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Insolvenzverfahren Vapiano-Rettung gescheitert – Investoren und Banken ließen die Kette fallen

Das Land NRW wollte Vapiano weiterhelfen und einen Großteil der benötigten Liquidität beisteuern. Doch die Rettung scheiterte offenbar aus anderen Gründen.
02.04.2020 - 19:39 Uhr Kommentieren
Die einst fast märchenhaft anmutende Erfolgsgeschichte, die ihren Höhepunkt mit dem Börsengang 2017 erlebte, ist jäh und schnell zu Ende gegangen. Quelle: Reuters
Vapiano-Restaurant in Köln

Die einst fast märchenhaft anmutende Erfolgsgeschichte, die ihren Höhepunkt mit dem Börsengang 2017 erlebte, ist jäh und schnell zu Ende gegangen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Das Aus war kurz vor der Geisterstunde besiegelt. Er habe entschieden, beim „Amtsgericht Köln einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit zu stellen“, teilte der Vorstand der Restaurantkette Vapiano an diesem Mittwoch um exakt 23.57 Uhr mit. Ob auch Anträge für Tochterfirmen gestellt werden müssen, werde geprüft. Als Insolvenzverwalter für Vapiano wurde Ruth Rigol von der Kanzlei Pluta bestimmt.

Damit ist klar: Alle letzten Rettungsversuche für die Pizza- und Pasta-Kette sind gescheitert, allein 55 Restaurants hierzulande bleiben wohl auch nach der aktuellen coronabedingten Zwangsschließung zu. 2000 Mitarbeiter in Deutschland haben erstmal keine Perspektive, zudem hat auch die dänische Vapiano-Gesellschaft bereits Insolvenz angemeldet.

Wie es in anderen Ländern weitergeht, steht noch nicht abschließend fest. Eines aber ist sicher: Die einst fast märchenhaft anmutende Erfolgsgeschichte, die ihren Höhepunkt mit dem Börsengang 2017 erlebte, ist jäh und schnell zu Ende gegangen.

Es habe keine Lösung für den „noch einmal signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von zusätzlichen 36,7 Millionen Euro“ gefunden werden können, der durch die Folgen der Corona-Pandemie entstanden sei, so der Vorstand. „Insbesondere konnte keine abschließende Einigung mit den finanzierenden Banken und wesentlichen Aktionären über die Beiträge zu der angestrebten umfassenden Finanzierungslösung erzielt werden“, hieß es. Deshalb könnten auch die in Aussicht stehenden Finanzmittel aus staatlichen Corona-Hilfsprogrammen nicht beantragt werden.

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    Hinter dieser nüchternen Mitteilung verbirgt sich im Detail einiges mehr. Fragt man in Kreisen nach, die mit den Vorgängen vertraut sind, hört man, dass es letztlich tatsächlich nur um wenige Millionen Euro ging, die in Rede gestanden haben sollen. Ein Insider sprach gegenüber dem Handelsblatt von vier Millionen Euro.

    Über deren Verteilung hätten sich die Gesellschafter, der Vapiano-Mitgründer Gregor Gerlach, die Großaktionäre Hans-Joachim Sander und seine Frau, die Wella-Erbin Gisa Sander, und ein Konsortium aus sechs Banken unter Führung der HypoVereinsbank (HVB) nicht einigen können. Ein anderer Beteiligter wollte die Summe von vier Millionen Euro nicht direkt bestätigen, sprach aber von einem überschaubaren einstelligen Millionenbetrag.

    Diese Summe wäre demnach als notwendige Finanzspritze verblieben, wenn Vapiano staatliche Unterstützung erhalten hätte. Und dafür habe es sehr positive Signale vom Land Nordrhein-Westfalen gegeben, bestätigen gleich mehrere Insider. Schon Anfang der Woche hatte es aus Verhandlungskreisen geheißen, dass eine mögliche staatliche Unterstützung wohl das geringste Problem bei den Rettungsversuchen sei.

    Land NRW wäre wohl eingesprungen

    Das Land Nordrhein-Westfalen hätte demnach über die NRW.Bank für den Großteil der benötigten Liquidität von 36,7 Millionen Euro einstehen sollen und vom bisherigen Vapiano-Hauptaktionär Mayfair dessen Anteile von 47,4 Prozent übernommen. Mayfair, wohinter die Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz stehen, hatte erst kürzlich angekündigt, seine Anteile an einen Treuhänder abgeben zu wollen.

    Hinter den Kulissen soll es letztlich ein heftiges Gerangel darum gegeben haben, welche Finanzmittel die Banken und Investoren jeweils bereitstellen und wer auf bestimmte Forderungen verzichtet. Der Dissens sei gewaltig gewesen, die Interessen gleich sechs finanzierender Banken sowie der beiden Investoren nicht unter einen Hut zu bringen gewesen, heißt es.

    Und letztlich seien auch die Zweifel massiv gewachsen, dass Vapiano ein Neustart gelingt. Eine „positive Fortführungsprognose“ zu wagen, wenn die Restaurants nach dem derzeit noch nicht absehbaren Ende der coronabedingten Zwangsschließungen wieder öffnen dürfen, habe sich niemand getraut.

    Vapiano wollte sich auf Nachfrage nicht über die Ad-hoc-Meldung hinaus äußern, verwies aber nochmals darauf, dass es positive Signale „bezüglich Finanzmitteln aus staatlichen Unterstützungsprogrammen“ gab. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium bestätigte, dass es vertrauliche Gespräche gab, wollte sich aber zu Details nicht äußern. Von den Investoren Gerlach und Sander liegt noch keine Stellungnahme vor. Mayfair bedauerte es, dass trotz intensiver Bemühungen der verschiedenen Parteien „der jetzige Schritt eines Insolvenzantrags unausweichlich“ geworden ist. Die HVB wollte auf Nachfrage keinen Kommentar abgeben.

    Es ist ein ziemlich abrupter Rückzug der Investoren und Banken. Denn erst kürzlich teilte die angeschlagene Restaurantkette mit, dass man sich unmittelbar vor der sich zuspitzenden Coronakrise hierzulande mit den Aktionären und Banken auf eine Neufinanzierung geeinigt habe. Als Liquiditätsbedarf waren dabei 10,7 Millionen Euro identifiziert worden. Die Pläne sahen vor, dass Gerlach und die Sanders sowie die finanzierenden Banken zusätzliches Kapital beisteuern sollten.

    Parallel dazu sollten die Kreditbedingungen der Banken ausgesetzt werden. Mayfair hingegen, das nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren bereits 22 Millionen Euro zusätzliches Kapital beigesteuert hatte, beteiligte sich an diesen Finanzspritzen nicht mehr – und kündigte an, seine Anteile an einen Treuhänder zu übergeben, der sie nach erfolgreicher Sanierung unter Umständen verkaufen oder zurückübertragen sollte.

    Dann kam die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen auf das Geschäft, die laut einer Mitteilung des Unternehmens vom 16. März für einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 13,6 Millionen Euro Euro sorgten. Allerdings berücksichtigte der Betrag noch nicht die Auswirkungen der massenhaften Schließungen von Restaurants, die notwendig wurden, um die weitere Verbreitung des Virus zu bremsen.

    Es werde „daher ein weiterer Anstieg des Liquiditätsbedarfs erwartet“, so das Unternehmen nur wenige Tage später, als es sich am 20. März für zahlungsunfähig erklärte. „Wir wissen nicht genau, wo wir aktuell stehen und wie lange die Krise noch dauert“, ließ sich Investor Sander zitieren. Vom Konzept sei er weiter überzeugt.

    Zenit schon beim IPO überschritten

    Um die kurz bevorstehende Insolvenzanmeldung doch noch abzuwehren, richtete Vapiano-Chefin Vanessa Hall gleichzeitig einen dringenden Appell an die Bundesregierung, Kredite schnell zur Verfügung zu stellen. „Wenn wir nicht bald eine unbürokratische und schnelle Hilfe für die betroffenen Unternehmen sehen, dann wird der Verlust von Arbeitsplätzen kein abstraktes Risiko mehr, sondern unausweichlich Realität sein“, so Hall.

    Die Britin kam erst 2018 zu Vapiano und sollte die schwächelnde Restaurantkette wieder zurück in die Erfolgsspur führen. 2005 hatte Vapiano erstmals die 10-Millionen Euro-Marke überschritten, expandierte dann mit Riesenschritten. In der Spitze war die Kette in 33 Ländern mit mehr als 230 Restaurants vertreten, der Umsatz bewegte sich in Richtung 300 Millionen Euro. Und seit 2017 war der Pizza- und Pasta-Spezialist an der Börse notiert.

    Doch als die zur Kultmarke avancierte Kette aufs Börsenparkett ging, war der Abstieg längst eingeleitet. Berichte über mangelnde Hygiene machten die Runde, über Probleme im Umgang mit Mitarbeitern. Vor allem aber die Kritik an langen Wartezeiten und dem Preis-Leistungs-Verhältnis in den Restaurants und ein damit einhergehendes schwächeres Geschäft lasteten auf Vapiano. Nach einem noch minimalen Gewinn von 1,6 Millionen Euro im Jahr 2017 standen ein Jahr später bereits 101 Millionen Euro Verlust zu Buche.

    Von der Insolvenz zumindest nicht direkt betroffen sind die Franchisenehmer, die 29 Restaurants in 25 deutschen Städten betreiben. Sie hatten erst vor gut einer Woche betont, voll zahlungsfähig zu sein. Allerdings sind ihre Restaurants, die durch Drittfirmen und nicht über Vapiano beliefert werden, derzeit aufgrund der staatlich verordneten Einschränkungen des öffentlichen Lebens ebenfalls geschlossen.

    Und wie es anschließend weitergeht, ist mehr als fraglich. Denn wichtige Bausteine ihres Erscheinungsbilds am Markt kamen von Vapiano: Schließlich übernahmen die Restaurants das Vapiano-Marketing-Konzept und nutzen die Marke.

    Mehr: Bei Vapiano hat die Coronakrise ein schon wackeliges Geschäftsmodell zum Einsturz gebracht

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