Christian Albrecht: „Die Digitalisierung ist erschreckend weit zurück“
Berlin. Nach Stationen bei den Beratergesellschaften Deloitte und McKinsey sowie als Mitgründer des Start-ups Wismo, das eine Payment-App entwickelte, gründete der Betriebswirt Christian Albrecht 2020 gemeinsam mit Sebastian Krammer und Nicolas Jakob das Unternehmen Avelios Medical. Das Healthtech-Start-up entwickelt ein Krankenhausinformationssystem (KIS) und wagt sich damit auf einen stark umkämpften Markt.
Das cloudfähige Avelios-KIS basiert auf strukturierter, interoperabler Datennutzung – ein technologischer Standard, der im deutschen Gesundheitswesen noch längst nicht flächendeckend etabliert ist.
Herr Albrecht, welches digitale Gesundheitstool nutzen Sie am häufigsten?
Mittlerweile ist das tatsächlich meine Apple Watch. Ich nutze sie vor allem zur Messung von Puls, Atemfrequenz und insbesondere zur Analyse meines Schlafs. Das hilft mir, besser zu verstehen, was meine Schlafqualität beeinflusst. Seitdem ich das tue, esse ich früher zu Abend und trinke deutlich weniger Alkohol. Insgesamt hat sich mein Lebensstil dadurch verbessert – ich bin seltener krank und fühle mich energiegeladener.
Welcher Digital-Health-Trend wird überschätzt oder unterschätzt?
Ich glaube, das Potenzial der personalisierten Medizin wird nach wie vor unterschätzt. Vor allem die Vorsorge basiert heute auf Annahmen, die für alle gelten sollen. Dabei könnten wir mit einer besseren Datengrundlage viel individueller agieren – nicht nur reaktiv, wenn jemand krank ist, sondern besonders proaktiv, etwa auf Basis genetischer Informationen. Das würde die Versorgung deutlich verbessern. Überschätzt wird hingegen die Vorstellung, dass Künstliche Intelligenz Ärztinnen und Ärzte ersetzen kann. KI kann unterstützen, aber der menschliche Faktor bleibt zentral für gute medizinische Entscheidungen.