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Bike-Boom Trotz Brexit: Londoner Kultmarke Brompton will in Deutschland kräftig wachsen

Es ist kompliziert geworden, von England auf den Kontinent zu exportieren. Die Faltrad-Manufaktur baut den Vertrieb hierzulande dennoch aus.
20.02.2021 - 11:59 Uhr Kommentieren
Das Geschäft des britischen Radherstellers Brompton läuft rund: Die Briten können gar nicht so viel liefern, wie die Händler gerne hätten. Quelle: AP
Brompton-Fahrrad

Das Geschäft des britischen Radherstellers Brompton läuft rund: Die Briten können gar nicht so viel liefern, wie die Händler gerne hätten.

(Foto: AP)

München Will Butler-Adams, Chef und Gesellschafter der Londoner Faltrad-Manufaktur Brompton, ärgert sich: „Wir könnten viel schneller wachsen.“ Kunden hat er im Überfluss, doch dem Briten mangelt es an Personal und Komponenten. „Genügend Räder zur Verfügung zu stellen ist momentan eine Herausforderung“, sagt Butler-Adams. Das Angebot in seinen eigenen Läden hält er knapp, um wenigstens die Händler ausreichend zu beliefern.

Dennoch will Butler-Adams unbedingt am aktuellen Fahrrad-Boom teilhaben: „Es bietet sich die seltene Gelegenheit, unsere Gesellschaft zu verändern.“ Je mehr Menschen aufs Rad umsteigen, desto gesünder die Menschen und desto besser für die Umwelt.

Daher stellt der Unternehmer derzeit massiv ein – in der Produktion in London, in der Entwicklungsabteilung für E-Bikes, aber auch in Deutschland. Um mehr als ein Drittel will er die 500 Mitarbeiter starke Belegschaft aufstocken. Deutschland sieht er als einen der wichtigsten Wachstumsmärkte. Ein eigenes Vertriebsteam soll nun dafür sorgen, dass künftig deutlich mehr seiner Falträder auf den deutschen Radwegen unterwegs sind.

Raus aus der U-Bahn und rauf aufs Rad – mit dieser Idee ist das in den 70er-Jahren gegründete Unternehmen groß geworden. Denn die Velos der Londoner Firma lassen sich einfach zusammenfalten und im öffentlichen Nahverkehr transportieren. Die kleinen Reifen und der robuste, geschwungene Rahmen der Modelle fallen auf im Straßenverkehr. Die „Neue Zürcher Zeitung“ nannte Brompton einmal eine „urbane Ikone“.

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    Dieses Jahr will Butler-Adams 65.000 Räder ausliefern, etwa zehn Prozent mehr als 2020. Schon lange ist die Firma aus dem Westen der britischen Hauptstadt der größte Produzent von Fahrrädern im Vereinigten Königreich. Im letzten Geschäftsjahr, es endete am 31. März 2020, ist der Umsatz um gut ein Drittel auf 57 Millionen Pfund (66 Millionen Euro) in die Höhe geschossen.

    Der englische Unternehmer stellt kräftig ein und hofft, dass die neuen Beschäftigten viele Jahre dabeibleiben. Quelle: AP
    Brompton-Chef Will Butler-Adams

    Der englische Unternehmer stellt kräftig ein und hofft, dass die neuen Beschäftigten viele Jahre dabeibleiben.

    (Foto: AP)

    Doch das war vor Corona. Die Erlöse dürften in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. Denn während der Pandemie haben die Konsumenten weltweit die Räder wieder für sich entdeckt. Auch in Deutschland läuft das Geschäft so gut wie schon lange nicht mehr. Im vergangenen Jahr hätten die deutschen Hersteller ein Plus von 20 Prozent bei den ausgelieferten Rädern erzielt, sagt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV).

    Für 2021 erwarteten die Produzenten hierzulande ein ähnliches Plus. Wegen der kräftig gestiegenen Transportkosten könne es „an der einen oder anderen Stelle“ allerdings Preiserhöhungen geben. Denn der Nachschub aus Asien sei deutlich teurer geworden. Rahmen und andere Hauptkomponenten werden in der Regel in Asien hergestellt und die Räder dann in Europa montiert.

    Und viele Hersteller in Asien kommen gar nicht mehr nach mit der Produktion. „Wir rechnen damit, dass die Warenverfügbarkeit auch 2021 knapp sein wird“, sagt ZIV-Manager Eisenberger.

    Lieferengpässe in der ganzen Radbranche

    Die Lieferengpässe spürt auch Brompton. 80 Prozent der Bauteile werden zwar speziell für die Engländer hergestellt. Aber so ganz ohne Komponenten aus Übersee kommt auch der Faltradhersteller nicht aus. Und die Hersteller müssen immer früher bestellen. Daher lässt sich die Fertigung nicht so einfach hochfahren.

    Bis zum vergangenen Frühjahr habe er die einzelnen Bauteile bei den Lieferanten fünf Monate im Voraus geordert, erklärt der Europachef des US-Herstellers Trek, Harald Schmiedel. Inzwischen kalkuliere er mit einer Vorlaufzeit von zwölf bis 15 Monaten.

    Besonders beliebt bei Kunden sind E-Bikes. Dem Branchenverband Cycling Industries Europe (CIE) zufolge ist der Absatz der Elektroräder in Europa im Jahr 2020 um knapp ein Viertel nach oben geschnellt – auf rund 4,5 Millionen Stück.

    Auch Brompton hat inzwischen ein E-Bike-Modell im Angebot. Das Pendler-Rad hat einen stolzen Preis: Mehr als 3000 Euro kostet es – und damit mehr als doppelt so viel wie ein gewöhnliches Brompton-Modell. Dafür müssen die Käufer nicht wie andere E-Bike-Besitzer um ihr Velo zittern, wenn sie es vor einem Gebäude abstellen. Denn es lässt sich – wie die anderen Modelle auch – zusammenfalten und mit ins Büro nehmen. „Es ist durchaus eine Herausforderung für uns, den Wert unseres E-Bikes zu vermitteln“, meint Butler-Adams.

    Der Branchenverband CIE geht davon aus, dass der Fahrradboom über Jahre anhält. Wenn die Prognosen zutreffen, werden die Europäer im Jahr 2030 knapp 50 Prozent mehr Räder kaufen als noch 2019.

    Am gefragtesten dürften dann E-Bikes sein: Deren Verkäufe werden dem CIE zufolge von 3,7 Millionen Stück im Jahr 2019 auf 17 Millionen im Jahr 2030 klettern und dann mehr als die Hälfte des Marktes ausmachen. Heute stehen die E-Bikes, gemessen an den Stückzahlen, für rund ein Viertel des Marktes. Weil sie teurer sind als herkömmliche Fahrräder, ist der Anteil am Umsatz jedoch höher.

    Die Falträder stammen aus einer Fabrik im Westen von London. Jede Woche stellen die Arbeiter derzeit 1600 Stück her. Quelle: AP
    Handarbeit bei Brompton

    Die Falträder stammen aus einer Fabrik im Westen von London. Jede Woche stellen die Arbeiter derzeit 1600 Stück her.

    (Foto: AP)

    Jede Woche bauen die Mitarbeiter von Brompton momentan 1600 Falträder zusammen. Drei Viertel davon gehen ins Ausland – insgesamt beliefert die Marke 1500 Händler. Zum Glück, meint Butler-Adams, habe sich Großbritannien Ende 2020 in letzter Minute auf ein Handelsabkommen mit der EU geeinigt. Sonst wäre der Brexit noch zu einem viel größeren Albtraum für seine Firma geworden als er es ohnehin schon ist. So aber nimmt er die neuen bürokratischen Hürden mit englischem Humor: „Wir schaffen es schon, in die EU zu exportieren. Das ist auch nicht schwieriger als nach China.“ Die Volksrepublik ist der größte Exportmarkt.

    Im Homeoffice braucht keiner ein Pendlerrad

    Momentan arbeiten viele Menschen rund um den Globus von zu Hause aus. Bliebe das so, wäre das schlecht für Brompton. Denn für lange Touren eignen sich die Räder nicht so richtig. Sie sind für die Städte gemacht. Will Butler-Adams glaubt aber, dass die Menschen nach der Pandemie wieder ins Büro kommen werden – wenngleich vermutlich nicht mehr jeden Tag. Dabei dürften viele erst einmal, soweit es geht, Busse und Bahnen meiden. Das wiederum dürfte Brompton zugutekommen.

    Es gibt aber auch warnende Stimmen. Es sei noch offen, ob der Wechsel aufs Rad von Dauer sei, urteilen der Weltverband der Sportartikelindustrie und McKinsey in einer neuen Studie zum Sportmarkt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Menschen ihre Velos wieder zur Seite stellen, wenn die Pandemie erst einmal abebbt.

    Von dem derzeit guten Geschäftsverlauf profitieren bei Brompton alle, vom Empfang bis in die Chefetage. Denn ein Fünftel der Anteile hält die Belegschaft und sie bekommt damit auch eine Dividende. Das gilt auch für Butler-Adams, der selbst Anteilseigner ist und für Unternehmensgründer Andrew Ritchie.

    Mit dem Beteiligungsansatz will der Firmenlenker die Mitarbeiter ans Unternehmen binden: „Ich möchte, dass sie 15, 20 Jahre bei uns bleiben.“ So lange sollte auch das Faltrad halten, mit dem sie morgens zur Arbeit kommen – mindestens.

    Mehr: PCs, Smartphones, E-Bikes: Fehlende Chips führen zu Lieferengpässen und steigenden Preisen

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