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Energie

Offshore-Windparkbetreiber Wie der dänische Konzern Orsted den Aufstieg zum Windriesen schaffte

Orsted hat es in nur wenigen Jahren vom kleinen Öl- und Gaskonzern zum größten Offshore-Windunternehmen der Welt geschafft. Und das soll erst der Anfang sein.
27.01.2020 - 15:19 Uhr Kommentieren
Orsted: Wie der Konzern den Aufstieg zum Windriesen schaffte Quelle: Reuters
Windkraft auf See

Heute ist Orsted Weltmarktführer in der Planung und dem Betrieb von Offshore-Windparks.

(Foto: Reuters)

Berlin Für Henrik Poulsen hätte das Timing nicht besser sein können. Kurz vor seinem Auftritt auf dem Handelsblatt Energie-Gipfel in der vergangenen Woche wurde das dänische Unternehmen Orsted von dem renommierten Wirtschaftsmagazin „Corporate Knights“ zum nachhaltigsten Konzern der Welt gewählt. Dementsprechend breit war das Grinsen auf dem Gesicht des 52-jährigen Chefs bei seinem Besuch in Deutschland.

Orsted ist das, was man in der heutigen Zeit wohl eine grüne Erfolgsgeschichte nennen würde. Das Unternehmen mit Sitz im beschaulichen Fredericia hieß bis vor zwei Jahren noch Dong Energy und gehörte mehrheitlich der dänischen Regierung. Die Firma war ein recht unbedeutender Akteur im regionalen Energiemarkt des Landes. Einen großen Teil seines Geschäfts machte Dong mit Öl und Gas.

Vor acht Jahren kam der Absturz: Die Ölpreiskrise von 2012 brachte die Dänen an den Rand der Pleite. Innerhalb von einem Jahr brach der Gewinn um fast 40 Prozent ein, während die Schulden immer größer wurden. Ein milliardenschweres Polster wie die Branchenriesen Shell, BP und Exxon Mobil hatte Orsted nicht.

Es blieb nur ein radikaler Schnitt. „Wir waren gezwungen, uns zu ändern, weil wir in einer wirtschaftlich schwierigen Lage waren“, sagt Poulsen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der junge Manager war im Krisenjahr frisch dazugestoßen und für den Umbau extra von außen geholt worden. Der dänische Konzern verkaufte seine Öl- und Gasaktivitäten, verkleinerte sein Geschäft und machte einen radikalen Kostenschnitt. „Es ist wortwörtlich ein neues Unternehmen“, sagt Poulsen.

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    Mit dem Geld aus dem Verkauf der alten Aktivitäten und dank einer Finanzspritze des dänischen Pensionsfonds und der Investmentbank Goldman Sachs im Wert von 1,8 Milliarden Euro konnte Orsted sich schließlich voll auf das Offshore-Business konzentrieren. „Windkraft auf See hatte damals noch kaum jemand auf dem Schirm, und da haben wir unsere Lücke gesehen. Ein paar Offshore-Aktivitäten hatten wir schon und ehrlich gesagt auch wenig Alternativen“, gibt Poulsen zu.

    Orsted: Wie der Konzern den Aufstieg zum Windriesen schaffte Quelle: Bloomberg
    Orsted-Chef Henrik Poulsen beim Handelsblatt Energie-Gipfel

    „Windkraft auf See hatte damals noch kaum jemand auf dem Schirm und da haben wir unsere Lücke gesehen.“

    (Foto: Bloomberg)

    Seit dem Börsengang 2016 hat sich der Wert des Unternehmens verdreifacht. Knapp 50 Prozent der Anteile gehören auch heute noch dem dänischen Staat. Der Gewinn hat sich fast verdoppelt, und die CO2-Emissionen der Dänen sind um mehr als 80 Prozent gesunken. Heute ist Orsted Weltmarktführer in der Planung und dem Betrieb von Offshore-Windparks.

    Das liegt auch daran, dass der europäische Heimatmarkt in den vergangenen zehn Jahren so viele Windräder auf See aufgestellt hat wie keine andere Region der Welt. Insgesamt drehen sich aktuell 5500 Windturbinen in den Weltmeeren, zwei Drittel davon in Europa. Aber langsam setzen auch andere Länder auf den Strom vom Meer.

    Stromquelle der Zukunft

    Noch ist der Anteil der Offshore-Energie am globalen Strommix einer der kleinsten unter den erneuerbaren Energien. Gerade einmal 0,3 Prozent der Stromproduktion stellten die Windräder auf See im vergangenen Jahr her.  Aber schon 2040 soll die Windkraft auf See nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) ein Volumen von über 1,3 Billionen Dollar erreichen und Offshore-Energie zu der größten Stromquelle der Zukunft werden.

    „Es gibt zwei technologische Entwicklungen, die gleichzeitig auch die globale Energiewelt nachhaltig verändert haben: die Förderung von Schieferöl- und -gas und der dramatische Preisverfall in der Solarenergie. Wir erwarten, dass die Entwicklungen in der Offshore-Windkraft genauso ein großes Potenzial haben, die Energiewelt nachhaltig zu verändern“, sagt Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur. Wo die Windenergie an Land schon in wenigen Jahren an ihre Grenze stoßen wird, prophezeien Experten der Offshore-Industrie einen Boom. 

    Von dem will auch Orsted profitieren. 27 Milliarden Euro will der Windparkbetreiber in den nächsten zehn Jahren investieren, um sein Ausbauziel – 30 Gigawatt bis 2030 – zu erreichen, und zwar nicht nur in Europa, sondern jetzt auch weltweit. Gerade baut das Unternehmen seinen ersten Offshore-Windpark in Taiwan.

    In Nordamerika planen die Dänen parallel ihre ersten Windparks nicht nur auf See, sondern auch an Land. Außerdem will Orsted in den USA auch in das Geschäft mit Solarparks einsteigen. „Wir stehen vor einer großen Herausforderung: Wir müssen das Offshore-Windgeschäft globalisieren, das heißt vor allem Kapazitäten in neuen Märkten aufbauen.

    Dazu gehört zwar auch weiterhin Europa, aber eben auch Asien und Nordamerika“, erklärt Poulsen. In den nächsten zwei Jahren werde man beweisen müssen, dass Orsted Offshore-Windfarmen in drei Regionen auf der Welt bauen kann statt nur in einer. „Das haben wir vorher noch nie gemacht.“

    Wir waren gezwungen, uns zu ändern, weil wir in einer wirtschaftlich schwierigen Lage waren. Henrik Poulsen, Orsted-Chef

    Gleichzeitig wächst die Konkurrenz für die erfolgsverwöhnten Dänen. Auch andere Öl- und Gaskonzerne richten ihr Augenmerk zunehmend auf das ertragreiche Geschäft mit erneuerbaren Energien. Shell und Total sehen sich unter dem Druck von Politik, Aktivisten und klimabewussten Investoren gezwungen, ihr Geschäftsmodell für die Zukunft radikal umzubauen. 

    Die britisch-niederländische Shell will mithilfe von grünem Strom zum weltweit größten Energiekonzern aufsteigen. Die französische Total will immerhin 20 Prozent der Gewinne bis 2040 aus dem Geschäft mit Erneuerbaren reinholen. Und auch der britische BP-Konzern steckt Hunderte Millionen in grüne Energien.

    Angst vor der Konkurrenz habe er zwar nicht, „aber es verschärft den Wettbewerb natürlich enorm“, gibt Poulsen zu. „Aber ich wäre vorsichtig, eine Parallele zu den großen Ölkonzernen zu ziehen. Am Ende kommen Shell, BP und Co. von 100 Prozent Öl und Gas. Und sie haben sehr viel Geld“, sagt er.

    Orsted dagegen hatte viele verschiedene Geschäftsbereiche, von denen Öl und Gas zwar mit einer der größten war, „aber es wäre nicht das Gleiche“, wenn Shell, BP und Co. den Wandel jetzt auch vollzögen. Der grüne Wandel der Dänen mag vielleicht nicht für eine Kehrtwende der fossilen Energieindustrie stehen. Er ist aber mindestens ein Beweis dafür, dass sich mittlerweile auch mit erneuerbaren Energien Geld verdienen lässt.

    Mehr: In der Nordsee entsteht nicht nur der erste Offshore-Windpark weltweit, der ohne staatliche Fördergelder auskommen soll. Es gibt sogar schon einen ersten Kunden für den Ökostrom.

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