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Wegen Wirecard-Skandal Bei der Telekom wachsen die Zweifel an EY als Abschlussprüfer

Die Wirtschaftsprüfer von EY sind im Zuge des Wirecard-Skandals in die Kritik geraten. Die Telekom überdenkt nun Pläne, das Unternehmen als Abschlussprüfer einzusetzen.
29.07.2020 - 17:28 Uhr Kommentieren
Bei der Telekom wird die Aufarbeitung der Rolle von EY bei Wirecard genau geprüft. Quelle: dpa
Deutsche Telekom

Bei der Telekom wird die Aufarbeitung der Rolle von EY bei Wirecard genau geprüft.

(Foto: dpa)

Berlin, Frankfurt, Düsseldorf Seit ihrer Börsennotierung 1996 hält die Deutsche Telekom dem Prüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) die Treue. Aufgrund der vom Gesetzgeber erzwungenen Rotation der Wirtschaftsprüfer muss sich der Dax-Konzern jedoch für eine neue Gesellschaft entscheiden. Bei der virtuellen Hauptversammlung am 19. Juni wurden dafür die Weichen gestellt.

Unter Tagesordnungspunkt 5 wurde zwar zunächst PwC als Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2020 bestellt. Unter Tagesordnungspunkt 8 bekam jedoch auch EY einen Zugang zu den Daten des Konzerns. Der Firma wurde eine „prüferische Durchsicht“ für das erste Quartal 2021 eingeräumt.

Während die Entscheidung für PwC 94,83 Prozent der gültigen Stimmen bekam, votierten sogar 99,57 Prozent der abgegebenen Stimmen mit Ja für EY. Damit war ein wichtiger Schritt getan, bei der Hauptversammlung im kommenden Jahr EY als Abschlussprüfer zu beauftragen.

Seitdem ist jedoch viel passiert: Der Finanzdienstleister Wirecard steckt inzwischen mitten in einem Bilanzskandal. Drei Tage nach der Telekom-Hauptversammlung teilte Wirecard in einer Ad-hoc-Meldung mit, dass Guthaben auf Treuhandkonten über 1,9 Milliarden Euro „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“.

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    Die Aufarbeitung des Falls Wirecard hat gerade erst begonnen. In diesem Zuge ist auch EY in die Kritik geraten, weil das Unternehmen die Jahresbilanzen bei Wirecard seit 2009 geprüft und testiert hatte. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Scheinumsätze bereits seit Jahren in die Bilanzen einflossen.

    EY gilt bisher als großer Gewinner der Rotation

    Bei der Telekom wird daher die Aufarbeitung der Rolle von EY bei Wirecard genau geprüft. Es geht darum, ob die Prüfer sauber gearbeitet haben. Derzeit wird nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen erwogen, im Zweifelsfall im kommenden Jahr EY nicht als Abschlussprüfer bei der Hauptversammlung vorzuschlagen. Die Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

    Auf Anfrage teilte ein Telekom-Sprecher mit, es gebe derzeit keinen Grund, einen Plan zugunsten von EY infrage zu stellen. Es habe einen längeren Auswahlprozess von verschiedenen Prüfungsgesellschaften gegeben. „Diesen Prozess hatten mehrere Kandidaten durchlaufen“, sagte der Sprecher. Eine Antwort von EY zu dem Vorgang stand zunächst aus.

    Mehrere Politiker forderten Konsequenzen aus dem Fall Wirecard, unter anderem für die Rolle, die EY bei Firmen mit hoher Beteiligung des Staates spielen solle. Der Bund hält rund ein Drittel der Anteile an der Telekom.
    Die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe schrieb auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter: Solange unklar sei, wieso die Wirtschaftsprüfung von EY bei Wirecard so versagt habe, „sollten wir überlegen, ob dieses Unternehmen noch öffentliche Aufträge bekommen darf“.

    SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider sagte: „Der Fall Wirecard muss und wird genau beleuchtet werden – politisch wie wirtschaftlich. Über Jahre hinweg haben renommierte Wirtschaftsprüfer eklatant versagt. Daraus gilt es politische Schlüsse zu ziehen. Olaf Scholz hat bereits schärfere Gesetze angekündigt. Die SPD-Fraktion unterstützt diesen Weg voll und ganz und erwartet eine schnelle Einigung mit dem Koalitionspartner.“

    EY gilt bisher als großer Gewinner der Rotation der Wirtschaftsprüfer bei den großen börsennotierten Unternehmen. Im Zuge der Wechsel hat EY als Nummer zwei der großen vier Wirtschaftsprüfer bereits die Abschlussprüfermandate bei Lufthansa, Volkswagen, Munich Re und der Deutschen Bank gewonnen. Lediglich Heidelbergcement musste man an PwC abgeben. Die Mandate von Siemens und Beiersdorf konnte EY verteidigen. EY-Deutschlandchef Hubert Barth hat die Devise ausgegeben: „Wir wollen in jedem Sektor ein großes Mandat haben.“ 

    Es ist aber nicht so, dass die Wirtschaftsprüfer bei jeder Ausschreibung im Dax sofort Schlange stehen. Der Aufwand für solche Mandate ist sehr hoch und überschreitet in der Regel die Millionengrenze. Zudem kann es für die Prüfer angesichts ihrer umfangreichen Consulting-Aktivitäten unter Umständen attraktiver sein, einen solchen Großkonzern als Beratungskunden zu halten, anstatt ihn als neuen Mandanten für die Abschlussprüfung zu gewinnen.

    Mehr: Der Fall Wirecard ist eine Zäsur für Wirtschaftsprüfer

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