Twitter: Wie Elon Musk seinen Umbau von Twitter beginnt – „50 Prozent der Mitarbeiter sollen entlassen werden“
Bei dem Tech-Konzern könnten Massenentlassungen anstehen.
Foto: APSan Francisco. Nach der Übernahme des Kurzmitteilungsdienstes Twitter hat Milliardär Elon Musk etliche Änderungen angekündigt. Gesperrte Accounts sollen wieder freigeschaltet werden, kündigte Musk an. „Alle, die aus geringfügigen und zweifelhaften Gründen gesperrt wurden, werden aus dem Twitter-Gefängnis freikommen“, teilte der Unternehmer mit.
Das Handelsblatt erfuhr aus Branchenkreisen, dass Massenentlassungen bei Twitter anstehen könnten. Ein Mitarbeiter berichtete, am Wochenende habe es kaum interne Kommunikation gegeben, aber dass innerhalb der Belegschaft von kurzfristig anstehenden Entlassungen ausgegangen werde.
Die „New York Times“ berichtete unter Verweis auf vier informierte Quellen, dass noch vor dem 1. November zahlreiche Entlassungen ausgesprochen werden sollen. Hintergrund sei, dass zu dem Stichtag Aktienoptionen zugeteilt werden müssen, die normalerweise ein wichtiger Gehaltsbestandteil sind. Mit diesem Schritt könnten Musk und sein Team versuchen, um die Zahlung herumzukommen, berichtete die Zeitung.
Nach Kauf von Twitter: Elon Musk entlässt erste Mitarbeiter
Elon Musk widersprach am Sonntag jedoch der Darstellung, Entlassungen seien noch vor dem Stichtag geplant. „Das ist falsch“, schrieb er auf Twitter, ohne nähere Details zu nennen.
Ross Gerber, der Geschäftsführer von Gerber Kawasaki Wealth and Investment Management, sagte der „New York Times“, dass ihm von Jared Birchall, dem Leiter von Musks Family-Office, mitgeteilt wurde, dass es bei Twitter zu Entlassungen kommen würde. „Mir wurde gesagt, dass etwa 50 Prozent der Mitarbeiter entlassen werden sollen“, sagte er. Twitter hatte zum Ende des vergangenen Jahres 7500 Beschäftigte.
Musk hatte bereits Top-Manager des Unternehmens entlassen, darunter den CEO Parag Agrawal. Der Kaufvertrag sah eigentlich Abfindungszahlungen im Falle von Entlassungen in der Führungsriege vor. Laut der „New York Times“ versuchte Musk jedoch, einen Weg zu wählen, bei dem die Führungskräfte keinen Anspruch auf eine Abfindung hätten.
Trump schließt Rückkehr zu Twitter aus
Musk kündigte öffentlich an, ein neues Gremium zum Umgang mit kontroversen Inhalten schaffen zu wollen. Bevor ein solcher Rat zusammentrete, werde es keine großen Entscheidungen zur Inhalte-Politik oder Wiederherstellung von Accounts geben, schrieb er bei Twitter.
Künftig könnte auch der Weg für eine Rückkehr des ehemaligen Präsidenten Donald Trump auf die Plattform frei sein. Trump selbst bekräftigte am Wochenende, dass er nicht zu Twitter zurückkehren wolle, auch wenn dies möglich werden sollte. Stattdessen werde er bei Truth Social bleiben, sagte Trump dem Sender Fox News. „Es gefällt mir hier mehr“, erklärte er. „Ich mag Elon, aber ich bleibe bei Truth.“
Zugleich schränkte er ein: „Ich denke nicht, dass Twitter ohne mich erfolgreich sein kann.“ Tatsächlich war es für Twitter nach seiner Verbannung nicht schlechter gelaufen. Musk hatte die permanente Sperre von Trump im Mai als „moralisch falsch und einfach nur dumm“ kritisiert. Zudem kündigte er an, „lebenslange“ Sperren von Nutzern generell abschaffen zu wollen.
Am Sonntag verbreitete Musk an seine 112 Millionen Follower eine rein spekulative Verschwörungstheorie über den Angriff auf den Politikergatten Paul Pelosi weiter. Der 82-jährige Ehemann der Vorsitzenden des US-Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, war im Haus des Paars angegriffen und mit einem Hammer am Kopf verletzt worden.
In der von Musk retweeteten Verschwörungstheorie wurde grundlos gemutmaßt, dass Pelosi in einen Streit mit einem Mann geraten sein könnte, den er selbst ins Haus gelassen habe. Die Polizei spricht eindeutig von einem Einbruch. Einige Stunden später war der Tweet gelöscht.
Twitter: Verifizierung könnte kostenpflichtig werden
Auch könnte sich schon bald das Bezahlmodell bei Twitter ändern. Zwei einflussreiche US-Branchendienste berichteten, dass Musk am Wochenende seine Teams daran hat arbeiten lassen, künftig Geld von verifizierten Accounts zu verlangen. Der Technologie-Blog „Platformer“ und das Medium „The Verge“ berichteten, dass die Verifikations-Häkchen künftig nur noch für Kunden des Abo-Angebots Twitter Blue verfügbar sein sollen. Es kostet aktuell 4,99 Dollar im Monat.
„The Verge“ schrieb unter Berufung auf informierte Personen und interne Kommunikation aber auch, dass die Verifikation Teil einer neuen, teureren Blue-Version werden solle. Twitter wolle dafür 19,99 Dollar im Monat verlangen. Software-Entwicklern sei eine Frist bis zum 7. November gesetzt worden, die Funktion zu starten – oder sie würden gefeuert. Musk selbst schrieb bei Twitter am Sonntag lediglich, das Verfahren zur Verifikation werde derzeit überarbeitet.
Musk hatte für die Twitter-Übernahme rund 44 Milliarden Dollar bezahlt. Das Geld kam teilweise aus Verkäufen seiner Aktien am Elektroauto-Hersteller Tesla – aber auch aus Beiträgen von Investoren und Krediten, die bedient werden müssen. Twitter hatte zuletzt rote Zahlen geschrieben.
Mit Agenturmaterial