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EnergieunternehmenWintershall Dea erwartet eine Entschädigung bei einem Aus von Nord Stream 2

Der CEO des wichtigen Gazprom-Partners ist angesichts des Ukrainekriegs „schockiert“. Die Krise trifft den Konzern schwer – ein Börsengang rückt in weite Ferne.Catiana Krapp, Bert Fröndhoff, Arno Schütze 24.02.2022 - 14:24 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Russlandgeschäft steuerte 19 Prozent zum Betriebsgewinn (Ebitda) des Unternehmens bei.

Foto: dpa

Düsseldorf. Kaum ein Unternehmen in Deutschland hat so enge Beziehungen nach Russland wie Wintershall Dea. Das Unternehmen ist einer der engsten Partner Gazproms im Westen: In Sibirien fördern beide Konzerne mit einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen Gas.

Wintershall-CEO Mario Mehren ging am Donnerstag aber kritischen Fragen zur Partnerschaft aus dem Weg. Die für den Mittag angesetzte Pressekonferenz zur Vorlage der Jahreszahlen wurde kurzfristig abgesagt. Mehren beschränkte sich auf ein schriftliches Statement: „Der russische Staatspräsident hat eine Militäroperation gegen die Ukraine angeordnet. Diese militärische Eskalation des Konflikts sehen wir mit sehr großer Sorge und Betroffenheit. Menschen sterben. Wir sind schockiert, was passiert!“ Die jüngste militärische Eskalation erschüttere auch die über Jahrzehnte aufgebaute wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa und werde weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen.

Damit verurteilte Mehren den Ukrainekrieg zwar klar, auf die eigenen Aktivitäten ging er aber nicht ein. Wintershall hielt nur einen Call mit Investoren mit CFO Paul Smith ab – der sich zu den Folgen für Wintershall aber explizit nicht äußern wollte. „Heute ist ein trauriger Tag für Europa. Es ist kein Tag, um hypothetische Fragen und Unbekanntes zu diskutieren“, sagte er lediglich.

Wintershall hat gute Zahlen aus dem vergangenen Geschäftsjahr vorzuweisen. Der Betriebsgewinn (Ebitdax) des Unternehmens lag bei 3,8 Milliarden Euro, was eine Steigerung von 133 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Der bereinigte Nettogewinn stieg sogar um 387 Prozent auf 950 Millionen Euro.

Dass das Ergebnis so stark ist, hängt mit den zuletzt hohen Energiepreisen zusammen, aber auch damit, dass Wintershall Dea im Geschäftsjahr 2020 angesichts der damals niedrigen Öl- und Gaspreise einen starken Rückgang des bereinigten Nettogewinns verbuchen musste. Solche Probleme hat der Konzern jetzt nicht mehr – dafür steht er im Zuge des Ukrainekriegs massiv unter Druck. Das Russlandgeschäft steuerte 19 Prozent zum Betriebsgewinn (Ebitda) des Unternehmens bei.

Ukrainekrieg: Wintershall von Wirtschaftssanktionen betroffen

Noch vor wenigen Tagen hatte Wintershall-CEO Mehren vor Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland gewarnt. „Mit wirtschaftlichen Sanktionen ist Menschen selten geholfen, wie die Vergangenheit regelmäßig gezeigt hat. Sie sind nicht im Interesse der Menschen in der Ukraine, nicht der in Russland, in Deutschland oder Europa“, hatte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt.

Wintershall Dea ist bei Sanktionen gegen Russland zum Teil selbst betroffen. Das Unternehmen ist ebenso wie vier weitere europäische Konzerne an der Finanzierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligt. Nun, da die Inbetriebnahme des Projekts auf Eis liegt, steht für Wintershall die Rückzahlung von rund 730 Millionen Euro infrage.

Im Geschäftsbericht heißt es, man gehe bei einer Verhinderung der Pipeline von einer Entschädigung für die Projektgesellschaft aus. Es sei zurzeit kein belastbares Szenario denkbar, in dem es zu politischer Intervention ohne Entschädigung käme. Auch wenn das bisher noch nicht abgeschlossene Zertifizierungsverfahren die Inbetriebnahme verzögere, rechne Wintershall Dea damit, dass die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Finanzinvestoren erfüllt werden.

Eine weitere Verbindung zu Russland ist, dass Wintershall Dea über die Holding-Gesellschaft Letter One (L1) zu 27,3 Prozent dem russischen Milliardär Michail Fridman gehört. Der hatte sich zuletzt einem möglichen Börsengang von Wintershall versperrt. Der Mehrheitseigner BASF (73 Prozent der Anteile) möchte sich über einen IPO von seiner Beteiligung an Wintershall Dea trennen. Doch ein Börsengang ist bereits zweimal verschoben worden.

BASF hatte intern eine Trennung von der Öl- und Gastochter in diesem Jahr angepeilt, einen genauen Zeitpunkt aber offengelassen. In Finanzkreisen geht man fest davon aus, dass Wintershall in absehbarer Zeit nicht an die Börse gehen wird – auf keinen Fall mehr im laufenden Jahr. Angesichts der Volatilität der Märkte liegen Pläne für Börsengänge insgesamt vorerst auf Eis. Für Projekte mit Russlandbezug wäre die Umsetzung noch schwieriger bis aussichtslos.

Am Kapitalmarkt hieß es zuletzt, dass BASF seine Wintershall-Beteiligung möglicherweise auch direkt an Fridman verkaufen und die Einnahmen so ohne IPO generieren könnte. Der Anteil von BASF wird von Analysten auf rund zwölf Milliarden Euro geschätzt. Der Chemiekonzern hat aber immer den Börsengang als bevorzugten Weg unterstrichen.

In der nun beginnenden Sanktionsspirale zwischen dem Westen und Russland wird zudem ein solcher Direktverkauf kaum möglich sein. BASF hat die Einnahmen auch noch nicht fest eingeplant.

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Wegen der zahlreichen Herausforderungen wie der grünen Transformation und des Aufbaus von Zukunftsgeschäften wie der Batterietechnik hat der Konzern in den nächsten Jahren jedoch hohen Kapitalbedarf.

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