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Künstliche IntelligenzGoogle und Intel stellen neue KI-Chips vor

Die Tech-Riesen wollen dem Marktführer Nvidia leistungsstärkere Chips entgegensetzen. Google enthüllt zudem neue KI-Dienste, die weniger Fehler machen sollen. Die Märkte reagieren prompt.Felix Holtermann 11.04.2024 - 14:30 Uhr
Der neue Chip soll Künstliche Intelligenz beschleunigen. Foto: Intel

New York. Google und Intel wollen mit neuen Chips für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) dem Marktführer Nvidia Konkurrenz machen. Googles neue Chip-Variante mit dem Namen Axion soll doppelt so schnell arbeiten wie das Vorgängermodell. Das teilte der Suchmaschinenriese am Dienstag mit.

Der neue Chip ist ein Hauptprozessor (CPU) für Rechenzentren und basiert auf der sogenannten Arm-Architektur. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Der britische Chipdesigner Arm liefert die Baupläne für Halbleiter und steht dabei in Konkurrenz zu der bisher bei CPUs vorherrschenden x86er-Architektur von Intel und AMD. Die mit dem Arm-Konzept entwickelten Prozessoren gelten als energieeffizienter und werde daher bisher vor allem in Smartphones eingesetzt. 

Kunden sollen auf den neuen Axion-Chip über Googles Serversparte zugreifen können. „Die KI-Transformation ist in vollem Gange“, sagte Google-Cloud-Chef Thomas Kurian auf der Entwicklerkonferenz „Next“ in Las Vegas. Der Axion-Chip solle unter anderem 60 Prozent weniger Energie verbrauchen. Weitere Details nannte Google nicht.

Der Konzern hat in der Vergangenheit andere Spezialchips gebaut, aber bisher keinen CPU-Chip. Bei früheren Halbleiterprojekten hat Google mit dem US-Hersteller Broadcom zusammengearbeitet. Am Dienstag nannte der Konzern aber keinen Partner.

Auch Intel stellte am Dienstag einen neuen Chip vor, den Grafikprozessor (GPU) Gaudi 3. Mit ihm sollen nach eigenen Angaben manche KI-Systeme 50 Prozent schneller trainiert werden können als mit dem H100-Prozessor von Nvidia, dem führenden KI-Chip. Intel-Vizepräsidentin Jeni Barovian Panhors sagte auf der Konzernmesse „Vision“ in Phoenix, die Kunden wünschten sich eine „größere Auswahl in der Branche.“

Intel gab ebenfalls keine weiteren Details bekannt. Auch auf Handelsblatt-Nachfrage blieb das Unternehmen etwa die Zahl der verbauten Transistoren schuldig. Dank dieser winzigen Schalter können Chips Informationen speichern und verarbeiten, ihre Anzahl ist daher eine wichtige Kenngröße. Intel hat sich zuletzt schwer damit getan, mit dem Entwicklungstempo von Nvidia mitzuhalten.

Die Aktionäre reagierten daher positiv auf die neuen Vorhaben. Die Intel-Aktie legte nach der Ankündigung bis zum späten Nachmittag (Ortszeit) etwa ein Prozent zu. Die Papiere der Google-Mutter Alphabet stiegen um rund 1,3 Prozent. Nvidia-Aktien fielen dagegen um etwa drei Prozent.

Neue KI-Funktionen bei Google

Google hat auf der Konferenz am Dienstag außerdem mehrere neue KI-Funktionalitäten vorgestellt, von denen Kunden seiner Cloud-Sparte profitieren sollen. So biete der hauseigene KI-Assistent Gemini jetzt „Sicherheit und Datenschutz auf Unternehmensniveau“, erklärte Cloud-Chef Kurian. Vor allem den KI-Einsatz bei Unternehmenskunden will Google voranbringen.

Kurian zeigte auf der Bühne, wie Gemini zur Erstellung von Werbung, Videos und Podcasts, zur Abwehr von Hackerangriffen und mehr verwendet werden kann. Erstmals soll es für Firmenkunden möglich sein, die Antworten von Gemini an verlässliche Informationsquellen zu koppeln, was Google als „Grounding“ bezeichnet. So zeigt Gemini etwa das genaue Google-Suchergebnis an, das als Quelle für eine Antwort verwendet wurde. Das sorge für mehr Genauigkeit und Aktualität, so Kurian. Firmenkunden könnten die Antworten des Modells auch auf Daten aus ihrem Unternehmen beschränken.

„Unternehmen haben mit uns eine Reihe von Szenarien mit generativer KI erprobt. Jetzt setzen sie diese in der Produktion ein“, erklärte Kurian gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg. Wichtig sei etwa die „Verbesserung der Korrektheit von Antworten“.

Peinliche Fehler bei Googles Gemini

Google liegt im Bereich Cloud-Computing hinter Amazon und Microsoft, konnte aber 2023 seine Rechenzentrumssparte aus den roten Zahlen führen. Auch bei KI-Anwendungen war der lange Zeit führende Konzern seit der Partnerschaft von Microsoft mit dem ChatGPT-Erfinder OpenAI ins Hintertreffen geraten. Nach wie vor beschäftigt Google aber viele führende KI-Entwickler. Seit seiner Vorstellung im Dezember erzielt Gemini im Vergleich mit anderen Modellen starke Ergebnisse.

Die Tech-Riesen wollen 2024 vor allem Firmenkunden in den Fokus ihrer Geschäfte nehmen. Laut Brad Lightcap, Organisationschef (COO) von OpenAI, haben sich bereits mehr als 600.000 Nutzer für das Firmenkundenangebot „ChatGPT Enterprise“ angemeldet. Im Januar lag die Zahl demnach bei 150.000.

Googles neue KI-Offensive folgt auf einige peinliche Rückschläge. Im Februar hatte das Flaggschiff-Produkt Gemini heftige Kritik auf sich gezogen, nachdem es historisch ungenaue Bilder ausgegeben hatte. Google-CEO Sundar Pichai hatte die Antworten als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet. Google nahm seinen KI-Bildgenerator für Verbraucher daraufhin vom Netz. Unternehmenskunden hingegen hätten „0,0“ entsprechende Probleme gemeldet, beschwichtigte Kurian am Dienstag, was auch auf größere Kontrollmechanismen zurückzuführen sei.

Von denjenigen KI-Start-ups, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden, seien 90 Prozent Kunden von Google Cloud, so Kurian weiter. Im August seien es 70 Prozent gewesen. Trotzdem ist der Wettbewerb hart: Laut Amazon waren im September mehr als 5000 generative KI-Start-ups Kunden der hauseigenen AWS-Plattform.

Auch für die Cloud-Plattform für externe Entwickler, Vertex AI, kündigte  Google neue KI-Funktionen an. Diese seien auch das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Google Cloud und DeepMind, dem KI-Labor des Konzerns, das von Demis Hassabis geleitet wird.

Nvidia weiter führend bei Halbleitern

Google ist nicht der einzige Cloud-Anbieter, der eigene Chips entwickelt. Auch Amazon und Microsoft setzen auf CPUs mit der Arm-Architektur für ihre Datenzentren. Microsoft hat außerdem zuletzt den KI-Chip Maia-100 vorgestellt. Er weist 105 Milliarden Transistoren auf. Der H100 von Nvidia kommt nur auf 80 Milliarden – dessen im März vorgestellter Nachfolger B200 jedoch bereits auf 208 Milliarden.

Nvidia kontrollierte im vergangenen Jahr etwa 83 Prozent des Chip-Marktes für Datenzentren, während die Cloud-Chips von Google einen großen Teil des Rests ausmachten.

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Mit Material von Reuters und Bloomberg.

Erstpublikation: 09.04.2024, 18:59 Uhr.

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