Female Founders Award 2020: Diese Gründerin bringt die Sendungsverfolgung in die Medizin
Mit ihrem heutigen Ehemann Dominik gründete sie im Februar 2017 die Inveox GmbH.
Foto: Nathalie ZimmemannDüsseldorf. Beim Hautarzt geht es schnell um alles. Muttermal oder Krebs? Oft reicht ein prüfender Blick für die Entwarnung. Muss aber doch mal eine Probe ins Labor, kommt sie zunächst in ein Röhrchen, dazu gibt es oft einen handschriftlichen Laufzettel.
Im Labor wird die Probe mehrfach umgepackt, bis sie unter dem Mikroskop landet. Der Befund kommt wieder auf einen Laufzettel. Ein kleiner Schreibfehler kann bereits dazu führen, dass der falsche Patient behandelt wird – und ein anderer nicht. Das kann Leben kosten.
Maria Sievert will dieses Problem lösen. Mit ihrem heutigen Ehemann Dominik gründete sie im Februar 2017 die Inveox GmbH. Das Unternehmen stellt mit seinen über 100 Mitarbeitern digitale Datenlösungen, einheitliche Probenbehälter sowie Automaten zur Verfügung, die das Umpacken übernehmen. Dadurch sinkt die Fehlerquote in der Krebsdiagnostik.
Sievert wuchs an verschiedenen Orten in Bayern und Thüringen auf. Schon als Kind probierte sie sich unternehmerisch aus: „Ich hatte schon als Siebenjährige Spaß daran, samstags mit meinem Papa in seinem Autohaus zu sitzen und Kundengespräche anzunehmen“, sagt sie. Auch in der Schule übernahm sie bei Projekten gern Verantwortung, ehe sie an die TU München ging und Wirtschaftsingenieurwesen studierte.
Bei einem USA-Aufenthalt erzählte ein Mediziner ihr von den manuellen Prozessen in der Pathologie – und den Problemen mit Probenverwechslungen. Zurück in Deutschland brachte die Mentorin ihres Gründerstipendiums sie dann mit Mitgründer Dominik Sievert zusammen, der bei seinem Biotechnologie- und BWL-Studium auf das gleiche Problem gestoßen war. Es sollte nicht nur privat eine Erfolgsgeschichte werden.
Das Prinzip von Inveox funktioniert so: Die Proben kommen in Behälter mit Barcode und werden in einer Datenbank erfasst – wie bei einer digitalen Sendungsverfolgung. Verwechslungen sind fast ausgeschlossen. Ist der Befund fertig, kann der Arzt ihn sofort abrufen, mit dem Patienten besprechen und ihn schneller beruhigen – oder behandeln.
„Wir wollen Fehler aus diesem Prozess nehmen, die jedem passieren können, aber einfach nicht sein müssen“, sagt Sievert. Die Technologie erleichtere jedem einzelnen Angestellten die Arbeit, was die Akzeptanz fördere. Das Interesse wächst.
Das zeigen auch Kooperationen mit großen Unternehmen der Gesundheitsbranche: Eine Unternehmenssprecherin von Roche Diagnostics Deutschland lobt besonders die „agilen Vorgehensweisen“ in der Kooperation. Gemeinsam wolle man die Digitalisierung der Pathologie weiter vorantreiben.
Female Founders Award
Im Rahmen des Digitalpreises „The Spark“ verleihen Handelsblatt und McKinsey einen Sonderpreis für weibliche Gründer.
Wir stellen die 14 Nominierten vor. Alle Hintergründe finden Sie hier.