Bilanzskandal: Insolvenzverwalter und Aktionärsschützer verklagen Wirecard-Prüfer EY auf Schadenersatz
Düsseldorf. Im Skandal um den Zusammenbruch des Finanzkonzerns Wirecard sieht sich der Bilanzprüfer EY gleich zwei neuen Klagen gegenüber. Zum einen fordert Insolvenzverwalter Michael Jaffé vor dem Landgericht Stuttgart Schadenersatz, wie ein Sprecher Jaffés dem Handelsblatt am Freitag bestätigte. Zu Details äußerte er sich nicht.
Laut Insiderkreisen fordert Jaffé mehr als eine Milliarde Euro. Über die genaue Summe ist allerdings bisher nichts bekannt. EY wollte die Klage auf Anfrage nicht kommentieren.
Der Insolvenzverwalter ist überzeugt, dass wesentliche Teile des Wirecard-Geschäfts komplett erfunden waren. Die entsprechenden Vermutungen hätten sich in den vergangenen Monaten erhärtet, heißt es in Jaffés jüngsten Sachstandsbericht aus dem Juni. Er gibt auch EY eine Schuld. Die Wirtschaftsprüfer hatten Wirecards Bilanzen rund ein Jahrzehnt lang ohne große Beanstandungen testiert.
Noch im März habe er ein Gespräch mit EY geführt, teilte Jaffé in dem Bericht mit, um auszuloten, inwieweit Möglichkeiten bestehen, „eine streitige Auseinandersetzung“ zu verhindern. Das Unternehmen habe jedoch jede Verantwortung für die Vorgänge zurückgewiesen und sich nicht bereit gezeigt, „über einen angemessenen Vergleichsbetrag zu verhandeln“.