Digitalpreis „The Spark“: Medizin-Nobelpreisträger Südhof: „Als Biologe ist es sehr schwer, nicht vom Gehirn fasziniert zu sein“
„Wenn man in der Wissenschaft davon ausgeht, dass man einen Nobelpreis gewinnt, hat man den falschen Beruf.“
Foto: Marc-Steffen UngerBerlin. Seit den 1980er-Jahren beschäftigt sich der deutsche Biochemiker Thomas Südhof mit der Frage, wie Gehirnzellen miteinander kommunizieren. Seine Forschungsergebnisse sind die Basis für Therapien etwa gegen Alzheimer. 2013 wurde er mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Der 66-Jährige arbeitet seit 1983 in den USA, derzeit an der Stanford-Universität.
Anlässlich der Verleihung des Deutschen Digitalpreises „The Spark“ in Berlin sprach Südhof über seine Faszination für das menschliche Gehirn, die Bedeutung neuer Technologien in der Wissenschaft, und erklärt, warum die US-Forschung dynamischer ist als die deutsche.
Lesen Sie hier das komplette Interview:
Herr Südhof, 2013 wurden Sie mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. War das Ihr Ansporn?
Wenn man in der Wissenschaft davon ausgeht, dass man einen Nobelpreis gewinnt, hat man den falschen Beruf. Man muss Spaß daran haben, Dinge zu entdecken und Neues zu sehen. Die Wissenschaft ist ein hartes Brot, und wenn man nicht Freude daran hat, hat man keinen Erfolg.
Lassen Sie uns zunächst über Sie sprechen. Ihre Eltern sind Ärzte. Hat Sie das Gehirn schon immer interessiert oder war das Zufall?
Als Biologe ist es sehr schwer, nicht vom Gehirn fasziniert zu sein. Ursprünglich habe ich jedoch am Cholesterinstoffwechsel gearbeitet. Während meiner Ausbildungszeit haben meine Lehrer den Nobelpreis für eine Arbeit in diesem Feld erhalten. Das war für mich sehr beeindruckend. Aber als ich die Möglichkeit hatte, selber auch unabhängig forschen zu können, habe ich nach Fragen gesucht, die niemand bis dahin gestellt hat.