ (Projekt Freiheit) bezeichnet. „Es geht hier um die Zukunft der mobilen Plattformen“, erklärte Firmengründer Tim Sweeney in einem Blogpost.

Epic will sich nicht mehr an die seit mehr als einem Jahrzehnt geltende Vorgabe halten, dass virtuelle Artikel in dem Spiel auf iPhones und iPads nur über das System der In-App-Käufe von Apple angeboten werden können. Dabei behält Apple bis zu 30 Prozent des Kaufpreises ein. Epic würde stattdessen gern einen eigenen App-Store auf dem iPhone betreiben.

Nachdem Apple die Änderungen an den Geschäftsbedingungen ablehnte, bauten die Epic-Entwickler im Sommer 2020 in die App die vertraglich verbotene Möglichkeit ein, die Artikel auch direkt bei Epic kaufen zu können. Dafür wurde im August eine versteckte Funktion in der Anwendung aktiviert, die Epic an den App-Prüfern von Apple vorbeigeschmuggelt hatte.

Apple als Big Brother

Noch am selben Tag warf Apple „Fortnite“ unter Verweis auf den Regelverstoß aus dem App Store. Epic Games zog in den USA umgehend vor Gericht und warf Apple unfairen Wettbewerb vor. Apple verlangte in einer Gegenklage Schadensersatz.

Zeitgleich versuchte der Spieleentwickler, die Fans zu mobilisieren: Er veröffentlichte ein Video, in dem er den iPhone- und Mac-Hersteller als bösen Diktator im Stil des überwachenden „Big Brother“ darstellt, mit einem Kopf, der aussieht wie ein angebissener Apfel samt Wurm. Eine Parodie auf einen Werbespot aus dem Jahr 1984, als Apple gegenüber IBM noch der Underdog war.

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, schloss sich Epic Games zudem mit anderen Unternehmen wie dem Musikdienst Deezer zu einer „Coalition for App Fairness“ zusammen. Diese drängt auf eine Änderung der Regeln.

Epic hat bereits in mehreren Ländern Kartellbeschwerden gegen Apple eingereicht, unter anderem in den USA, Australien und Großbritannien, nun auch in der EU. Der iPhone-Hersteller warf dem Spieleanbieter in einer Reaktion auf die Beschwerde in Europa vor, die Verbraucher als Pfand zu benutzen – und das wolle man der Kommission auch aufzeigen. Apple gehe es darum, den Nutzern eine sichere App-Plattform zu bieten, und man behandle alle Entwickler gleich.

Der Druck auf Apple wächst: Die EU-Kommission geht bereits einer Wettbewerbsbeschwerde des Musikstreaming-Marktführers Spotify gegen den Konzern aus Kalifornien nach und prüft die Konkurrenzsituation beim Bezahldienst Apple Pay.

1,2 Milliarden Dollar mit Apple-Nutzern

Für Epic Games handelt es sich um einen riskanten und teuren Konflikt. Zu den Prozesskosten und dem Aufwand fürs Management kommen Umsatzeinbußen. Aus Gerichtsunterlagen ist beispielsweise bekannt, dass das Spiel „Fortnite“ seit dem Start 2017 allein mit Apple-Nutzern rund 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben dürfte.

Zu den konkreten finanziellen Folgen äußert sich Epic Games nicht. Vorstandschef Tim Sweeney erklärte aber kürzlich gegenüber dem TV-Sender CNN, dass der Spieleentwickler durch den Streit mit Apple und Google mindestens ein Jahr Geld verlieren werde. Da das Unternehmen noch nicht an der Börse notiert sei, habe es aber die finanzielle Unabhängigkeit dafür.

Apple hat in den vergangenen Monaten bereits Änderungen an den Regeln für den App Store vorgenommen. So zahlen Entwickler mit vergleichsweise geringem Umsatz seit Jahresbeginn unter bestimmten Umständen 15 statt 30 Prozent Kommission.

Mit Material von Reuters und dpa

Mehr: Was die neuen EU-Regeln für die Datenriesen bedeuten

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