Corona-Langzeitfolgen: Datensammeln im Kampf gegen Long Covid
Den Patienten kann oft nur schwer geholfen werden.
Foto: dpaDer Tweet sorgte für Furore: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte in der vergangenen Woche mit Verweis auf eine US-Studie, dass im Herbst bei vielen jungen Menschen Entzündungen im Gehirn infolge einer Corona-Infektion auftreten könnten.
Einige Experten stimmten Lauterbach zu, andere warfen ihm Spekulation vor. Die Reaktionen zeigten: In Bezug auf Long Covid gibt es auch in der Fachwelt noch wenig gesicherte Erkenntnisse. Dabei leiden allein in Deutschland etwa eine halbe Million Menschen an Langzeitfolgen von Covid-19. Häufiges Symptom ist eine chronische Erschöpfung, die sogenannte Fatigue.
Der Leidensdruck ist hoch – auch weil eindeutige Diagnosewege und Therapien fehlen. Es herrscht ein Mangel an Daten. „Long Covid kann heute noch nicht durch eindeutige Marker im Körper nachgewiesen werden“, sagt Bettina Hohberger, Ärztin und Molekularmedizinerin an der Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. Hohberger ist Leiterin des Forschungsprojekts „disCOVer“, das die Augenklinik zusammen mit dem Erlanger Max-Planck-Institut für „die Physik des Lichts“ durchführt.
Die Studie will mithilfe Künstlicher Intelligenz einen eindeutigen Nachweis für Long Covid entwickeln. Heute ist nur eine Ausschlussdiagnose möglich: Dabei werden nach und nach andere Krankheiten als Ursache für die Symptome ausgeschlossen – ein langwieriger Prozess.