Künstliche Intelligenz: Dieser Firma bringt der Zollstreit mehr Kunden
Düsseldorf. Wenn Politiker Zölle verkünden, geraten Lieferketten unter Druck. Für das Berliner Start-up Alpas AI bedeutet das: mehr Aufträge.
Die Software der Firma hilft Industrieunternehmen, passende Lieferanten schnell zu finden – mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI). Denn höhere Zölle machen Einkäufe aus vielen Ländern teurer. Unternehmen müssen dann günstigere oder lokalere Zulieferer finden – und das möglichst schnell. Isabel Poppek, Gründerin von Alpas AI, sagt: „Zölle müssen entlang der gesamten Kette mitgedacht werden.“
In den Geschäftszahlen von Alpas zeigt sich der Effekt der Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump von Anfang April deutlich: Allein in den ersten drei Wochen des Aprils habe die Firma 43 Prozent des Kundenzuwachses aus dem Vorquartal erreicht, berichtet Poppek. Zu den Kunden zählen Konzerne wie BASF, Siemens Energy und Deutz. Sie setzen auf die Alpas-Plattform, um ihre Lieferketten effizienter und robuster aufzustellen – und hoffen auf Einsparungen in Millionenhöhe.
„Start-ups wie Alpas werden immer wichtiger“
Start-ups wie Alpas und die Mittbewerber Tacto und Achlet profitieren von der weltweiten handelspolitischen Unsicherheit. „Der Trend ist seit der Coronapandemie deutlich zu sehen“, sagt Felix Klühr, Investor bei HV Capital. Lieferengpässe, geopolitische Risiken und neue Handelsbarrieren seien zur Normalität geworden – und das spiele jungen Firmen in die Karten.
Viele Konzerne beziehen wichtige Bauteile inzwischen von mehreren Lieferanten. Das macht sie robuster, wenn Zölle steigen oder Standorte ausfallen. Laut Klühr sind Konzerne in solchen Phasen eher bereit, Risiken einzugehen und auf Start-ups zu setzen. Er erwartet, dass die Nachfrage nach Anbietern wie Alpas weiter steigen wird.
Auch Analyst Balaji Abbabatulla von der Marktforschungsfirma Gartner erwartet kräftige Investitionen. Die Ausgaben für das Lieferkettenmanagement dürften sich von 33 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 bis Ende des Jahrzehnts verdoppeln, schätzt er. Ein großer Teil davon dürfte an Anbieter wie Alpas gehen.
„Wir finden passende Lieferanten, prüfen sie gründlich und stellen den Kontakt her. Wie es dann weitergeht, entscheidet der Kunde“, umreißt Poppek das Geschäft. Vor allem große Industrieunternehmen wollten geopolitische Abhängigkeiten verringern. „Es geht zunehmend darum, alternative Lieferanten in anderen Regionen zu finden“, sagt sie.
Dafür hat Alpas eigene Machine-Learning-Modelle entwickelt, die Lieferantendaten, Internetquellen und spezialisierte Finanzdaten analysieren. Die Kriterien legen die Kunden selbst fest. Am Ende steht eine Liste potenzieller Zulieferer: vom besten bis zum am wenigsten passenden.
Die Start-up-Plattform Pitchbook zählt bei Alpas aktuell 33 Mitarbeitende. Zu den Investoren gehören unter anderem Asia Venture Group, Auxxo, Brose Ventures, Denkapparat, der Harvard Endowment Fund sowie Einzelpersonen wie Ann-Kristin Achleitner, Andreas Ehn (ehemaliger CTO von Spotify) und Dominik Richter (CEO von Hellofresh). Das Start-up hat bisher rund drei Millionen Euro eingesammelt.
Mit Alpas spart Deutz Zeit und Geld
Ein langjähriger Kunde ist der Motorenhersteller Deutz. Danny Sturm, Einkaufsleiter für neue Antriebstechnologien, nutzt die Plattform intensiv. „Wir elektrifizieren aktuell Bagger oder Traktoren. Dabei tauschen wir den Motorblock gegen ein elektrisches System aus“, sagt er. Allein in seinem Bereich arbeitet Deutz mit rund 50 Zulieferern.
Sturm nutzt die Software, um schon im Einkauf passende Lieferanten zu identifizieren, damit die Ingenieure frühzeitig planen können. Die Plattform sei webbasiert und einfach zu bedienen. „Man loggt sich ein, gibt gemeinsam mit Alpas die Parameter ein. Je präziser, desto besser das Ergebnis“, sagt Sturm. Zu den Kriterien zählen Herkunftsort, Volt-Zahl und ISO-Normen zur Qualitätssicherung. Kleinteile bezieht Deutz meist aus Europa, größere Elektronik eher aus Asien.
Ein Beispiel für den konkreten Nutzen: Alpas hat 16 neue Zulieferer für ein bestimmtes Ladegerät gefunden – und sieht Potenzial für Einsparungen im sechsstelligen Bereich. Für Deutz ist vor allem die Zeitersparnis ein entscheidender Faktor. Bei der Suche nach dem Ladegerät habe Alpas ihm allein zwei bis drei Monate Arbeit erspart und eine schnellere Markteinführung ermöglicht, sagt Einkäufer Sturm.
Er schränkt aber ein: „Das, was Alpas ausspuckt, ist natürlich nur so gut wie die Daten.“ Ohne die passenden Informationen auf Websites könne auch die Alpas-KI nicht helfen. Dennoch überwiege der Nutzen – durch Geschwindigkeit, Marktüberblick und klare Entscheidungskriterien. In Zeiten politischer Unsicherheit sei das kein Extra mehr, sondern Voraussetzung.
Auf Sturms Bereich hat Trumps Zollpolitik bislang keine direkten Auswirkungen. „Was Trump heute verhängt, kann morgen wieder gelten – oder auch nicht“, sagt er. Beobachtet werde die Entwicklung dennoch genau. Bei der Beschaffung von Aluminium und Stahl spürt Deutz die Folgen bereits.