Gesundheitskonzern: Fresenius streicht die Dividende
Düsseldorf. Der Dax-Konzern Fresenius wird seinen Aktionären im kommenden Frühjahr keine Dividende überweisen. Das entschied der Vorstand am späten Dienstagabend. Die Staatszuschüsse für Energiekosten der konzerneigenen Helios-Krankenhäuser von bis zu 300 Millionen Euro würden nicht zurückgezahlt würden. Bei Hilfen der öffentlichen Hand in dieser Höhe sind Dividenden nicht zulässig.
Fresenius werde die Ausgleichs- und Erstattungszahlungen für Krankenhäuser aus dem „Entlastungspaket Energiehilfen“ nun einbehalten, teilte der Konzern mit.
Das Handelsblatt hatte bereits Ende September über einen möglichen Dividendenverzicht berichtet. Dabei geht es nicht um irgendeine Dividende: Fresenius hatte 29 Jahre in Folge die Ausschüttung jedes Jahr erhöht – länger als jeder andere Dax-Konzern. In diesem Frühjahr war die Dividende erstmals nur stabil geblieben.
Im vergangenen Frühjahr hatte Fresenius 92 Cent je Aktie als Dividende für das Geschäftsjahr 2022 ausgeschüttet. Denselben Betrag hatten Analysten bis zuletzt auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet. Das zeigt die Durchschnittsprognose der Fachexperten im In- und Ausland, die sich regelmäßig mit dem Konzern beschäftigen.
14 Milliarden Euro Nettofinanzschulden
Dennoch blieb der Kurseinbruch nach der Ankündigung aus. Zwar zählte die Fresenius-Aktie bereits am Dienstag mit einem Verlust von zwei Prozent zu den größten Dax-Verlierern. Darüber hinaus startete die Aktie am Mittwoch mit einem neuerlichen Minus von knapp zwei Prozent in den Handel. Doch das ist weit weniger, als am Markt befürchtet worden war. Zudem erholte sich die Aktie im Tagesverlauf wieder.
„Viele Investoren haben sich bereits nach und nach auf die Möglichkeit eines Dividendenausfalls eingestellt und verbinden diesen mit einem Strategieschwenk in Richtung Investitionen und Schuldenabbau“, sagte am Mittwoch ein Frankfurter Händler.
Fresenius drücken per 30. September 2023 Nettofinanzschulden von 14 Milliarden Euro. Der Konzern kann die staatlichen Energie-Beihilfen daher gut gebrauchen, zumal neue Anleihen mit mehr als vier Prozent Jahreszins für den Konzern teuer werden. Durch den Dividendenverzicht verbleiben weitere 518 Millionen Euro im Unternehmen. So hoch wäre die Ausschüttungssumme bei einer gleichbleibenden Dividende gewesen.
Die Aktie hat seit dem Kurshoch im Jahr 2017 gut 65 Prozent an Wert verloren. Wohl auch deshalb war es im Oktober vergangenen Jahres zum Wechsel an der Konzernspitze gekommen: Mit dem Ex-Siemens-Vorstandsmitglied Michael Sen verbinden Investoren die Hoffnung auf mehr Effizienz im Unternehmen. Die Bereiche Biopharma, klinische Ernährung und Medizintechnik betrachtet der neue Chef als Wachstumssparten.
Im dritten Quartal konnte Sen erste Erfolge vermelden. Dank neuer Produkte und gestiegener Patientenzahlen hob Fresenius seine Jahresprognose an. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll nun in etwa das Vorjahresniveau erreichen. Zuvor hatte das Unternehmen einen Rückgang bis zum mittleren einstelligen Prozentbereich nicht ausgeschlossen.