Wolfgang von Meißner: „Wir brauchen Nahtstellen statt Schnittstellen“
Berlin. Welches digitale Gesundheitstool nutzen Sie am häufigsten?
Unsere eigens entwickelte Software Automedic von Meditech. Am häufigsten nutze ich in meiner Sprechstunde die Transkriptionsfunktion: Ich lasse Arzt-Patienten-Gespräche transkribieren und zusammenfassen und übernehme die kuratierten medizinischen Inhalte automatisch in die Patientenakte. Dieses Tool ist für mich unverzichtbar – ich liebe es.
Welcher Digital-Health-Trend wird überschätzt?
Das ist schwer zu sagen. Ich denke, Künstliche Intelligenz wird sowohl überschätzt als auch unterschätzt. Das größte Problem ist: „Garbage in, garbage out.“ KI funktioniert nur mit strukturierten, qualitativ hochwertigen Daten. Es ist ein bisschen wie „Wahrheit oder Pflicht“ – wenn die Daten klar und korrekt sind, kann die KI sinnvoll arbeiten, andernfalls produziert sie Halluzinationen. Also kurz gesagt: Unterschätzt wird, wie viel Potenzial KI hat, wenn wir strukturierte Daten generieren, kuratieren und korrekt ablegen. Überschätzt wird sie, wenn man glaubt, sie könne einfach mit beliebigen Datensätzen loslegen.
Welche drei Worte fallen Ihnen zum Stand der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen ein?
„Nahtstellen statt Schnittstellen!“ Wir sprechen ständig von Schnittstellen, aber das greift zu kurz. Was wir wirklich brauchen, sind bidirektionale Nahtstellen: Sie verbinden zwei Teile dauerhaft und stabil, stehen also für eine enge Verzahnung von Prozessen, Datenflüssen und Verantwortlichkeiten. An klassischen Schnittstellen hingegen findet oft nur eine technische Übergabe statt.