Automotive Health: Wenn das Auto Atem und Herzfrequenz überwacht
Berlin. Während einer Autofahrt die Körpertemperatur des Fahrers messen, die Herztöne überwachen, die Atemfrequenz beobachten – das könnte einmal Auto-Standard sein. Forschende des Peter L. Reichertz Instituts für Medizinische Informatik (PLRI) präsentierten auf der diesjährigen Medizintechnikmesse Medica einen entsprechenden Auto-Prototypen: mit integrierten Sensoren, die Gesundheitswerte aufzeichnen.
„Das Fahrzeuginnere zum medizinisch-diagnostischen Raum machen“, nennt Institutsleiter Thomas Deserno das Prinzip. Er hat das „Smart Car“ entwickelt, das die wichtigsten Vitalparameter des Körpers erfassen kann: Über das Lenkrad wird ein EKG aufgezeichnet, der Autositz misst die Körpertemperatur, eine Innenraumkamera filmt das Gesicht des Fahrers oder der Fahrerin und berechnet so die Atemfrequenz. Ein Netzwerk sammelt die Daten, analysiert sie – und den Gesundheitsbericht gibt es auf Wunsch per E-Mail.
Die Idee zu seinem Projekt hatte Medizininformatiker Deserno auf einer Autofahrt: Er blickte auf seine Hände am Steuer und fragte sich, ob sich auf diese Weise ein EKG aufzeichnen ließe. Sein Institut arbeitete damals an einem Smart-Home-Projekt, verbaute zum Beispiel EKG-Elektroden in Sesseltextilien. Der Wissenschaftler meinte aber: Der Mensch sitze doch im Schnitt 43 Minuten täglich im Auto, hier müsse man ansetzen.