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Energie

Energiewirtschaft Endlich Chef: Wie sich Leonhard Birnbaum an die Spitze von Eon kämpfte

Vor neun Jahren wollte er Jürgen Großmann bei RWE beerben, jetzt folgt der 53-Jährige auf Johannes Teyssen bei Eon – und steht vor einer großen Herausforderung.
15.12.2020 - 15:50 Uhr Kommentieren
Der begeisterte Bergsteiger übernimmt im kommenden Jahr die Führung von Eon. Quelle: Reuters
Leonhard Birnbaum

Der begeisterte Bergsteiger übernimmt im kommenden Jahr die Führung von Eon.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf An einem Abend im Frühsommer 2018, in seinem Privathaus, demonstrierte Leonhard Birnbaum, dass er bereit ist für den nächsten Karriereschritt: für die Führung von Deutschlands größtem Energiekonzern Eon.

In vertraulicher Runde empfingen damals nach Informationen des Handelsblatts Eon-Chef Johannes Teyssen und sein Vorstand Leonhard Birnbaum den Chef von Innogy, Uwe Tigges, und dessen Finanzvorstand Bernhard Günther. Wenige Monate zuvor hatte Eon den Konkurrenten mit einer Übernahmeofferte überrumpelt– und war auf heftige Abneigung gestoßen. An jenem Abend galt es, endlich – Eon hatte sich die Mehrheit praktisch schon gesichert – eine gemeinsame Basis zu finden.

Während sich die beiden Vorstandschefs argwöhnisch beäugten, waren es Birnbaum und Günther, die bei Wein und Fingerfood den Durchbruch brachten. Birnbaum breitete auf dem heimischen Esstisch eine große Europakarte aus. Hier sei Eon vertreten, da Innogy, erläuterte er. Wie prima sich die beiden Energiekonzerne doch ergänzen würden, welch mächtiger neuer Spieler da entstehe.

Das Eis brach, der „emotionale Durchbruch“ gelang, wie sich ein Teilnehmer erinnert. Zwei wichtige Prinzipien für die Übernahme wurden festgehalten: Bei der Verschmelzung der beiden gleich großen Unternehmen sollten sich die besten Ideen und Köpfe beider Welten durchsetzen.

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    Von jenem Abend an arbeitete die Innogy-Führung nicht mehr gegen die Übernahme, sondern mit. Eon-Chef Teyssen betraute Birnbaum mit seinem wichtigsten Projekt. Im Unternehmen interpretierten viele die Berufung zum „Chief Operating Officer – Integration“ als Bewährungsprobe für höhere Weihen – und der gebürtige Pfälzer, der auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, musste das selbst so empfinden.

    Jetzt ist Birnbaum tatsächlich am Ziel. Der Aufsichtsrat bestellte ihn zum nächsten Chef von Deutschlands größtem Energiekonzern. Im Frühjahr wird er Teyssen ablösen, der Eon seit Mai 2010 führte, prägte und große Fußstapfen hinterlässt: Teyssen musste mit mehreren Volten erst den Atomausstieg abfangen, dann den sich anbahnenden Kohleausstieg – begleitet von milliardenschweren Abschreibungen und gigantischen Verlusten.

    Nach der Übernahme von Innogy ist Eon jetzt rein auf die Sparten Vertrieb und Netz fokussiert, versorgt europaweit rund 50 Millionen Kunden und betreibt Strom- und Gasleitungen mit einer Länge von 1,5 Millionen Kilometern.

    Reinigungsarbeiten an der Eon-Zentrale in Essen: Der Energiekonzern arbeitet noch an der Integration von Innogy. Quelle: dpa
    Eon-Zentrale

    Reinigungsarbeiten an der Eon-Zentrale in Essen: Der Energiekonzern arbeitet noch an der Integration von Innogy.

    (Foto: dpa)

    Eon hat die Kraftwerke abgestoßen, ist kein Erzeuger mehr. Eon soll aber auch kein Versorger mehr sein, sondern zum Dienstleister werden — und das ist der Auftrag für Birnbaum. „Der Wechsel an der Spitze war fällig“, betont ein Aufsichtsrat: „Eon braucht eine neue Kultur – und jemanden, der das verkörpert.“

    Die neue Energiewelt wird schließlich nicht nur grün, sondern auch dezentral und digital. Kunden verlangen neue Produkte und Dienstleistungen – und neue Wettbewerber attackieren die Platzhirsche. Birnbaum muss die hohen Ergebnisse des Netzgeschäfts halten, auch wenn die Regulierung immer schärfer wird – und er braucht neues Wachstum. „Eigentlich ist es simpel, wir müssen innovativ sein“, beschrieb der promovierte Chemiker selbst Anfang Oktober auf den „Energy Innovation Days“ des Konzerns die Herausforderung.

    Bei RWE wurde Birnbaum von Peter Terium ausgestochen

    Der begeisterte Bergsteiger Birnbaum musste selbst Beharrlichkeit beweisen. Schon einmal, vor neun Jahren, strebte er nach einem Vorstandsvorsitz: dem von Erzrivale RWE. Sein Förderer Jürgen Großmann hätte seinen damaligen Strategiechef gerne als Nachfolger gesehen, gekürt wurde aber Peter Terium. Dem damaligen Aufsichtsratschef Manfred Schneider war der ehrgeizige Vorstand Birnbaum zu unerfahren und auch etwas zu spröde.

    Birnbaum haftete damals sein Image als Berater an. Zwar hatte er schon für McKinsey die Energiebranche tief durchdrungen, aber erst 2008 war er in die Branche und in den RWE-Vorstand gewechselt.

    2013 zog Birnbaum die Konsequenzen, wechselte in den Eon-Vorstand und arbeitete im Schatten des übermächtigen Teyssen an seiner zweiten Chance.

    Mangelnde Erfahrung kann man dem klugen Analytiker inzwischen definitiv nicht mehr vorwerfen. Birnbaum verfügt über ein großes Netzwerk, ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Vereinigung der europäischen Elektrizitätswirtschaft, Eurelectric, und stellvertretender Vorsitzender des World Energy Council. Zuletzt hatte Teyssen seinem Nachfolger auch schon große Teile der Lobbyarbeit überlassen.

    Peter Terium stach 2012 Leonhard Birnbaum bei der Kandidatur für den RWE-Vorstandsvorsitz aus. Quelle: Reuters
    Peter Terium

    Peter Terium stach 2012 Leonhard Birnbaum bei der Kandidatur für den RWE-Vorstandsvorsitz aus.

    (Foto: Reuters)

    Ein Selbstläufer war Birnbaums Berufung aber nicht. Der Aufsichtsrat soll sich intern und extern umgeschaut haben, mancher hätte sich einen Impuls von außen gewünscht. Einen großen Rückhalt in der Mannschaft hat er aber. „Hier würden sich viele freuen, wenn er es wird“, sagte ein Manager im Vorfeld.

    Das gilt wohl auch für einen großen Teil der Innogy-Belegschaft. Viele Mitarbeiter trauern noch immer der Selbstständigkeit hinterher, viele Führungskräfte fühlen sich trotz der guten Absichten aus dem Jahr 2018 übergangen. Es steht noch viel Integrationsarbeit an.

    Die wird schwierig, aber Birnbaum scheint dafür prädestiniert. Auch wenn nach dem „emotionalen Durchbruch“, der nach den Worten eines Innogy-Managers im Frühjahr 2018 gelang, die Integration noch ein langer Weg ist – oder vielleicht auch gerade deshalb.

    Birnbaum leitete nicht nur das Integrationsprojekt in der Übergangsphase. Er übernahm Ende 2019 nach der Freigabe durch die EU-Kommission auch vorübergehend den Vorstandsvorsitz von Innogy. „In den Monaten danach hat er viel bei uns gewonnen“, erinnert sich ein Innogy-Manager. Birnbaum habe sich erkennbar auf die Nöte der neuen Mitarbeiter eingelassen. „Für die Innogy-Seite könnte es kaum eine bessere Wahl für den Eon-Chef geben“, hält er fest.

    Mehr: „Silberrücken“ beraten Start-ups: Warum Ex-Manager jungen Energiefirmen helfen.

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