1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Energie
  4. Traditionsreicher Standort: Kohlekraftwerk von Steag in Lünen wird geschlossen

StromproduzentSteag schließt nächstes Kohlekraftwerk

Die Energiewende drängt das nächste Kohlekraftwerk aus dem Markt. Betroffen ist jetzt ein traditionsreicher Steag-Standort.Jürgen Flauger 02.03.2018 - 09:30 Uhr Artikel anhören

Der Standort rechnete sich für den Stromerzeuger nur noch, weil Block 6 für die Bahn Strom produzierte.

Foto: STEAG

Düsseldorf. Die Essener Steag ist einer der größten und traditionsreichsten Stromproduzenten Deutschlands. 1937 wurde im westfälischen Lünen das erste Kraftwerk eingeweiht. Im vergangenen Jahr feierte das Unternehmen das 80-jährige Bestehen.

Jetzt schließt Steag den Standort, an dem das Unternehmen gegründet wurde. Nach Informationen des Handelsblatts meldete der Stromproduzent am Freitagmorgen die Stilllegung der beiden verbliebenen Blöcke 6 und 7 an, die beide mit Steinkohle befeuert werden. Ab 2019 wird in Lünen kein Strom mehr produziert.

Damit werden durch die Energiewende die nächsten Kohleanlagen aus dem Markt gedrängt. In den vergangenen Jahren gingen nach und nach Kohle-, aber auch Gaskraftwerke vom Netz, weil der Markt zunehmend mit erneuerbaren Energien geflutet wird.

Während Wind- und Solarstrom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine feste Einspeisevergütung bekommen, gerieten die Preise im Stromgroßhandel unter Druck. Von einstmals mehr als 50 Euro je Megawattstunde waren sie bis Anfang 2016 auf kaum mehr als 20 Euro abgestürzt. Inzwischen sind die Preise zwar wieder auf mehr als 30 Euro geklettert, das reicht aber vor allem für alte Kraftwerke nicht mehr aus.

Steag betreibt in Lünen zwei Blöcke. Der größere, Block 7 mit 350 Megawatt, wurde schon Anfang der 70er-Jahre gebaut – und ist entsprechend ineffizient. Der Wirkungsgrad der Anlage, mit der die eingesetzte Energie in Strom umgewandelt wird, liegt unter 40 Prozent. Bei neuen Anlagen sind es rund 50 Prozent. Anlagen, die mit Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Wärme produzieren, kommen sogar auf 65 Prozent und mehr.

Block 7 war deshalb zuletzt kaum noch am Netz. Er lief fast nur noch in den Wintermonaten, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot an Solarstrom niedrig ist.

Der Standort rechnete sich für Steag nur noch, weil Block 6 mit 150 Megawatt für die Deutsche Bahn Strom produzierte. Ende des Jahres läuft aber der Vertrag aus – und die Bahn will ihn nicht verlängern.

Deutschlands größte Energieversorger
Umsatz 2016: 9,3 Milliarden EuroDie hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.
Umsatz 2016: 19,4 Milliarden EuroDie Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden
Umsatz 2016: 21,8 Milliarden EuroDer Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.
Umsatz 2016: 25 Milliarden EuroDen umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.
Verwandte Themen
Steag
Bundesnetzagentur
Deutsche Bahn

Von der Schließung sind 100 Mitarbeiter direkt betroffen. Zudem arbeiten dort rund 50 Mitarbeiter in einer Servicegesellschaft. Steag will versuchen, die Schließung des Standortes durch Versetzungen und Vorruhestandsregelungen aufzufangen, wie es in Unternehmenskreisen heißt.

Für Steag ist es schon die dritte Schließung eines kompletten Kraftwerkes. Der Stromproduzent hatte zuletzt schon Anlagen in Voerde und Herne geschlossen. Zwei Anlagen im Saarland stehen auf Beschluss der Bundesnetzagentur nur noch in der Netzreserve zur Absicherung des Stromnetzes bereit.

Insgesamt hat Steag damit die Kapazitäten in Deutschland seit 2015 um 40 Prozent reduziert. Weitere Schließungen sind aber vorerst nicht geplant. Die anderen Kraftwerke sind dank Kraft-Wärme-Koppelung oder langfristiger Verträge rentabel oder wurden von der Bundesnetzagentur als systemrelevant eingestuft.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt