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Verkehrswende Bundesregierung verfehlt eigene Ziele beim Umstieg auf Elektroautos

Die Coronakrise wirft die Bundesregierung auch in ihren Plänen zur E-Mobilität zurück. Vor allem bei Elektrofahrzeugen herrscht Nachholbedarf.
03.05.2020 - 12:06 Uhr 1 Kommentar
Die Bundesregierung kommt mit der Beschaffung von Elektrofahrzeugen für den eigenen Fuhrpark nur schleppend voran. Quelle: dpa
Parkplatz für Elektroautos

Die Bundesregierung kommt mit der Beschaffung von Elektrofahrzeugen für den eigenen Fuhrpark nur schleppend voran.

(Foto: dpa)

Berlin Eigentlich wollte die Bundesregierung bei ihren eigenen Fuhrparks mit der Beschaffung von Elektrofahrzeugen mit gutem Beispiel vorangehen. „Der Anteil der durch die Bundesregierung zu beschaffenden Elektrofahrzeuge soll bis 2019 auf mindestens 20 Prozent erhöht werden“, lautete das Versprechen vor vier Jahren. Dafür würden 100 Millionen Euro bereitgestellt.

Heute zeigt sich: Seit der damaligen Ankündigung ist nicht viel erreicht worden. Im Gegenteil. Beim Umstieg auf Elektromobilität besteht sogar erheblicher Aufholbedarf. Das geht aus einer Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion nahe, die dem Handelsblatt vorliegt.

Insgesamt fahren demnach nur 968 aller 25.275 Autos in den Bundesministerien und ihren nachgeordneten Behörden elektrisch, das entspricht einem Anteil von 3,8 Prozent. Mit 49 Prozent sind fast die Hälfte dieser Elektroautos Plug-in-Hybride, 40 Prozent sind reine E-Autos. Elf Prozent der E-Autos fahren mit Wasserstoff.

Den höchsten Anteil von Elektroautos besitzen mit je 87,5 Prozent das Entwicklungsministerium und das Bundespresseamt, gefolgt vom Auswärtigen Amt mit 73,1 Prozent. Das für die Elektromobilität relevante Verkehrsministerium kommt lediglich auf einen Anteil von 6,2 Prozent Elektroautos in seinem Fuhrpark. Schlusslicht ist das Verteidigungsministerium mit einem Anteil von 1,5 Prozent an E-Autos.

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    Auch unter den Neuanschaffungen im Jahr 2019 war nur ein geringer Anteil elektrischer Pkw, wie die Antwort von Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, zeigt. Insgesamt hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr 9.618 neue Pkw beschafft, davon waren 247 elektrisch. Mit 2,6 Prozent lag der Anteil an E-Autos bei den Neuanschaffungen sogar noch unter dem Bestandsdurchschnitt.

    Verbraucherschützer erinnern an Vorbildfunktion der Politik

    Der Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn, der die Anfrage gestellt hat, sieht den Befund mit Sorge – vor allem auch wegen der Auswirkungen der Coronakrise. Diese sorge „nicht nur für heftige konjunkturelle Verwerfungen in der Automobilwirtschaft, sondern droht auch den Umstieg auf die Elektromobilität erheblich zu verzögern“, sagte Kühn dem Handelsblatt. „Wenn es die Bundesregierung ernst meint mit ihrem Ziel, die Transformation der Autoindustrie gerade jetzt zu unterstützen, gehört dazu auch eine ökologische Beschaffungsoffensive für die eigene Flotte.“

    Der Modernisierungsbedarf sei „riesig“, betonte Kühn. Denn bislang sei der Fuhrpark des Bundes vor allem fossil unterwegs. „Die Bundesregierung ist meilenweit von ihrem Ziel entfernt, dass jedes fünfte Auto ihres Fuhrparks elektrisch fährt.“

    Auch Verbraucherschützer sehen Handlungsbedarf. „Politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen haben eine wichtige Vorbildfunktion für Verbraucher“, sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Marion Jungbluth, dem Handelsblatt. „Ein gesellschaftlicher Wandel zu klimaverträglicher Mobilität braucht vielfältige Impulse.“ Ein zukunftsfähiger Fuhrpark in den Behörden sei hierbei ein Baustein.

    Der Städte- und Gemeindebund rechnet damit, dass auch die Bundesregierung „mittelfristig“ ihre Fahrzeugflotte umbauen werde. „Wir sind davon überzeugt, dass sie zunehmend in eine Vorbildfunktion hineinwachsen wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbands, Gerd Landsberg, dem Handelsblatt.

    Besonderer Nachholbedarf in Bundesbehörden

    Bei den E-Autos zeigt sich ein besonderer Nachholbedarf in den nachgeordneten Bundesbehörden. Die Ministerien schneiden deutlich besser ab. So sind alle acht neuen Fahrzeuge beispielsweise des Bundesfinanzministeriums reine Elektrofahrzeuge oder Plug-in-Hybride. Bei den nachgeordneten Behörden fallen von 1.438 Neufahrzeugen nur elf in diese beiden Kategorien, alle anderen sind mit fossilen Brennstoffen unterwegs.

    Unter den neuen E-Autos waren Plug-in-Hybride mit 67,6 Prozent am stärksten verbreitet, gefolgt von reinen E-Autos (24,7 Prozent) und Wasserstoffautos (7,7 Prozent). Auch bei den Neuanschaffungen hatten das Entwicklungsministerium (88,9 Prozent), das Bundespresseamt (85,7 Prozent) und das Auswärtige Amt (73,7 Prozent) die höchsten Anteile. Schlusslicht war erneut das Verteidigungsministerium mit 0,2 Prozent. Im Verkehrsministerium und den dazugehörigen Behörden waren nur 13,8 Prozent der Neuanschaffungen Elektroautos.

    Der Grünen-Politiker Kühn stellt ernüchternd fest: Trotz der 100 Millionen Euro, die die Bundesregierung für die Beschaffung von Elektroautos eingeplant hatte, reiße die Hälfte der Ressorts die selbstgesteckten Ziele.

    Am 27. April 2016 hatte die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Elektromobilität vorgestellt. Teil des Pakets war die Bereitstellung von 100 Millionen Euro für die Mehrkosten bei der Beschaffung von Elektrofahrzeugen für den Fuhrpark der Bundesressorts. Bislang wurden nach Angaben von Kühn nur rund sechs Millionen Euro und damit sechs Prozent dieser Mittel abgerufen.

    „Bei der Bundesregierung scheitert der Umstieg auf die Elektromobilität nicht am fehlenden Geld, sondern am fehlenden Willen“, kritisierte Kühn. Ausgerechnet die Behörden von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) verweigerten sich der abgasfreien Mobilität und setzten weiterhin auf einen Fuhrpark mit Diesel und Benzin. „Andreas Scheuer ist kein Minister für saubere Antriebe, sondern Schirmherr des fossilen Verbrennungsmotors.“

    Kommunen: Einseitige Fokussierung auf Elektroantrieb ist problematisch

    Es sei völlig unverständlich, dass unter den fast zehntausend Autos, die die Bundesregierung im letzten Jahr angeschafft habe, nur eine Handvoll elektrisch fährt, kritisierte Kühn. „Angesichts der Coronakrise wäre es ein fatales Signal, wenn die Bundesregierung auch dieses Jahr den Aufbruch in die klimafreundliche Mobilität verpasst.“

    Verbraucherschützerin Jungbluth sieht es ähnlich. Für dieses Jahr seien viele neue emissionsarme Modelle von den Autoherstellern angekündigt worden. „Um die Konjunktur nach der Coronavirus-Krise anzukurbeln, sollten klimaschädliche Dienstwagen durch Fahrzeuge ausgetauscht werden, die zur Erreichung des europäischen CO2-Flottengrenzwerts beitragen“, sagte die Mobilitätsexpertin. Gemeint ist der Flottengrenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer, den die Europäische Union der Automobilindustrie für 2020 vorgibt.

    Die Kommunen führen indes den eher geringen Anteil von reinen Elektroautos in Deutschland auf diverse Nachteile zurück, die Verbraucher von einem Kauf abhalten. „Entscheidend sind die Reichweite und die Alltagstauglichkeit“, sagte Städtebundchef Landsberg. „Gerade bei größeren Strecken, etwa zu Verwandtenbesuchen oder ähnlichem, haben die Nutzer Sorgen, aufgrund mangelnder Reichweiten nicht an ihr Ziel zu kommen.“

    Auch die Ladeinfrastruktur sei flächendeckend nicht so vorhanden, wie man sich das wünsche. „Hinzu kommen Probleme bei stark schwankenden Temperaturen“, sagte Landsberg weiter. Bei großer Kälte sei regelmäßig die Reichweite deutlich reduziert. „Deswegen erscheint vielen Nutzern allenfalls ein Hybridfahrzeug von Vorteil.“

    Landsberg ist daher überzeugt, dass die Verkehrswende nur gelingen werde, wenn es einen Mix von Antriebsarten gebe. Dazu gehöre ganz sicher auch Wasserstoff. „Auch emissionsarme und sparsame Dieselfahrzeuge wird es noch ein längerfristig geben“, sagte er und fügte hinzu: „Die einseitige Fokussierung auf den Elektroantrieb ist auch unter wirtschaftlichen Aspekten problematisch.“

    Mehr: Lesen Sie hier, warum der Klima-Ökonom Edenhofer einen europäischen Fonds für Klimaschutz-Investitionen nach der Krise fordert.

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    1 Kommentar zu "Verkehrswende : Bundesregierung verfehlt eigene Ziele beim Umstieg auf Elektroautos"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Corona wird für alles herhalten müssen. Im Artikel sind Ziele genannt, die 2019 verfehlt wurden. Mir erschließt sich nicht, warum der Untertitel "Die Coronakrise wirft die Bundesregierung auch in ihren Plänen zur E-Mobilität zurück" lautet.
      Bin wirklich gespannt, wie in ein paar Jahren die auf mangelhaften Daten beruhenden Entscheidungen der Politiker beurteilt werden. Und für wieviele andere Verfehlungen Corona noch als Feigenblatt dienen wird.

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