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Qatar Airways, Emirates, Etihad Coronakrise verschiebt das Kräfteverhältnis der Luftfahrt-Drehkreuze am Golf

Dubai und Abu Dhabi wetteifern mit Katar um die Vorherrschaft in der Luftfahrt. Bisher hatten die Emirate die Nase vorn – das könnte sich nun ändern.
21.07.2020 - 04:07 Uhr Kommentieren
Die im Vergleich zur Golf-Konkurrenz flexiblere Flotte ist für die Fluggesellschaft zum Wettbewerbsvorteil in der Coronakrise geworden. Quelle: Reuters
Airbus A350 von Qatar Airways

Die im Vergleich zur Golf-Konkurrenz flexiblere Flotte ist für die Fluggesellschaft zum Wettbewerbsvorteil in der Coronakrise geworden.

(Foto: Reuters)

Berlin, Doha Die Corona-Pandemie bringt die internationale Luftfahrt durcheinander. Bisher war die Fluggesellschaft Emirates (EK) aus Dubai der weltgrößte Langstreckenanbieter und dominierte die als Umsteigezentrum zunehmend wichtigere Golfregion. Doch nun gewinnt vor allem Qatar Airways (QR) erhebliche Marktanteile hinzu.

Bereits auf dem bisherigen weltweiten Höhepunkt des Corona-Ausbruchs im April ist die Fluglinie aus Katar mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent bei Langstrecken laut offiziellen Statistiken der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung Iata weltweit zur Nummer eins geworden – mit etwa dreifach so großem Anteil wie das zweitplatzierte Unternehmen. Auch im Frachtsektor war Qatar Airways Cargo mit einem Anteil von 7,2 Prozent am globalen Markt führend.

Thierry Antinori, der Chief Strategy and Transformation Officer von QR, sieht sein Unternehmen auch mittelfristig im Vorteil: „Wir haben eine sehr flexible Flotte. Das gibt uns die Chance, wieder in den Flugbetrieb einzusteigen ohne leere Maschinen“, sagte Antinori dem Handelsblatt. „Aus kommerziellen und Umweltgründen werden wir ein Jahr lang keine A380 einsetzen, und was danach mit diesen Maschinen geschieht, ist offen. Und die großen 777 setzen wir meist für Cargo-Flüge ein“, ergänzte er.

Das ist – ohne seinen früheren Arbeitgeber namentlich zu nennen – ein Seitenhieb auf den bisherigen Langstrecken-Weltmarktführer Emirates, der die weltgrößte A380-Flotte betreibt. Die Maschinen werden jedoch wegen der drastisch zurückgegangenen Passagierzahlen kaum voll. Antinori ist von Air France und später der Lufthansa 2011 zu der Fluglinie nach Dubai gewechselt, seit September 2019 arbeitet er für Qatar Airways. Die katarische Airline verfügt mit 49 Maschinen über die weltgrößte Flotte energieeffizienterer Airbus-A350-Maschinen sowie über 30 Boeing-787-Flieger.

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    Dies helfe QR, bestätigt Linus Benjamin Bauer von Bauer Aviation Advisory: „Das Fliegen halbleerer A380 um die Welt ist wirtschaftlich überhaupt nicht rentabel. Qatar Airways hingegen hat eine heterogene Flotte von 100-Sitzern (A319) bis zu 500-Sitzern (A380), und die mittelgroßen, effizienten Jets wie die A350 oder B787 mit weniger als 350 Sitzplätzen können flexibel im gesamten Streckennetz von Qatar Airways eingesetzt werden.“

    Im Gegensatz zu Emirates habe QR „eine robuste Strategie mit diversen Vorteilen“. Emirates bekomme A350- und Boeings 787-Maschinen erst 2023 und sei nun verstärkt auf die Kooperation mit Dubais Billigflieger-Gesellschaft Flydubai angewiesen. Die aber habe nicht für alle Emirates-Routen internationale Flugrechte.

    Geopolitische Komponente

    Zudem hat QR laut Bauer mit seiner „QSuite“ genannten Businessclass einen erheblichen Vorteil in Coronazeiten. Laut Antinori bietet QSuite die größte Privatsphäre aller Airlines, was derzeit bedeutet: den geringsten Kontakt zu Mitreisenden. Zwar sei die Businessclass auf Langstreckenflügen relativ gesehen höher ausgelastet als die Economy-Sitzreihen – doch auch dort herrscht wegen der Pandemie die Angst vor Ansteckungen. Bei QR gilt an Bord und beim Check-in eine Maskenpflicht.

    Das Ringen um die Vorherrschaft am Golf hat auch eine geopolitische Komponente: Katars arabische Nachbarstaaten um Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben eine Blockade gegen den kleinen Halbinselstaat verhängt. QR muss seither große und teure Umwege fliegen, hat dagegen aber erstinstanzlich erfolgreich vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag geklagt.

    In der Coronakrise war es QR, das viele Evakuierungsflüge auch für durch die Coronakrise gestrandete Deutsche durchführte, bereits gelungen, die VAE-Rivalen Emirates und Etihad Airways aus Abu Dhabi zu überholen. Nach Frankfurt und München sowie jetzt auch nach Berlin hat QR vor Emirates den Flugbetrieb wieder aufgenommen. Weltweit werden die Katarer bereits bis Ende Juli 70 Städte anfliegen, Emirates bis Ende August hingegen nur 62.

    Im Hinblick auf die bisher drei großen Golf-Drehkreuze in Katar, Dubai und Abu Dhabi sagte Antinori: „Wenn ich mir die drei großen Golf-Airlines anschaue, dann sind wir, Qatar Airways, zweistellig im Jahr vor der Krise gewachsen, und die zwei anderen sind geschrumpft.“ Die in Abu Dhabi ansässige Airline Etihad sei auch im Jahr zuvor schon negativ zweistellig aufgefallen – auch wegen finanziell kostspieliger Beteiligungen wie an der inzwischen bankrotten Air Berlin sowie an angeschlagenen Fluggesellschaften wie Alitalia, Air Serbia oder der indischen Jet Airways.

    Drittbester Flughafen der Welt

    Antinori erwartet für Qatar Airways starke Passagierzuwächse und führt dabei den Hamad International Airport in Katars Hauptstadt Doha als großen Vorteil an. Die auf die Luftfahrt spezialisierte Unternehmensberatung Skytrax bewertet diesen Flughafen als den drittbesten weltweit.

    Auch Flugexperte Bauer sieht Doha dadurch im Vorteil: Hamad International, auch Werbepartner des FC Bayern München, „bietet ein modernes Einzelgebäude-Terminal mit schnellen Verbindungen“. Dagegen sei der Flughafen von Dubai auf mehrere Terminals verteilt, die bis ins Jahr 2023 nicht alle genutzt werden. Dies führe zu hohen Ausfall- und Leerkosten.

    Die „extrem hohe Abhängigkeit vom Umsteigeverkehr“ sei aber für jede der erfolgsverwöhnten Golf-Airlines eine große Gefahr. Bei QR liegt die Quote bei 90 Prozent, bei Emirates und Etihad noch bei 65 bis 70 Prozent. Antinori indes hofft auf das in der Coronakrise aufgebaute Vertrauen von Reisebüros, Kreuzfahrtanbietern und Passagieren, denen QR durch Heimflüge geholfen habe – und auf die Fußball-WM 2022, deren Ausrichter Katar ist.

    Mehr: So reagieren Airlines weltweit auf die Coronakrise

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