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EnergieRWE erwägt Auslagerung seines Amprion-Anteils in Tochtergesellschaft

Der Energiekonzern hat seinen 25-Prozent-Anteil an dem Übertragungsnetzbetreiber im Frühjahr zum Verkauf angeboten. Bisher kam es nicht zu bindenden Geboten. RWE spielt weitere Optionen durch.Catiana Krapp 20.06.2025 - 07:37 Uhr Artikel anhören
Hochspannungsmasten: Kapitalbedarf wird zur Belastung. Foto: Moment/Getty Images

Düsseldorf. Das Essener Energieunternehmen RWE denkt darüber nach, seinen Anteil am Stromnetzbetreiber Amprion in eine Tochtergesellschaft auszugliedern. Das sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen dem Handelsblatt. Bislang war lediglich bekannt, dass RWE einen Verkauf seiner Anteile erwägt. Ein direkter Anteilsverkauf ist aber nicht die einzige Option.

Amprion ist einer der vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, die die großen Trassen zum Stromtransport über weite Strecken besitzen. Wie alle Netzbetreiber muss auch Amprion Milliardensummen aufbringen, um das Stromnetz für die vielen neuen Solaranlagen, Windräder und die neuen Anforderungen durch die Energiewende zu rüsten.

Bis 2029 will Amprion 36,4 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Netze investieren. Der Kapitalbedarf wird zunehmend zur Belastung für die Eigentümer des Netzbetreibers. 74,9 Prozent gehören der Beteiligungsgesellschaft M31, zu der unter anderem Versicherer wie Swiss Life und Talanx zählen. Die restlichen 25,1 Prozent hält RWE.

Die Frage nach der Finanzierung der deutschen Stromnetze betrifft nicht nur die Unternehmen selbst, sie ist auch hochpolitisch. Denn zum einen geht es um kritische Infrastruktur, die man nicht jedem ausländischen Investor bedenkenlos anvertrauen würde.

Zum anderen werden die Investitionskosten für den Stromnetzausbau auf die Stromkunden in Deutschland umgelegt. Mit der Frage, wie man die Netze ausbauen und Strom trotzdem bezahlbar halten kann, ringt deshalb auch die Bundesregierung.

Termin für eine bindende Gebotsrunde ist vorerst unklar

Im Frühjahr startete eine erste Gebotsrunde, bei der Interessenten nicht-bindende Angebote abgeben konnten. Das Handelsblatt hatte als Erstes darüber berichtet. RWE sagt zu Anfragen stets, man prüfe angesichts des hohen Kapitalbedarfs für den Netzausbau verschiedene Optionen und Finanzierungsmöglichkeiten.

Energie

Kaufen Staatsfonds sich bei Stromnetzen ein? RWE will seine Amprion-Beteiligung loswerden

Jetzt sagten zwei Berater, dass RWE darüber nachdenke, seinen Amprion-Anteil in eine „Tochtergesellschaft“ auszugliedern. Eine Person aus Unternehmenskreisen sprach von einer möglichen Auslagerung in eine „gesellschaftsrechtliche Hülle“. Hintergrund seien womöglich juristische und steuerliche Vorteile durch solch eine Neustrukturierung.

Ein möglicher Verkauf von Anteilen ist damit nicht vom Tisch. Es ist weiterhin denkbar, dass Investoren direkt oder innerhalb einer neuen „Amprion-Gesellschaft“ einsteigen. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, RWE diskutiere derzeit mit verschiedenen Investoren verschiedene Alternativen – unabhängig von der gesellschaftsrechtlichen Struktur der Anteile. Den Wert des 25-Prozent-Anteils an Amprion schätzten Analysten im Frühjahr auf 1,6 Milliarden Euro.

RWE hat Amprion erst einmal aus dem Schaukasten genommen.
Insider

Allerdings scheint sich der Prozess länger hinzuziehen als ursprünglich von einigen Akteuren erhofft. Im Frühjahr hatte eine mit dem Ablauf vertraute Person dem Handelsblatt gesagt, dass womöglich um Ostern herum eine zweite Runde mit bindenden Geboten für RWEs Amprion-Anteil gestartet werden könnte.

Jetzt aber sagten drei Insider, dies sei bislang nicht geschehen. Es sei unklar, wann es zu einer solchen Runde kommen könne. Eine Person sagte, dass die Interessenten der ersten Gebotsrunde nicht genug Geld geboten hätten. Eine weitere Person sagte, RWE habe Amprion jetzt erst einmal „aus dem Schaukasten genommen“. Eine dritte Person sagte, dass jedoch grundsätzlich ein „hohes Interesse“ am Amprion-Anteil bestehe.

Neue Bundesregierung womöglich offen für Einstieg bei allen Übertragungsnetzbetreibern

Dieses Interesse könnte auch vom deutschen Staat ausgehen. Eine Person sagte, sowohl Wirtschaftsministerin Katherina Reiche als auch die staatliche Förderbank KfW könnten sich gut vorstellen, den Staat an allen vier Übertragungsnetzbetreibern zu beteiligen, um beim wichtigen Thema Netzausbau überall mitzureden.

Bislang hält die Bundesregierung über die KfW Anteile an zwei der vier Übertragungsnetzbetreiber: 2018 übernahm die KfW 20 Prozent an dem Netzbetreiber 50Hertz, um einen Einstieg des chinesischen Stromübertragungsnetzbetreibers SGCC zu unterbinden. Und 2023 beteiligte sich der Bund über die KfW mit einem Anteil von 24,95 Prozent an TransnetBW.

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Die Idee, der Staat könne bei allen Übertragungsnetzbetreibern mitmischen, gibt es schon lange. Konkret formuliert wurde sie zuletzt Anfang 2023. Da spielte Amprion mit der Idee einer „Deutschen Netzgesellschaft“ aus allen vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern, die von Amprion koordiniert werde und gegenüber der EU mit gemeinsamer Stimme auftreten könnten.

Damit ein solches oder ähnliches Konstrukt Realität werden könnte, müsste der Staat allerdings auch Anteile am Netzbetreiber Tennet kaufen. Die deutschen Tennet-Stromnetze gehören bislang dem niederländischen Staat, der sie 2009 vom Energiekonzern Eon kaufte.

Aktuell versucht der niederländische Staat, seine deutschen Stromnetze wieder zu verkaufen. Ein Komplettverkauf an den deutschen Staat war im Sommer 2024 an Bedenken des damaligen Finanzministers Christian Lindner gescheitert.

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Nun hat für Anteile an Tennet Deutschland wie auch bei Amprion eine Verkaufsrunde mit nicht-bindenden Geboten stattgefunden, die vor wenigen Tagen abgeschlossen wurde. Wie es dort weitergeht, dürfte sich bald entscheiden.

Erstpublikation: 19.06.2025, 14:20 Uhr.

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