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Schienenverkehr Die Bahn will investieren – doch 86 Prozent der Belegschaft stehen vor der Rente

In den kommenden zehn Jahren will die Bahn mit 156 Milliarden Euro das Schienennetz modernisieren. Doch im gleichen Zeitraum müssen rund 39.000 Eisenbahner in den Ruhestand gehen.
13.08.2020 - 15:22 Uhr 3 Kommentare
DB Bahnbau Gruppe im Einsatz auf der Schnellfahrstrecke Berlin - Hannover. Quelle: obs
Gleiserneuerung

DB Bahnbau Gruppe im Einsatz auf der Schnellfahrstrecke Berlin - Hannover.

(Foto: obs)

Düsseldorf Die Deutsche Bahn ist auf Rekordjagd. In der Euphorie des Klimaschutzjahres 2019 rechnete Infrastrukturchef Ronald Pofalla stolz ein gewaltiges Investitionsvolumen von 156 Milliarden Euro vor, um das Schienennetz bis 2030 auszubauen und zu modernisieren. So will der frühere Kanzleramtsminister den Auftrag der Bundesregierung erfüllen, die Zahl der Fahrgäste zu verdoppeln und dem Güterverkehr mindestens 26 Prozent Marktanteil zu verschaffen. Bahn-Chef Richard Lutz bekräftigte Ende Juli das Ziel, ungeachtet der Coronakrise.

Doch es gibt Zweifel, ob die Bahn das viele Geld überhaupt verbauen kann. Aus einer Anfrage der Grünen-Fraktion an die Bundesregierung geht hervor, dass allein bei der für Neu- und Ausbau verantwortlichen DB Netz AG bis 2030 rund 39.000 Eisenbahner in den Ruhestand gehen werden. Das sind 86 Prozent der Belegschaft.

Die Bahn plant aber nach eigenen Angaben, nur 36.500 neue Eisenbahner einzustellen. Auch das geht aus dem Papier hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Schon heute sind rund 600 Stellen nicht besetzt. Den Grünen ist es deshalb ein Rätsel, wie die Bahn bei steigendem Investitionsvolumen mit sinkendem Personal auskommen will.

„Zwischen den Personalplanungen des DB-Konzerns und den jüngsten Ankündigungen von Andreas Scheuer auf dem Schienengipfel liegen Welten“, kritisiert Sven-Christian Kindler, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen. „Der Deutschlandtakt steht und fällt mit dem Ausbau der notwendigen Infrastruktur, die wiederum nur geplant und gebaut werden kann, wenn die Deutsche Bahn massiv Personal aufbaut.“

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    Die weiteren Informationen des Staatskonzerns geben den Parlamentariern auch keinen Grund zu der Hoffnung, dass die Bahn das Mega-Investitionsprogramm durch eine geschickte Neuorganisation bewältigen kann. Geplant ist eine Reorganisation zum 1. Oktober, die im Wesentlichen aus einer Zusammenlegung der 34 Regionalnetze und ihrer Verwaltung besteht.

    Baumanagement und Kapazitätsplanung würden gebündelt. Ziel sei es, „in Zukunft die notwendigen Kapazitäten bereitzustellen“. Betroffen seien auch 30 Führungskräfte, für die andere Jobs im Schienenkonzern gefunden werden mussten. Fragen nach dem Kostensparpotenzial ließ der Bahn-Vorstand unbeantwortet.

    Mehr Züge auf die Schiene – Opposition hat Zweifel

    Der Opposition greift das alles zu kurz. „Offenbar will Verkehrsminister Andreas Scheuer die zweite Bahnreform nun doch bis zum Sankt Nimmerleinstag verschieben“, sagt Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen. „Wir brauchen jetzt Antworten und Lösungsvorschläge auf die drängenden Strukturfragen bei der Deutschen Bahn und einen Minister, der hier alle Akteure an einen Tisch bringt und einen klaren Fahrplan für diese Strukturreform vorlegt.“ Scheuer hatte selbst vor Monaten eine Debatte über die Neuorganisation der Bahn angeregt.

    Vor allem die massiven staatlichen Eigenkapitalhilfen für die Deutsche Bahn haben Forderungen nach einer zweiten Bahnreform wieder laut werden lassen. Unter anderem steht die kleinteilige Struktur des Staatskonzerns mit ihren eigenständigen Aktiengesellschaften für Fern-, Regional- und Cargoverkehr und allein drei Infrastrukturtöchtern (Netz, Energie, Bahnhöfe) in der Kritik und gilt als Grund für Qualitätsprobleme und Unbeweglichkeit des Staatskonzerns.

    Für die Opposition stellt sich damit die Frage, ob die Bahn überhaupt mehr Leistung auf die Schiene bringen wird wie zugesagt. Seit Jahren dümpelt die Betriebsleistung um die eine Milliarde Trassenkilometer. Was bedeutet, dass trotz massiv gesteigerter Investitionen von 4,6 Milliarden (2009) auf 7,4 Milliarden Euro (2019) das Netz nicht stärker genutzt wird als vor zehn Jahren. Dabei hat Pofalla die ehrgeizige Zielmarke von 1,35 Milliarden Trassenkilometern ausgegeben.

    Bahn-Vorstand Pofalla spricht gern in Bildern, sieht den politischen „Rückenwind“ inzwischen in „Sturmstärke“, weil die Bahn den Klimaretter im Verkehr spielen soll. Grünen-Politiker Kindler dagegen befürchtet, dass „Pofalla Mut und Wille“ fehlen, diesen Sturm für die Modernisierung der Bahn zu nutzen.

    Mehr: Es ist höchste Zeit für einen schnellen Ausbau des europäischen Schienennetzes

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    3 Kommentare zu "Schienenverkehr: Die Bahn will investieren – doch 86 Prozent der Belegschaft stehen vor der Rente"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich vermisse pragmatische Lösungen, z. B. Brennerzulauf. WIe wäre es mit dem Ausbau diverser Nebenstrecken, die wie in Bayrischzell mit kurzen Tunneln ans Inntal angebunden werden könnten. So können die Berge im 10 Min Takt von München an den Wochenenden angefahren werden (Entlastung der Dörfer und Straßen in diesen Regionen) und des Nachts ist Platz für Güterzüge im Italienverkehr! Sicherlich finden sich viele solcher vernachlässigten Strecken im Netz der DB und Nachbarländer und das Geld wäre sinnvoller angelegt als in noch mehr neue Trassen die keiner will

    • @Hr.Lehmann.
      Sie haben zum einen Recht. Produktivität ist das Zauberwort. Aber beim Schienenbau hat das überhaupt nichts mit Digitalisierung zu tun. Dieses Unwort geistert überall herum und sagt konkret gar nichts

    • "Den Grünen ist es deshalb ein Rätsel, wie die Bahn bei steigendem Investitionsvolumen mit sinkendem Personal auskommen will"
      Das können sich Grüne natürlich nicht vorstellen (und einige andere Parteien auch nicht) - das Zauberwort heißt Produktivität.
      Schon mal etwas von Digitalisierung gehört? Ach nein, man redet lieber über "Planstellen".

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