Halbleiter: Chipfirma Arm profitiert von KI-Geschäft – Aktie steigt fast 60 Prozent
München. Der Chipdesigner Arm begeistert die Anleger: Zeitweise um knapp 60 Prozent ist der Aktienkurs des britischen Unternehmens am Donnerstag im frühen Handel in New York in die Höhe geschossen. Die Papiere notierten bei gut 122 Dollar und damit auf dem mit Abstand höchsten Niveau seit dem Börsengang im vergangenen Jahr.
Der Grund für die Euphorie: Arm, dessen Technik in praktisch allen Smartphones verbaut ist, profitiert vom Schritt ins Geschäft mit Rechenzentren. Der verstärkte Einsatz von KI-Technologie steigere auch die Nachfrage nach Chips mit Arm-Architektur, sagte Firmenchef Rene Haas nach Vorlage von Quartalszahlen am Mittwochabend. So hat Arm mit seiner Umsatzprognose für das laufende Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen.
Auf Basis der von Arm entworfenen Chip-Architekturen entwickelt unter anderem Apple die Prozessoren für seine iPhones – und inzwischen auch für die Mac-Computer. Der Halbleiterkonzern Qualcomm, mit dessen Chips viele Android-Smartphones laufen, greift ebenfalls darauf zurück. Die Kunden zahlen an Arm Abgaben für die Verwendung der Chip-Architektur.
Bei der neuesten Chip-Architektur mit der Bezeichnung V9 sei diese Gebühr in etwa doppelt so hoch wie bei der vorherigen, sagte Haas. Da die darauf basierenden Chips inzwischen in allen neuen Premium-Smartphones zum Einsatz kämen, treibe das auch den Arm-Umsatz an.
Noch lukrativer für den Chipdesigner sind die Prozessoren für Rechenzentren, die Abgaben für gleich mehrere Rechenkerne bringen.
Auch der Vorstoß ins Autogeschäft zahlt sich aus. Chips auf Basis von Arm-Technologie steckten zum Beispiel in iPhones, Tesla-Elektroautos, Samsung-Fernsehern und auch in den stark nachgefragten KI-Prozessoren des Halbleiterkonzerns Nvidia, sagte Haas im TV-Sender CNBC am Donnerstag.
Für das laufende Quartal rechnet Arm mit einem Umsatz zwischen 850 und 900 Millionen Dollar, während Analysten im Schnitt nur eine Prognose von 778 Millionen Dollar erwartet hatten. Für das laufende Jahr stellt das Unternehmen Erlöse zwischen 3,16 und 3,21 Milliarden Dollar in Aussicht, zuvor hatte die Firma lediglich 3,08 Milliarden angepeilt.
Der japanische Technologieinvestor Softbank hatte Arm vergangenen Herbst an die Börse gebracht. Mit einem Volumen von 4,9 Milliarden Dollar war es Bloomberg zufolge die größte Neuemission in den USA 2023. Die Aktie hing zunächst lange am Ausgabepreis von 51 Dollar fest.
Von dem jüngsten Kurssprung profitiert nun in erster Linie Softbank. Den Japanern gehören noch immer 90 Prozent der Anteile. Die Japaner hatten Arm vor acht Jahren für 32 Milliarden Dollar gekauft. Jetzt kommt die Firma auf einen Börsenwert von rund 126 Milliarden Dollar.