Stromproduzent: Steag schließt nächstes Kohlekraftwerk
Der Standort rechnete sich für den Stromerzeuger nur noch, weil Block 6 für die Bahn Strom produzierte.
Düsseldorf. Die Essener Steag ist einer der größten und traditionsreichsten Stromproduzenten Deutschlands. 1937 wurde im westfälischen Lünen das erste Kraftwerk eingeweiht. Im vergangenen Jahr feierte das Unternehmen das 80-jährige Bestehen.
Jetzt schließt Steag den Standort, an dem das Unternehmen gegründet wurde. Nach Informationen des Handelsblatts meldete der Stromproduzent am Freitagmorgen die Stilllegung der beiden verbliebenen Blöcke 6 und 7 an, die beide mit Steinkohle befeuert werden. Ab 2019 wird in Lünen kein Strom mehr produziert.
Damit werden durch die Energiewende die nächsten Kohleanlagen aus dem Markt gedrängt. In den vergangenen Jahren gingen nach und nach Kohle-, aber auch Gaskraftwerke vom Netz, weil der Markt zunehmend mit erneuerbaren Energien geflutet wird.
Während Wind- und Solarstrom durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine feste Einspeisevergütung bekommen, gerieten die Preise im Stromgroßhandel unter Druck. Von einstmals mehr als 50 Euro je Megawattstunde waren sie bis Anfang 2016 auf kaum mehr als 20 Euro abgestürzt. Inzwischen sind die Preise zwar wieder auf mehr als 30 Euro geklettert, das reicht aber vor allem für alte Kraftwerke nicht mehr aus.
Steag betreibt in Lünen zwei Blöcke. Der größere, Block 7 mit 350 Megawatt, wurde schon Anfang der 70er-Jahre gebaut – und ist entsprechend ineffizient. Der Wirkungsgrad der Anlage, mit der die eingesetzte Energie in Strom umgewandelt wird, liegt unter 40 Prozent. Bei neuen Anlagen sind es rund 50 Prozent. Anlagen, die mit Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Wärme produzieren, kommen sogar auf 65 Prozent und mehr.
Block 7 war deshalb zuletzt kaum noch am Netz. Er lief fast nur noch in den Wintermonaten, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot an Solarstrom niedrig ist.
Der Standort rechnete sich für Steag nur noch, weil Block 6 mit 150 Megawatt für die Deutsche Bahn Strom produzierte. Ende des Jahres läuft aber der Vertrag aus – und die Bahn will ihn nicht verlängern.
Von der Schließung sind 100 Mitarbeiter direkt betroffen. Zudem arbeiten dort rund 50 Mitarbeiter in einer Servicegesellschaft. Steag will versuchen, die Schließung des Standortes durch Versetzungen und Vorruhestandsregelungen aufzufangen, wie es in Unternehmenskreisen heißt.
Für Steag ist es schon die dritte Schließung eines kompletten Kraftwerkes. Der Stromproduzent hatte zuletzt schon Anlagen in Voerde und Herne geschlossen. Zwei Anlagen im Saarland stehen auf Beschluss der Bundesnetzagentur nur noch in der Netzreserve zur Absicherung des Stromnetzes bereit.
Insgesamt hat Steag damit die Kapazitäten in Deutschland seit 2015 um 40 Prozent reduziert. Weitere Schließungen sind aber vorerst nicht geplant. Die anderen Kraftwerke sind dank Kraft-Wärme-Koppelung oder langfristiger Verträge rentabel oder wurden von der Bundesnetzagentur als systemrelevant eingestuft.