Ethikratsvorsitzende Alena Buyx: „Ärzte sollten KI-Einsatz transparent machen“
Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates.
Foto: dpaDüsseldorf, Frankfurt. Handelsblatt Inside: Frau Buyx, stellen Sie sich vor, Sie erhalten die Diagnose einer schweren Krankheit. Würden Sie wissen wollen, ob Ihr Arzt von einer KI unterstützt wurde?
Ja, ich persönlich würde das wissen wollen. KI hat sehr viel Potenzial in der Medizin. Die Einführung neuer Technologien kann aber durchaus holpern, daher sollten Patienten in den ersten Jahren einen Hinweis bekommen. Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin befinden wir uns noch auf einer Lernkurve. Wir als Ethikrat sind der Ansicht, dass Ärzte dies in der Aufklärung transparent machen sollten.
In welchen medizinischen Bereichen ist KI bereits zugelassen?
In der Europäischen Union gibt es bisher nach meiner Kenntnis nur ein Unternehmen aus Litauen, das eine CE-zertifizierte Software zur Auswertung von Röntgenbildern der Lunge anbietet. Die KI übernimmt dabei nur eine Aufgabe: nämlich zu sagen, ob eine Aufnahme unauffällig ist. Jede auffällige Röntgenaufnahme wird von Ärztinnen und Ärzten begutachtet.
Derzeit muss jedes Produkt, das am Patienten verwendet werden soll, als Medizinprodukt zugelassen werden. Wird das Gerät nur geringfügig verändert, muss es den Zertifizierungsprozess erneut durchlaufen. Es liegt aber in der Natur der KI, sich ständig zu verbessern, also zu verändern. Muss ein KI-basiertes Produkt dann immer wieder neu zugelassen werden?