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RohstoffeRock Tech kündigt zweite Lithium-Fabrik in Deutschland an

Das Unternehmen setzt auf hohe Rohstoffpreise und Subventionen. Bislang sind aber weder eine Lithium-Mine noch eine Fabrik genehmigt. Jetzt muss Rock Tech liefern.Kathrin Witsch, Jakob Blume 02.02.2022 - 10:02 Uhr Artikel anhören

Die Nachfrage nach dem Metall ist groß. Vor allem für Elektroautos, Speicher und Smartphones ist Lithium unabdingbar. 

Foto: Bloomberg

Düsseldorf, Zürich. Das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech Lithium will mehr Fabriken in Deutschland bauen als bislang bekannt. Die börsennotierte Firma will hierzulande zwei der insgesamt fünf in Europa geplanten Produktionsstandorte aufbauen, wie das Handelsblatt vorab erfahren hat. Bislang war nur ein Standort im brandenburgischen Guben bekannt.

Zudem hat das Unternehmen einen neuen Vorstandschef berufen: Markus Brügmann, 53, tritt die Nachfolge von Dirk Harbecke an. Dieser hatte Rock Tech nach dem Abgang von Simon Bodensteiner im vergangenen Jahr übergangsweise in Personalunion als CEO und Aufsichtsratschef geführt.

Harbecke will sich nun wieder auf seine Rolle als Chefkontrolleur konzentrieren. „Mit Markus Brügmann haben wir uns definitiv die nötige Expertise ins Haus geholt“, sagt Harbecke im Gespräch mit dem Handelsblatt. 

Brügmann selbst hat jahrelang bei Industriekonzernen wie Mitsubishi Power und ABB gearbeitet. „Über dieses Angebot habe ich nicht zweimal nachgedacht“, sagt der Ingenieur über den neuen Posten. Bei Mitsubishi habe er Erfahrungen mit der Entwicklung und dem Bau von Großkraftwerken gesammelt. Die wird er in den kommenden Jahren auch brauchen. 

Rock Tech will die europäische Autoindustrie mit dem nötigen Lithium für die Produktion von Elektroautos beliefern. Gefördert werden soll der begehrte Rohstoff in Kanada, die Verarbeitung dagegen soll in Europa stattfinden. Ab 2024 will Rock Tech zunächst in Brandenburg rund 24.000 Tonnen Lithium pro Jahr verarbeiten – genug für den Bau von 500.000 Elektroautos.

Sichert sich Rock Tech bald die ersten Kunden?

In einem sogenannten Konverter wird das geförderte Lithium in Lithiumhydroxid umgewandelt, das für die Produktion von Elektroautobatterien benötigt wird. Die passenden Anlagen soll der Industriedienstleister Bilfinger bauen. Dafür haben beide Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Rock Tech hat zwar große Pläne, aber bislang weder eine Genehmigung für den Bau der geplanten Mine in Kanada noch für den Konverter in Brandenburg. Und auch Abnehmer gibt es noch keine. Die braucht das ambitionierte Unternehmen allerdings dringend.

Allein für den Bau der ersten Anlage in der Nähe von Berlin rechnet Rock Tech mit einem Investitionsvolumen von knapp einer halben Milliarde Euro. Für alle fünf Konverter braucht es dementsprechend rund 2,5 Milliarden. „Die Genehmigungsverfahren laufen, die Pläne stehen, und die Standorte sind gesichert. Und noch in diesem Jahr werden wir unseren ersten Abnahmevertrag verkünden können“, sagt Harbecke jedoch. 

Seit Mitte Januar ist der Manager neuer CEO des deutsch-kanadischen Unternehmens. 

Foto: Rock Tech Lithium

Der ehemalige Börsenjournalist ist 2010 bei Rock Tech eingestiegen. Gegründet wurde die Firma aber schon 1996 – damals noch unter anderem Namen und mit Fokus auf das Thema Gold. Passiert ist jahrelang so gut wie nichts. Erst 2015 verlegte man den Fokus von Gold auf Lithium und begann, den Plan für den Bau der Mine in Kanada auszuarbeiten. 2019 beschloss das Management, gleichzeitig in die Verarbeitung des Rohstoffs einzusteigen.

Die Aussicht auf eine Lithiumhydroxid-Produktion in Deutschland und Subventionen in Millionenhöhe hat bei Anlegern Euphorie ausgelöst. Kein Wunder: Die Ankündigungen der großen Autohersteller ihrer Elektrostrategien lassen die Lithium-Nachfrage rasant steigen.

Der Preis für das Alkalimetall befindet sich bereits seit zwölf Monaten auf einem Höhenflug. Einer der wichtigsten Referenzpreise, Lithiumkarbonat in Batteriequalität auf dem chinesischen Markt, notiert derzeit dem Brancheninformationsdienst S&P Global Platts zufolge bei umgerechnet rund 47.500 Dollar pro Tonne. Allein in den ersten zwei Wochen des Jahres haben sich die Preise um 35 Prozent verteuert. Auf Sicht von einem Jahr beträgt der Preisanstieg mehr als 500 Prozent.

Börsenkurs schwächelte zuletzt – trotz steigender Preise

Der Börsenwert von Rock Tech Lithium war von acht Millionen Euro im März 2020 auf zwischenzeitlich 380 Millionen Euro geschossen. Seither schwächelt der Kurs jedoch etwas: Aktuell ist das Unternehmen mit knapp 260 Millionen Euro bewertet. 

Ein Fondsmanager, der sich mit der Rock-Tech-Aktie beschäftigt hat, jedoch nicht genannt werden will, hält die Aktie allerdings für „zu teuer“. Die Bewertung sei hoch im Vergleich zu dem, was das Unternehmen bislang vorzuweisen habe.

Es sei schwer für eine junge Firma, eine kapitalintensive Industrieanlage wie einen Lithiumkonverter aufzubauen. Zudem seien der Betrieb einer Mine und einer Chemieanlage zwei sehr unterschiedliche Geschäftsfelder, die nicht leicht unter einem Dach kombinierbar seien.

Aufsichtsratschef Harbecke weist die Kritik zurück: „Ich glaube, dass wir 2020 deutlich unterbewertet waren und auch jetzt noch sind“, sagt er. Schließlich sei bei dem aktuellen Lithium-Preis ein hoher Gewinn garantiert. Allerdings nur, wenn Mine und Konverter auch rechtzeitig gebaut werden können. Dass vor allem in Deutschland nicht immer alles nach Plan läuft, zeigt sich gerade eindrücklich am Bau der geplanten Gigafabrik von Tesla in Brandenburg. Hier sollte die Produktion eigentlich schon Ende 2021 laufen. 

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Auch Brancheninsider beobachten die Rock-Tech-Ankündigungen mit Skepsis. „Die Zeitpläne sind viel zu ambitioniert“, heißt es. Wenn es funktioniere, habe Rock Tech seine Daseinsberechtigung, bis dahin sei die Firma „nur ein Projekt für Aktionäre“. 

Der Fondsmanager vermutet, dass vor allem deutsche Kleinanleger in den Wert investiert haben. Viele griffen zu, als bekannt wurde, dass Facebook-Investor Peter Thiel und der deutsche Milliardär Christian Angermayer mit seiner Investmentgesellschaft Apeiron einsteigen. Beide sollen auch bei der jüngsten Kapitalerhöhung von knapp 41 Millionen Dollar im Dezember wieder mit an Bord gewesen sein. Apeiron und Harbecke sind mit jeweils 13 Prozent die größten Anteilseigner am Unternehmen. 

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