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TechnologieEin Viertel so dick wie ein Haar – Infineon schrumpft Siliziumscheiben

Mit einem neuen Verfahren will der Chiphersteller den Energiebedarf in Rechenzentren reduzieren. Für den Einsatz Künstlicher Intelligenz ist das ein Durchbruch. Für Infineon aber bleibt ein Problem.Joachim Hofer 29.10.2024 - 10:00 Uhr Artikel anhören
Chipfertigung bei Infineon: Der Dax-Konzern stellt nun die dünnsten Siliziumscheiben der Welt her. Foto: dpa

München. Technologischer Durchbruch beim Chiphersteller Infineon: Mit einem neuen Verfahren produziert der Dax-Konzern jetzt sogenannte Leistungshalbleiter, die Rechenzentren künftig deutlich effizienter mit Strom versorgen sollen als bisher.

Die innovative Technologie trifft einen neuralgischen Punkt des Booms um Künstliche Intelligenz (KI). Denn der hohe Energieverbrauch der leistungsstarken KI-Server ist eine der größten Herausforderungen für IT-Konzerne wie Amazon, Google oder Microsoft. Zuletzt haben die  Konzerne angekündigt, verstärkt auf Kernkraft zu setzen.

Chips entstehen auf sogenannten Wafern aus Silizium. Infineon ist es nun eigenen Angaben zufolge gelungen, diese Scheiben sehr viel dünner herzustellen als bisher. Sie sind demnach nur noch halb so dick wie die aktuell fortschrittlichsten Wafer. Das entspreche dem Viertel eines menschlichen Haares. Dadurch gelinge es, die Leistungsverluste um 15 Prozent zu reduzieren. Vorstandschef Jochen Hanebeck spricht von den „weltweit dünnsten Silizium-Wafern“.

In KI-Rechenzentren müssen Spannungen von 230 Volt auf weniger als 1,8 Volt reduziert werden, um die Prozessoren mit Energie zu versorgen. Dafür sind sogenannte Leistungshalbleiter nötig, wie sie Infineon anbietet. Prozessoren wiederum sind die Gehirne eines jeden Rechners. Wichtigster Anbieter dieser Chips ist der US-Konzern Nvidia.

Hanebeck sieht sein Unternehmen durch die neue Anwendung auf einem guten Weg: „Mit diesem technologischen Meisterwerk festigen wir unsere Position als Innovationsführer in der Branche.“

Infineon-Chef Jochen Hanebeck sieht sein Unternehmen als Innovationsführer. Foto: REUTERS

Positive Nachrichten kann der Manager gebrauchen in diesen Tagen. Denn das Geschäft läuft schlecht bei Deutschlands größtem Chipproduzenten. Zuletzt hat Hanebeck im Sommer angekündigt, 1400 Stellen zu streichen und ebenso viele Jobs in Billiglohnländer zu verlagern.

Vor allem die wichtige Autosparte lahmt. Mit ihr liefert Infineon die Technologie für den elektrischen Antriebsstrang von Elektroautos. Mitte November will Hanebeck die jüngsten Quartalszahlen vorlegen und eine Prognose für das am 1. Oktober begonnene neue Geschäftsjahr abgeben. Die Analysten der Investmentbank Jefferies rechnen mit einem zurückhaltenden Ausblick: „Infineon hat sich bei Investorengesprächen in vergangener Zeit vorsichtiger über sein Automobilgeschäft geäußert.“

Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um rund 16 Prozent eingebrochen.  Der Dax hat im selben Zeitraum etwa 16 Prozent an Wert gewonnen.

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Umso wichtiger sind Innovationen. Adam White, Chef der Sparte Power & Sensor Systems, verspricht den Anlegern substanzielle Umsätze mit den Betreibern von Rechenzentren. „Wir erwarten, dass unser KI-Geschäft in den kommenden zwei Jahren ein Volumen von einer Milliarde Euro erreichen wird.“ Die Kunden hätten die Technologie bereits abgenommen, teilte der Konzern mit. Es würden keine zusätzlichen Fertigungskosten anfallen.

Ein grundsätzliches Problem aber löst Infineon mit dem Verfahren nicht: „Wenn Ihre Google-Suche mit KI durchgeführt wird, verbraucht sie zehn Mal so viel Energie“, rechnete der ehemalige US-Energieminister Dan Brouillette vor. Der Elektrotechnikspezialist Schneider Electric schätzt, dass Rechenzentren für KI 4,5 Gigawatt Strom verbrauchen. Innerhalb von vier Jahren könnte sich der Bedarf auf fast 19 Gigawatt mehr als vervierfachen, warnt das französische Unternehmen. Das entspricht der Leistung von fast 14 Atomkraftwerken.

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