Künstliche Intelligenz: OpenAI stellt neue „natürliche“ GPT-Version vor
New York. Das US-Start-up OpenAI hat eine verbesserte Version seiner Künstlichen Intelligenz (KI) GPT präsentiert. GPT-4.5 soll akkuratere Antworten als die bisherigen KI-Modelle liefern, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Zudem halluziniere es weniger – erfinde Antworten also seltener.
Das Vorgängermodell 4.0 war bereits vor zwei Jahren veröffentlicht worden und galt damals als Meilenstein für die gesamte Branche. Entsprechend hoch waren nun die Erwartungen.
„GPT-4.5 ist das erste Modell, das sich für mich so anfühlt, als würde ich mit einem aufmerksamen Menschen sprechen“, schrieb OpenAI-Chef Sam Altman auf dem Kurznachrichtendienst X. „Ich hatte mehrere Momente, in denen ich mich in meinem Stuhl zurücklehnte und erstaunt war, dass ich tatsächlich gute Ratschläge von einer KI erhielt.“ Forschungschefin Mia Glaese sprach von der Fähigkeit, „warme, intuitive, natürlich fließende Gespräche“ zu führen.
Experten gaben sich zunächst skeptisch. In ersten Vergleichstests konnte GPT-4.5 zum Teil nicht überzeugen und fiel etwa hinter OpenAIs eigene Alternativmodelle oder Konkurrenzangebote von Anthropic zurück. Das sehe „überhaupt nicht beeindruckend aus“, schrieb Guido Appenzeller, Partner und KI-Experte beim US-Investor Andreessen Horowitz, nach einem eigenen Test am Donnerstag auf der Plattform LinkedIn.
Negativ fiel zudem der hohe Preis auf: Für die Nutzung von GPT-4.5 ist ein Abonnement für 200 Dollar im Monat notwendig.
KI-Modelle: Wettbewerb spitzt sich zu
Dabei hatte OpenAI direkt bei der Vorstellung versucht, die Erwartungen in Sachen Vergleichstests zu dämpfen. GPT-4.5 sei keine logisch denkende KI und werde die Konkurrenz wohl nicht deklassieren, räumte Chef Altman ein. Es sei vielmehr „eine andere Art von Intelligenz, die eine Magie ausstrahlt, die ich noch nie zuvor gespürt habe.“
Die neue Version soll OpenAI zufolge indes die letzte sein, die nicht – ähnlich wie ein Mensch – zunächst über ein Problem nachdenkt, bevor sie eine Antwort gibt. Das KI-Modell zerlegt es dazu in kleine Teile, die zunächst unabhängig voneinander bearbeitet werden. Fachleute nennen die Technologie „Gedankenketten“. Sie soll präzisere Antworten ermöglichen und die Häufigkeit von sogenannten Halluzinationen reduzieren.
Nach dem weltweiten Schock um das weitaus billiger arbeitende chinesische KI-Start-up Deepseek steht OpenAI-Chef Altman unter besonderem Druck, Investoren wie Öffentlichkeit von der Zukunftsfähigkeit seines Geschäftsmodells zu überzeugen. OpenAI macht hohe Verluste und benötigt zudem Kapital, um das „Stargate“-Projekt zum Aufbau großer Rechenzentren zu finanzieren. Im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde könnte das Start-up Medienberichten zufolge mit bis zu 340 Milliarden Dollar bewertet werden.
Gleichzeitig nimmt der ohnehin schon hohe Wettbewerb weiter zu. Erst vor zwei Tagen hat Konkurrent Anthropic sein neues KI-Modell Claude 3.7 vorgestellt, das von vielen Fachleuten gelobt wurde. Anthropic profitiert dabei von seiner Partnerschaft mit dem Tech-Konzern Amazon, der Claude für seine neue Sprachassistentin Alexa Plus nutzt. Damit bekommen rund 600 Millionen Amazon-Kunden weltweit bald Zugriff auf das neue Anthropic-Modell.
Wenige Stunden vor OpenAI hatte zudem der chinesische Konzern Tencent eine verbesserte Version seiner KI vorgestellt. Deepseek wiederum will Insidern zufolge die Premiere des „R1“-Nachfolgers vorziehen.
Mit Agenturmaterial