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Airport IstanbulWeltgrößter Flughafen nimmt später Betrieb auf als geplant

Es soll der größte Airport der Welt werden: Ende Oktober wird der neue Flughafen in Istanbul eingeweiht. Doch eine Verzögerung könnte teuer werden für den Staat.Ozan Demircan 04.10.2018 - 23:59 Uhr Artikel anhören

Das Hin und Her am neuen Istanbuler Flughafen dürfte vor allem der größten Fluggesellschaft des Landes zu schaffen machen.

Foto: Reuters

Istanbul. Der neue Flughafen in der türkischen Metropole Istanbul wird später in Betrieb gehen als von der Führung in Ankara angepeilt. Obwohl die Eröffnungsfeier am 29. Oktober – dem wichtigsten Nationalfeiertag des Landes – stattfinden soll, ist der Umzug der Flugzeuge und aller Flughafen-Fahrzeuge erst für den 30. und 31. Dezember dieses Jahres geplant.

Das geht aus einem Brief der staatlichen Flughafenaufsicht DHMI an künftig am neuen Flughafen operierende Unternehmen hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

In dem Brief heißt es, dass der Umzug zunächst für den 30. und 31. Oktober dieses Jahres geplant gewesen sei. Die Inspektionen hätten am 16. September begonnen, es sei eine „temporäre Erlaubnis“ erteilt worden. Doch nach Verhandlungen „mit relevanten Stakeholdern“ sei dem zuständigen Ministerium empfohlen worden, die „Big Bang“ genannte Umzugsprozedur zwei Monate später abzuhalten.

Für den Umsatzausfall muss gegebenenfalls der Staat aufkommen. In einem weiteren Brief der Flughafen-Baufirma IGA an Turkish Airlines und andere türkische Fluggesellschaften, der ebenfalls dem Handelsblatt vorliegt, ist von einer Service-Pauschale von 20 Euro pro Passagier die Rede. Diese Gebühr wird als „Service Charge“ auf den Ticketpreis erhoben und ist weltweit in unterschiedlicher Höhe üblich.

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In dem Brief heißt es, dass die Airlines und Servicegesellschaften „ab dem 29. Oktober gemäß der Ausschreibung für den neuen Istanbuler Flughafen“ diese Gebühr erheben und an die Betreiberfirma IGA weiterleiten müssen. Doch wenn der Flughafen nicht öffnet, können diese Servicegebühren auch nicht erhoben werden.

Ob der Staat dann für diese Ausfälle aufkommen muss, ist bislang unklar. Bei dem prognostizierten Passagieraufkommen für den neuen Flughafen käme eine Summe in Höhe von vier bis fünf Millionen Euro zusammen, die der Betreiberfirma vorerst entgehen – täglich. Am Donnerstagabend waren weder IGA noch die Flughafenaufsicht DHMI für eine Stellungnahme erreichbar.

Das Hin und Her dürfte vor allem Turkish Airlines zu schaffen machen. Die Airline, an der der türkische Staat eine große Minderheitsbeteiligung hält, muss hunderte Flugzeuge und das dazugehörige Equipment sowie alle Wartungsmaschinen vom alten Atatürk-Flughafen zum rund 50 Kilometer entfernten neuen Airport befördern.

Zwei Namen sind für den neuen Airport im Gespräch

In öffentlichen Stellungnahmen sowie Hintergrundgesprächen betonten Firmenvertreter stets, dass für sie der Stichtag Ende Oktober gelte. Das neue Umzugsdatum dürfte diese Planungen kräftig durcheinandergewirbelt haben. Eine Stellungnahme des Unternehmens lag am Donnerstagabend nicht vor.

Für den türkischen Präsidenten Erdogan ist der neue Flughafen ein Prestigeprojekt. Am 95. Jahrestag der Türkischen Republik soll der erste Teil des Flughafens eröffnen. Am Ende sollen sechs Start- und Landebahnen stehen, das Gelände mit 76 Quadratkilometer Fläche drei Mal so groß sein wie das des Frankfurter Flughafens. Das entspricht 11.000 Fußballfeldern.

Anfangs sollen 90 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden, nach Inbetriebnahme der letzten Baustufe 200 Millionen. Kostenpunkt: nach Regierungsangaben mehr als zehn Milliarden Euro.

Der neue Flughafen in Istanbul wäre damit der größte der Welt. Sein Name soll indes erst bei der Eröffnungszeremonie bekannt gegeben werden. Der alte Flughafen, der nach dem Staatsgründer Atatürk benannt ist, soll nach und nach stillgelegt werden.
Zwei Namen kursieren derzeit, die der neue Flughafen tragen könnte: die der ehemaligen osmanischen Sultane Abdülhamit und Fatih Sultan Mehmet. Der dreistellige IATA-Code wird IST lauten, identisch mit dem derzeit in Betrieb befindlichen Atatürk-Flughafen.

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Im Laufe der Bauarbeiten gerieten immer wieder Berichte über miserable Bedingungen auf der Baustelle an die Öffentlichkeit. Die Unterkünfte seien verdreckt, die Kommunikation schlecht. Einem Bericht der Tageszeitung „Cumhuriyet“ zufolge sollen insgesamt 400 Bauarbeiter gestorben sein. Regierung und Luftfahrt-Experten halten diese Zahl für zu hoch.

Die Regierung hält an dem Plan fest, den Flughafen zu eröffnen – egal, wie viel davon bis zum 29. Oktober fertig sein wird. Der Plan der Führung in Ankara, das Land zum größten Drehkreuz für Passagierverkehr zu machen, dürfte langfristig aufgehen. Denn die Zahl der Flugzeugpassagiere nimmt weltweit kontinuierlich zu.

Und die Türkei liegt im Epizentrum dieser Entwicklung: Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge verschiebt sich nämlich der Schwerpunkt der Flugbewegungen. Lag der arithmetische Mittelpunkt aller Flugzeugrouten in den 1970er-Jahren der Studie zufolge noch im Atlantik zwischen Europa und den USA, so verschob er sich seitdem kontinuierlich Richtung Osten – und befindet sich nun südlich der Türkei in der Ägäis. Innerhalb von drei Flugstunden können von Istanbul 1,5 Milliarden Menschen erreicht werden.

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