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Fracking-Boom in USASchiefergas jagt Europäern Angst ein

Die USA steigen 2015 zum weltweit größten Öllieferanten auf. Europas Unternehmen warnen daher vor einer Verlagerung energieintensiver Branchen nach Nordamerika. Zahlreiche Arbeitsplätze könnten abwandern.Carsten Herz und Hans-Peter Siebenhaar 13.11.2013 - 17:35 Uhr Artikel anhören

Fracking-Anlage im US-Bundesstaat Colorado: Der Schiefergas-Boom lockt Unternehmen mit hohem Energieverbrauch nach Übersee.

Foto: ap

Wien. Das billige Schiefergas aus den USA bereitet Europa zusehends Sorge. Denn durch die billige Energie in Nordamerika geraten die heimischen Arbeitsplätze unter Druck. „Die USA betreiben eine Reindustrialisierung mit neuen Arbeitsplätzen“, sagte Gerhard Roiss, Vorstandschef des Öl- und Gaskonzerns OMV, auf einer Energiekonferenz am Mittwoch in Wien.

In den Vereinigten Staaten sei das Schiefergas um zwei Drittel billiger als in Europa. „In Europa gehen Arbeitsplätze verloren. Während in den USA die Investments mit hohem Energieverbrauch wachsen, stehen sie in Europa auf Halten“, warnte auch Georg Kapsch, Unternehmer und Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung.

Nicht nur die Mienen der Mitglieder des OPEC-Kartells, sondern auch die der Chefs europäischer Energieunternehmen wie OMV verdüstern sich bei einem Wort: Fracking. Denn die Technologie, bei der Schieferstein mit Wasser und Chemikalien aufgebrochen und das gebundene Öl und Gas herausgelöst wird, sorgt zurzeit für eine Revolution auf dem Weltenergiemarkt.

Die USA sind auf dem Weg, der größte Ölproduzent auf dem Globus zu werden – und setzen damit nicht nur die klassischen Fördernationen im Nahen Osten unter Druck, sondern auch die europäischen Energiekonzerne. „Importeure werden zu Exporteuren“, sagte Fatih Birol, Chefökonom der Internationale Energieagentur (IEA), in Wien. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die US-Gaspreise nach oben gehen.“

Durch Fracking-Boom

Ölquellen im Nahen Osten droht das Ende

Einfache Antworten kann es auf die Herausforderungen der billigen Energie aus Nordamerika nicht geben. In Namen der österreichischen Industrie forderte deren Präsident Kapsch, die Anstrengung zur Energieeffizienz zu verstärken. „Unser Ziel muss eine Reduzierung des Energieverbrauchs sein“, sagte er am Mittwoch. Ob das ausreicht, ist allerdings zweifelhaft.

In der EU-Kommission wurde intensiv über Maßnahmen diskutiert. In dieser Woche brachte EU-Energiekommissar Günther Oettinger das Fracking auch in Europa ins Spiel. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern, befürwortet der der frühere baden-württembergische Ministerpräsident die Gewinnung von Schiefergas nach amerikanischem Vorbild.

„Wir brauchen in Europa die Option des Fracking, zumindest als Drohung gegen Putin“, sagte Oettinger auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft in dieser Woche in Wien. Russland ist bislang wichtigster Gaslieferant in der Europäischen Union. Noch liefert das von Wladimir Putin regierte Land vier Fünftel des Gases. „Uns geht es noch gut. Doch ein Weckruf muss jetzt her“, appellierte Oettinger.

Indirekt unterstützte Roiss die Position Oettingers. „Wir müssen einen Ausgleich zwischen einer besseren Marktfähigkeit und den Kampf gegen die Klimaerwärmung finden“, fordert der OMV-Chef. Der Vorstandschef des größten österreichischen Unternehmens drängt auf niedrigere Strompreise, damit es zu keiner Abwanderung der Industrie in Europa kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es viele Wege.

Infografik

Der große Umbruch am Energiemarkt

Wie Oettingers Mitarbeiter, Generaldirektor Fabrizio Barbaso, am Mittwoch in Wien ankündigte, sollte die Harmonisierung der Energiepolitik beschleunigt werden. „Wir müssen die europäische Energiemärkte besser integrieren, um niedrigere Preise zu erzielen“, sagte Barbaso. Die deutsche Bundesregierung mit ihrer großzügigen Hilfe für erneuerbare Energien gilt in Brüsseler Kreisen als Negativbeispiel.

Die Umbrüche auf den internationalen Öl- und Gasmärkten sind dramatisch. „Die Zukunft ist immer weniger vorhersehbar. Die Energiemärkte reflektieren die Volatilität der Welt“, resümierte OMV-Chef Roiss. Welche Dynamik die Märkte besitzen, zeigen die neuen Daten der Internationalen Energieagentur. Bereits 2015 werden die USA zum größten Erdöllieferant der Welt aufsteigen. Sie drängen damit die ölfördernden Länder aus dem Nahen Osten zurück.

IEA-Chefökonom Fatih Birol glaubt hingegen an eine Renaissance der OPEC-Länder. Ab 2025 würden sie ihre Rolle als Schlüsselenergieversorger wieder zurückgewinnen. Denn der Boom von Schiefergas und Ölsanden werde nicht über das Jahr 2020 hinaus anhalten. „Ich bin überzeugt, dass die Produzenten im Nahen Osten das Herz der weltweiten Ölproduktion bleiben werden“, betonte der aus der Türkei stammende Birol.

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Indien werde als Land mit dem größten Öldurst China nach 2020 ablösen. In Europa gehe der Verbrauch vor allem aufgrund weiterer Effizienzsteigerungen zurück. Auf dem Treibstoffmarkt werde die Nachfrage vor allem von der weiter zunehmenden Zahl von Lastwagen getrieben. „Wir werden sehr viel mehr Diesel brauchen als Benzin“, sagte Birol.

Der Chefökonom der IEA, die 28 Regierungen in aller Welt in Energiefragen berät, darunter die deutsche Bundesregierung und das Weiße Haus, warnt darum die klassischen Ölförderländer eindringlich davor, die Hände in den Schoß zu legen. „Ich bin wirklich besorgt, dass wir die falschen Signale in den Nahen Osten senden und am Ende wichtige Investments nicht rechtzeitig erfolgen“, sagte Birol.

Denn insgesamt steige die Energienachfrage über alle Energieträger bis 2035 weltweit um ein Drittel – um 14 Millionen Barrel (ja 159 Liter) pro Tag auf dann 101 Millionen Barrel, heißt es in dem Bericht. Das wird auch Folgen für die Preise haben: Für 2035 sagt die Agentur einen Ölpreis von 128 Dollar je Barrel voraus, nachdem sie im vergangenen Jahr inflationsbereinigt noch von 125 Dollar ausgegangen war. In diesem Jahr liegt der Preis durchschnittlich noch bei rund 100 Dollar. Kein Grund also, für das Opec-Kartell in Trübsal zu verfallen.

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