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WagniskapitalGründerinnen erhalten weniger Kapital als Gründer

Während 2024 insgesamt mehr Geld in deutsche Start-ups floss, sanken die Investitionen in weibliche Gründerteams. In Europa stehen ihre Chancen für Venture Capital nur leicht besser.Nadine Schimroszik 07.03.2025 - 13:04 Uhr Artikel anhören
Annika Rahm und Charlotte Dehner: Die beiden Frauen haben das Hundefutter-Start-up Hey Holy gegründet. Foto: Hey Holy

Berlin. Die wirtschaftlichen Chancen von Gründern und Gründerinnen werden wieder ungleicher. Im vergangenen Jahr sammelten Start-ups, die ausschließlich von Frauen gegründet wurden, weniger als ein Prozent des gesamten in Deutschland investierten Risikokapitals ein. Das geht aus dem Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor.

Jungfirmen benötigen Risikokapital (englisch: Venture Capital, VC), um ihr Wachstum zu finanzieren. Erhalten sie diese finanziellen Mittel nicht oder seltener, ist es für Gründerinnen also deutlich schwerer, sich am Markt zu etablieren, als für gut finanzierte männliche Konkurrenten. 2024 waren vier Prozent der deutschen Start-ups allein von Frauen gegründet, 17 Prozent von gemischten Teams, der Rest allein von männlichen Gründern.

Obwohl deutschlandweit die Investitionen in Start-ups stiegen, ging die für Frauen-Start-ups ausgegebene Gesamtsumme um mehr als 50 Prozent zurück. Finanzierungen für rein männliche Teams legten auf deutlich höherem Niveau um 27 Prozent weiter zu. EY-Partner Thomas Prüver fasst die Entwicklung dieser geschlechtsspezifischen Kluft so zusammen: „Das Jahr 2024 bedeutet Rückschritt statt Fortschritt.“

In Europa ist das Kapital etwas ausgeglichener verteilt. Europaweit sammelten laut dem Datendienst Pitchbook von Frauen gegründete Start-ups im vergangenen Jahr 815 Millionen Euro ein und damit rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung fällt besonders deswegen auf, weil zeitgleich die Gesamtinvestitionen in Jungfirmen in Europa um rund acht Prozent fielen und auch reine Männerteams weniger Geld bekamen.

Ein Grund: der Similarity Bias

Als eine der Hauptursachen für die Diskrepanz zwischen weiblichen und männlichen Teams gilt die zumeist männliche Investorenbasis. „Meines Erachtens lässt sich der Rückgang bei von Frauen gegründeten Start-ups vor allem durch die weiterhin bestehenden Vorurteile in der Venture-Capital-Branche erklären“, sagt Gesa Miczaika, Gründerin des Frühphaseninvestors Auxxo Female Catalyst. Diese Vorurteile würden durch den Mangel an weiblichen Entscheidungsträgern bei den Risikokapitalgebern verstärkt. Auxxo beteiligt sich ausschließlich an Firmen, die von Frauen mitgegründet wurden.

Gesa Miczaika: Die Investorin ist Mitgründerin des Start-up-Investors Auxxo. Foto: Pressebild

Pitchbook zufolge sind etwa 15 Prozent der Entscheidungsträger in größeren europäischen VC-Firmen Frauen. Angesichts des weit verbreiteten „Similarity Bias“ sei es „wenig überraschend, dass weibliche Gründer trotz oft exzellenter Leistungen und innovativer Ideen seltener das notwendige Kapital finden“, sagt Miczaika. Unter „Similarity Bias“ versteht man die Tendenz, Menschen zu bevorzugen, die einem selbst ähnlich sind, also etwa dasselbe Geschlecht haben.

Die Gründerinnen des Hundefutterspezialisten Hey Holy, Annika Rahm und Charlotte Dehnert, sind der Meinung, dass dadurch enormes Potenzial ungenutzt bleibt. In den Verhandlungen zu ihren beiden Finanzierungsrunden seien auch ihnen kaum Investorinnen begegnet.

Als Nachteil betrachten sie ihr Führungsteam trotzdem nicht: „Ein rein weibliches Gründerteam, ergänzt durch einen hohen Frauenanteil im Team, wird von vielen Investoren heute durchaus als Pluspunkt wahrgenommen.“ Am Ende seien ein überzeugendes Geschäftsmodell, starke Zahlen sowie Professionalität und Managementfähigkeiten wichtiger als das Geschlecht.

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Seit der Gründung 2022 hat Hey Holy mehr als drei Millionen Euro Risikokapital eingesammelt. Viele der Anschubinvestoren sind weiblich, etwa die Mitgründerin des Gewürz-Start-ups Just Spices, Amina Karic.

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