Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Zum The Spark - der deutsche Digitalpreis Special von Handelsblatt Online

Automobilbranche Corona gefährdet die Einhaltung der CO2-Ziele der Autohersteller

In diesem Jahr gelten verschärfte Kohlendioxid-Grenzen für Autos. Werden diese nicht eingehalten, drohen empfindliche Strafen. Erste Branchenvertreter wollen die Ziele aufweichen.
09.04.2020 - 20:58 Uhr 1 Kommentar
Die große Frage in der Coronakrise: Werden die neuen Autos überhaupt noch gekauft? Quelle: Reuters
Elektroauto-Produktion bei VW in Zwickau

Die große Frage in der Coronakrise: Werden die neuen Autos überhaupt noch gekauft?

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Schon für das vergangene Jahr ist das Ergebnis nicht allzu gut ausgefallen. Der durchschnittliche Kohlendioxid-Ausstoß eines in Europa verkauften Neuwagens lag 2019 je gefahrenem Kilometer bei 121,8 Gramm. Im Jahr zuvor sah es mit 120,5 immerhin noch etwas besser aus. „Die Kombination aus weniger verkauften Dieselfahrzeugen und einem größeren SUV-Anteil führt zu Konsequenzen“, begründet Felipe Munoz, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics, die Verschlechterung im vergangenen Jahr.

Die meisten Autohersteller in Europa liegen deutlich über dem für dieses Jahr von der EU vorgegebenen Ziel von 95 Gramm pro Kilometer. Mercedes erreicht nach Jato-Angaben mit 140,9 Gramm ziemlich weit hinten nur den 20. Platz. BMW, ebenfalls mit größeren und schwereren Autos im Modellprogramm, schafft 129 Gramm und erreicht Platz 16. Volkswagen liegt mit 121,2 Gramm auf dem neunten Rang. Mit Toyota gibt es in Europa nur einen einzigen Hersteller, der die aktuellen Vorgaben schon zum Jahreswechsel fast erreicht hatte (97,5 Gramm).

Eigentlich hätten die meisten anderen Autohersteller in diesem Jahr den neuen Durchschnittswert von 95 Gramm schaffen sollen – mit einem stark ausgeweiteten Programm mit rein batteriegetriebenen Modellen und zusätzlichen Plug-in-Hybriden. Volkswagen beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, den durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß der gesamten in Europa verkauften Flotte in diesem Jahr um 25 Gramm pro Kilometer zu senken, so Marken-COO Rolf Brandstätter.

Doch das sind alles noch Planzahlen aus einer Zeit, als noch niemand an das Coronavirus dachte und als in der Automobilindustrie noch so etwas wie Normalität herrschte. Offiziell wird zwar immer wieder betont, dass die europäische Automobilindustrie nicht daran denke, an den für dieses Jahr geltenden Kohlendioxid-Vorgaben zu rütteln.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wie etwa Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess. „Wir würden aus unserer Sicht keine Aufweichung der Ziele fordern“, sagte er auf der VW-Bilanzpressekonferenz im März. Ähnlich haben sich auch seine Kollegen von BMW und Daimler geäußert.

    Produktionsstopp zwingt zum nachdenken

    Hinter den Kulissen und abseits der offiziellen Bühne sieht das jedoch schon etwas anders aus. Branchenvertreter, die nicht ganz so prominent sind wie die Vorstandsvorsitzenden der großen Autokonzerne und die weniger Rücksicht nehmen müssen, sprechen im Unterschied dazu viel offener von einer Aufweichung oder gar Verschiebung der Kohlendioxid-Ziele.

    „Niemand weiß heute, wie sich der Markt weiter entwickeln wird“, sagt Martin Hennig, Betriebsratsvorsitzender bei den Kölner Ford-Werken. Es sei völlig unklar, ob die vielen geplanten neuen E-Modelle angesichts der aktuellen Produktionsstopps überhaupt noch rechtzeitig in den Verkauf kommen würden. Weil die Produktion am Boden sei und der Handel eingestellt, sollte die EU über eine Aussetzung der CO2-Ziele nachdenken. „Das muss man angehen“, fordert der Kölner Ford-Betriebsratschef.

    Aus dem Autohandel kommen gleichlautende Forderungen. „Es muss eine Art Parallelität geben“, verlangt Dirk Weddigen von Knapp, Geschäftsführer des deutschen VW-Audi-Händlerverbandes, in dem sich rund 1000 zumeist mittelständische Betriebe zusammengeschlossen haben. Wenn die Coronakrise vier Monate anhalte und in der Autobranche in dieser Zeit kaum etwas passiere, dann sollten Kohlendioxid-Vorgaben auch um vier Monate nach hinten geschoben werden.

    Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern wird über die Sinnhaftigkeit der aktuellen Kohlendioxid-Grenzen diskutiert. Michele Crisci, Präsident des italienischen Importeursverbandes UNRAE, sprach sich dafür aus, die Vorgaben für dieses Jahr komplett zu streichen und sie einfach ins kommende Jahr zu verschieben. In dem italienischen Verband sind alle ausländischen Autohersteller vertreten, also auch die drei deutschen Konzerne BMW, Daimler und Volkswagen.

    Crisci argumentierte damit, dass die weltweite Zulieferkette aus den Fugen geraten sei. Wichtige Bauteile für viele neue Elektromodelle kämen aus China. Derzeit sei überhaupt nicht garantiert, ob diese Bauteile rechtzeitig in Europa ankommen würden.

    Durch das Coronavirus stehe die Automobilindustrie vor einem sehr schwierigen und komplizierten Jahr. „In dieser Situation würde es der Branche sicherlich nicht helfen, wenn sie auch noch hohe Geldstrafen wegen einer Verfehlung der CO2-Ziele nach Brüssel überweisen müsste“, sagte Crisci in einem Interview.

    Ohne Rezept und Aussagekraft
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Automobilbranche - Corona gefährdet die Einhaltung der CO2-Ziele der Autohersteller
    1 Kommentar zu "Automobilbranche: Corona gefährdet die Einhaltung der CO2-Ziele der Autohersteller"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist nun wahrlich nicht das Sars-Cov-2-Virus, das den Dieselskandal und das viel zu lange Festhalten an alten Technologien verursacht und Innovationen in neue Techniken blockiert hat. Hier wird doch schon wieder das Volk verdummt von der Auto-Lobby. Big-old-Auto hat viel zu lange gezögert und Tesla arrogant belächelt. Und jetzt kommen sie auf einmal nicht mit den neuen Anforderungen zurecht. Es muss endlich etwas für den Klimaschutz und für unsere Kinder getan werden! Deshalb bringt ein Aufweichen der CO2-Regeln gar nichts! Wandel tut weh! Fragen sie mal die ganzen Ossis!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%