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EnergieSMA Solar rechnet mit Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe

Der Solarkonzern steckt mitten in der Restrukturierung. Aber die Maßnahmen reichen nicht aus. Die schwierige Lage in den USA dürfte die Situation weiter verschärfen. Die Aktie bricht ein.Kathrin Witsch 03.09.2025 - 11:00 Uhr Artikel anhören
Logo von SMA Solar: Das Unternehmen aus Kassel rechnet für dieses Jahr nicht mehr mit einem Gewinn. Foto: dpa

Düsseldorf. Deutschlands letzter Solarkonzern hat seine Gewinnprognose erneut gesenkt. Anstatt eines zweistelligen operativen Gewinns (Ebitda) von 70 bis 80 Millionen Euro erwartet SMA Solar nun für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust von 30 bis 80 Millionen Euro. Das teilte das Unternehmen mit Sitz in Niestetal bei Kassel am späten Montagabend mit. Es ist das dritte Mal innerhalb von zwölf Monaten, dass SMA seine Prognose kassiert.

Die Nachricht drückt den Kurs des Unternehmens an den Aktienmärkten deutlich. Am Dienstag notieren die Aktien von SMA Solar mehr als 22 Prozent niedriger.

Als Grund nennt das Unternehmen die gesunkene Nachfrage bei Solaranlagen für Eigenheimbesitzer. Die Umsatzentwicklung für 2025 und die Folgejahre hat sich im dritten Quartal „noch einmal deutlich verschlechtert“. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete das Segment „Home & Business Solutions“ ein Minus von fast 130 Millionen Euro.

SMA Solar rechnet mit Einmalaufwendungen zwischen 170 Millionen und 220 Millionen Euro. Diese resultieren aus der Wertminderung auf Vorräte, Sonderabschreibungen für nicht realisierte Projekte und Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen. Das Unternehmen plant, durch Einsparungen im Produktportfolio, eine verstärkte Nutzung internationaler Standorte und andere Maßnahmen bis Ende nächsten Jahres mehr als 100 Millionen Euro einsparen zu können. Die Lage ist jedoch ernst.

Zinsen, Inflation und Trump erschweren das Geschäft

Der Hersteller von Wechselrichtern, dem zentralen Steuerungselement von Solaranlagen, gehört zu den Weltmarktführern. Doch das Unternehmen schreibt seit einem Jahr rote Zahlen und kämpft mit einer sinkenden Nachfrage. Bereits im vergangenen Jahr verbuchte der Konzern ein Minus von 16 Millionen Euro.

Daraufhin kündigte CEO Jürgen Reinert im Herbst ein Restrukturierungsprogramm an: 1100 Stellen sollen weltweit abgebaut und Abläufe optimiert werden. Noch im Frühjahr versprach Reinert, das Unternehmen in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone zu bringen. Ein Versprechen, das nun nicht mehr zu halten war.

Während SMA Solar in den ersten sechs Monaten 2024 noch einen Gewinn von mehr als 80 Millionen Euro (Ebitda) erzielte, sind es im ersten Halbjahr 2025 nur noch neun Millionen Euro – ein Rückgang um fast 90 Prozent. Der Aktienkurs des Solarkonzerns ist innerhalb von zwei Jahren um knapp 74 Prozent abgestürzt.

Als Begründung für die schlechten Zahlen nannte SMA Solar die Zurückhaltung der Käufer, die durch steigende Zinsen, Inflation und vor allem zunehmende Verunsicherung mit Blick auf die US-Politik verursacht wird: „Die gestiegenen Unsicherheiten aufgrund von Zöllen, Handelshemmnissen und dem ‚One Big Beautiful Bill‘ haben im zweiten Quartal noch einmal deutlich zugenommen“, sagte Finanzvorstand Kaveh Rouhi.

Seit seinem Amtsantritt im Januar führt Trump einen regelrechten Feldzug gegen erneuerbare Energien. Erst kündigte er extrem hohe Zölle auf Solaranlagen und die dafür nötigen Rohstoffe an, dann beendete er mit seinem Steuergesetz „Big Beautiful Bill“ ab 2027 jegliche Förderprogramme für neue grüne Projekte. Den Ausbau der Windkraft auf dem Meer hat er vollständig gestoppt.

Zusätzlich werden Genehmigungen für Projekte mit chinesischen Komponenten erschwert und einige bestehende Förderprogramme schon jetzt gekürzt. Die Auswirkungen sind deutlich.

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Allein in diesem Jahr wurden laut dem Clean Economy Tracker Projekte im Wert von 18,6 Milliarden Dollar gestrichen. Die Investitionsankündigungen gingen im selben Zeitraum um fast 20 Prozent zurück.

Besonders betroffen ist der Verkauf von Solaranlagen für Eigenheimbesitzer, da die Fördermaßnahmen noch in diesem Jahr vollständig auslaufen. Das Energieberatungsunternehmen Wood Mackenzie prognostiziert bis Ende 2030 einen Rückgang in diesem Segment um bis zu 46 Prozent.

Umsatz in den USA bereits stark eingebrochen

Für SMA ist das eine Hiobsbotschaft. 2024 erwirtschaftete das Unternehmen insgesamt 615 Millionen Euro, also fast die Hälfte des Gesamtumsatzes, in Nord- und Südamerika. 70 Prozent davon entfielen auf die USA. Im ersten Halbjahr 2025 ist der Umsatz in der Region „Americas“ bereits um die Hälfte eingebrochen.

Dabei hätten die vergangenen Jahre für den Weltkonzern gar nicht besser laufen können. Umsatz, Ergebnis und Marge wuchsen deutlich. SMA verzeichnete einen Gewinnsprung nach dem anderen – begünstigt durch die Energiekrise. 2023 hatte das Unternehmen noch ein Plus von 270 Millionen Euro erwirtschaftet.

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Schon in den ersten sechs Monaten 2024 zeichnete sich allerdings ab, dass mit den hohen Gewinnen erst einmal Schluss sein würde. Angesichts sinkender Strompreise, steigender Zinsen und einer allgemein schlechteren Wirtschaftslage kämpft die Solarindustrie nun gegen die schlimmste Krise seit zehn Jahren. Obwohl die Nachfrage nach Solaranlagen weiterhin hoch ist, stapeln sich die Wechselrichter in den Hallen der Händler und Hersteller.

Erstpublikation: 01.09.2025, 22:47 Uhr.

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