Datenschutz: Medizinische Fachgesellschaft kritisiert Datenschutz
Viele Ärzte fürchten mehr Bürokratie durch Digitalisierungs-Vorhaben.
Foto: ImagoBerlin. Die Kritik an einem zu hohen Datenschutz im deutschen Gesundheitswesen flammt erneut auf. Zu den Mahnern zählt nun auch die größte medizinische Fachgesellschaft Europas – die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit rund 28.000 Mitgliedern. Die Gesellschaft teilt mit, der in Deutschland praktizierte Datenschutz gefährde mitunter Menschenleben.
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei „eine Verordnung, die zwar europaweit gilt, jedoch vor allem in Deutschland in einer Art und Weise ausgelegt wird, die mitunter Leib und Leben von Patientinnen und Patienten gefährdet“, teilt Markus M. Lerch mit, Vorsitzender der DGIM und ärztlicher Direktor des LMU Klinikums München. In Deutschland werde der Zugang zu Daten verhindert.
Bundesdatenschützer spricht von Manöver
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber betont gegenüber Handelsblatt Inside, dass die DSGVO europaweit einheitlich angewendet wird. „Das stellt der enge und regelmäßige Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen im europäischen Datenschutzausschuss sicher“, sagt Kelber. Er sieht eine Taktik hinter den Vorwürfen eines zu hohen Datenschutzes. „Die über viele Jahre verschlafene Digitalisierung im Gesundheitswesen dem Datenschutz anzulasten, ist ein durchschaubares Manöver zu Lasten der Patientinnen und Patienten.“