Energie: Bund sieht Börsengang bei Uniper als „zentrale Option“
Berlin. Die Bundesregierung bereitet den Ausstieg aus dem verstaatlichten Energiekonzern Uniper vor. Bevorzugt wird ein Börsengang: In der dem Handelsblatt vorliegenden Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion heißt es, eine Veräußerung über den Kapitalmarkt sei „die zentrale Handlungsoption des Bundes zur Reprivatisierung von Uniper“.
Allerdings ist darin keine verbindliche Festlegung zu sehen: Man prüfe darüber hinaus „auch außerbörsliche Veräußerungsoptionen“, heißt es in der Antwort des Ministeriums weiter. Damit hält die jetzige Bundesregierung am Kurs der Vorgängerregierung fest. Das Bundesfinanzministerium hatte diese Präferenz bereits im Spätsommer 2024 genannt, noch zur Zeit der Ampelkoalition.
Sie bezog dabei den ebenfalls verstaatlichten Gaskonzern Sefe ein: „Ich nehme mit Interesse zur Kenntnis, dass beide Unternehmen als interessant, als attraktiv eingeschätzt werden“, sagte Reiche. Es sei nach der Energieversorgungskrise im Zuge des Ukrainekriegs ein gutes Zeichen. Die Ministerin ergänzte: „Ob und mit welchen Investoren wir sprechen, kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“
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Die Bundesregierung hatte 2022 rund 20 Milliarden Euro ausgegeben, um sowohl Sefe als auch Uniper zu retten. Nachdem Russland seine Gaslieferungen nach Deutschland zunächst gedrosselt und später ganz eingestellt hatte, mussten die Unternehmen kurzfristig Gas zu extrem hohen Preisen beschaffen, um ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Das hatte die Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.
Die Bundesregierung muss ihre Anteile an beiden Konzernen bis 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren. Das hatte die EU-Kommission 2022 zur Bedingung für die staatliche Rettungsaktion gemacht.
Womöglich gibt es eine Alternative zur Fusion von Uniper und Sefe
Auch eine Fusion von Uniper und Sefe oder von Einheiten der Unternehmen steht offenbar weiterhin zur Diskussion, wie zwei mit den Vorgängen befasste Personen aus Unternehmens- und Finanzkreisen dem Handelsblatt kürzlich sagten. Der Vorteil sei, dass dann nur noch ein großes deutsches Unternehmen als Gaskäufer am Weltmarkt auftrete statt zwei, so die eine Person.
So sei man eher in der Lage, es mit den globalen Akteuren anderer Länder aufzunehmen. Die zweite Person sprach von einem „respektablen Commodity-Händler“, den man so aufbauen könnte.
Das Bundesfinanzministerium lässt in seiner Antwort die Frage offen, ob die Bundesregierung als Alternative zu einer kompletten Fusion plant, die Speicher und Pipelines von Sefe und Uniper in einer separaten Gesellschaft mit staatlicher Beteiligung zusammenzuführen. Dazu heißt es lediglich, man prüfe „alle denkbaren Optionen“.
Mit den Vorgängen vertraute Personen sagen, die Option, eine Infrastrukturgesellschaft mit staatlicher Beteiligung zu gründen, werde im politischen Raum durchaus erwogen, entschieden sei aber noch nichts.
Aus Sicht der Grünen-Bundestagsfraktion wäre eine Zusammenführung der Speicher- und Transportinfrastruktur beider Unternehmen mit Beteiligung des Staates sinnvoll. „Die Pipelines und Speicher sollten unter Kontrolle der Bundesregierung bleiben“, sagte Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt.
Dagegen ergebe es Sinn, Einkauf und Handel zu privatisieren. „Die Bundesregierung muss nur aufpassen, dass nicht wie bei der Commerzbank ungebetene Gäste zum Zuge kommen“, sagte Kellner.
Die italienische Bank Unicredit kontrolliert aktuell 26 Prozent der Commerzbank-Anteile und versucht seit Monaten, die Mehrheit des Dax-Konzerns zu übernehmen. Der Bund hatte sich im Jahr 2008 in der Finanzkrise mit 25 Prozent an der Commerzbank beteiligt und hält heute noch zwölf Prozent der Anteile. Der Bund lehnt die Übernahme durch Unicredit ab.
Midstreamer für den Wasserstoff-Hochlauf
Außerdem empfiehlt Grünen-Politiker Kellner, Kräfte von Sefe und Uniper in einer Gesellschaft zu bündeln, um beim Thema Wasserstoff voranzukommen: „Eine Option, die die Regierung ernsthaft prüfen sollte, ist die Schaffung eines Midstreamers für Wasserstoff aus Teilen von Uniper und Sefe.“
Als „Midstreamer“ bezeichnet man im Gas- und Ölgeschäft Unternehmen, die sich auf den Transport, die Lagerung und teilweise die Verarbeitung von Rohöl oder Erdgas und deren Derivaten zwischen der Förderstätte („Upstream“) und der Endverarbeitung oder dem Vertrieb („Downstream“) spezialisieren.
Der Hochlauf einer Wasserstoff-Wertschöpfungskette gehört zu den vorrangigen energiepolitischen Zielen. Die Umsetzung ist aber ins Stocken geraten.
Nach Einschätzung vieler Experten fehlt es an den verbindenden Elementen, um Angebot und Nachfrage zusammenzuführen. Hier könnte ein Midstreamer mit staatlicher Beteiligung und entsprechender Finanzkraft eine wichtige Rolle spielen, sagen Experten wie Graham Weale, Professor für Energiewirtschaft am Centrum für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie (Cure) an der Ruhr-Universität Bochum.