Bilanzcheck: Ungewöhnliches Dilemma bei der Deutschen Post: Das Geld muss raus
Der Logistikkonzern nimmt mehr Geld ein, als er selbst erwartet hatte.
Foto: dpaDüsseldorf. Post-Finanzchefin Melanie Kreis wird ihr Luxusproblem, das den Bonner Konzern schon im vorherigen Jahr quälte, einfach nicht los. Das viele Geld, mit dem die Kundschaft das Dax-Unternehmen auch 2021 überhäufte, muss raus – und zwar schnell. Ansonsten, so mahnt ein vor zwölf Jahren gefällter Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat, verstößt der ehemalige Staatskonzern womöglich gegen seine eigenen Vorgaben.
Das „Problem“: Mit den enormen Einnahmen, die 2021 fast zehn Milliarden Euro an operativem Cashflow in der Kasse häuften, hatte die Deutsche Post selbst nicht gerechnet. Insbesondere das durch die globalen Lieferengpässe begünstigte Expressgeschäft entwickelte sich für die Bonner zum Goldesel.
Gleichzeitig profitierte die DHL-Speditionssparte von den weltweit explodierenden Frachtraten. Und selbst der im Jahr zuvor wegen zahlreicher Lockdowns boomende Onlinehandel wuchs unaufhaltsam weiter – wenn auch beim Ertrag nur noch um zehn Prozent.
1. Liquidität: Übermäßiger Mittelzufluss
Statt des für 2021 zunächst angepeilten freien Cashflows von 2,3 Milliarden Euro notierte die Deutsche Post zum Geschäftsjahresende einen Geldzufluss von 4,1 Milliarden Euro – zwei Drittel der Summe, die man ursprünglich erst in den drei Jahren von 2021 bis 2023 verdienen wollte.