Deutsche Bahn: Chefsuche gerät zu einem Blindflug
Berlin, Frankfurt, Kröv. Kröv, Rheinland-Pfalz. Das Mineralwasser steht auf den Tischen, das Essen ist bereit. In Beth’s Römerkeller würden die Kellner gern servieren, doch vorn, unter den Holzbalken in gedimmtem Licht, spricht noch immer Patrick Schnieder, 57, CDU-Politiker, Bundesverkehrsminister, seit 106 Tagen nun im Amt.
Die kleine Weinbaugemeinde Kröv liegt in Schnieders Wahlkreis, er könnte also jetzt viel Lokales erzählen, das ferne Berlin außen vor lassen, aber er spricht fast nur über die Bundespolitik, über den Haushalt, das Sondervermögen, die Planungsbeschleunigung und kommt schließlich auf das Thema, das ihn pausenlos auf dieser Reise begleitet: die Deutsche Bahn.
Sechs Tage zuvor, genau am hundertsten Tag seiner Amtszeit, hatte Schnieder Bahn-Chef Richard Lutz überraschend entlassen. Seitdem häufen sich die Fragen: Wer wird der Nachfolger? Wann wird die Personalie verkündet? Und: Schafft die Bahn es jemals aus dem Katastrophenmodus wieder heraus?
Der Posten sei eine der „herausforderndsten Aufgaben der deutschen Wirtschaft“, sagt Schnieder nun in Kröv. „Die Personalentscheidung richtet sich nach der Strategie“, fügt er an. „Das bildet dann auch das Profil, das wir an eine neue Bahn-Chefin, einen neuen Bahn-Chef haben, mit ab.“ Die Strategie will Schnieder am 22. September vorstellen.
In Berlin aber, im Bahntower am Potsdamer Platz, sorgen die Worte des Ministers eher nicht für Beruhigung. Zu groß sind mittlerweile die Probleme, zu groß ist der Frust. Es fängt schon bei den etwa fünf Millionen Menschen an, die jeden Tag die Bahn nutzen.