1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Buko trifft Milram: Europas größte Molkereigenossenschaft entsteht

MilchBuko trifft Milram – Europas größte Molkereigenossenschaft entsteht

Das Deutsche Milchkontor will sich mit dem dänischen Milchkonzern Arla zusammenschließen. Damit entstünde eine milliardenschwere Molkerei. Milchviehhalter sehen das mit Sorge.Katrin Terpitz 09.04.2025 - 07:50 Uhr Artikel anhören
Milchabfüllung: Der dänische Molkereiriese Arla plant einen milliardenschweren Zusammenschluss. Foto: Arla Foods

Düsseldorf. Konsolidierung in der Molkereibranche: Das Deutsche Milchkontor (DMK) und die deutlich größere Arla Foods aus Dänemark wollen sich zusammenschließen. Damit entstünde die größte Molkereigenossenschaft in Europa mit 12.000 Landwirten und einem Umsatz von 19 Milliarden Euro. Das gaben beide Genossenschaften am Dienstag bekannt.

Das fusionierte Unternehmen soll unter dem Namen Arla firmieren und seinen Hauptsitz in Viby in Dänemark haben. Arla-Foods-Chef Peder Tuborgh werde das Unternehmen leiten. Die Transaktion muss noch von der Vertreterversammlung der Genossenschaften Mitte Juni und dann von den Behörden genehmigt werden. Arla würde damit von Rang sieben zur Nummer drei oder vier der weltgrößten Milchverarbeiter aufsteigen.

Arla (Marke Buko) ist mit 13,8 Milliarden Euro Umsatz, 7600 Genossen und 21.900 Beschäftigten deutlich größer als DMK. Die Gewinnmarge der Dänen lag 2024 bei 2,9 Prozent.

Das Deutsche Milchkontor ist bekannt für Marken wie Milram und Alete. DMK gehört 4600 Milchbauern und beschäftigt 6800 Mitarbeiter an 20 Standorten. Der Umsatz von DMK mit Käse, Milchprodukten und Babynahrung sank 2024 um 7,3 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.

„Diese Partnerschaft stärkt die Widerstandsfähigkeit unserer Genossenschaften und trägt maßgeblich zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirte bei“, erklärte DMK-Aufsichtsratschef Heinz Korte.

Käsewerk von DMK: Die Molkerei produziert Marken wie Milram und Alete. Foto: PR

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) sieht den Deal mit „großer Besorgnis“. Dieser sei keine Fusion auf Augenhöhe, sondern eine Übernahme von DMK. Für die Milchviehhalter sei der Zusammenschluss ein weiterer Schritt hin zu einem oligopolistischen Markt, meint BDM-Vorsitzender Karsten Hansen. „Die Macht der Molkereien wird damit weiter ausgebaut, wenige große Unternehmen können die Bedingungen diktieren – zum Nachteil der Erzeuger.“

DMK ist durch eine Vielzahl von Fusionen mit anderen Molkereiunternehmen entstanden. 2011 schlossen sich dann Nordmilch und Humana Milchunion zur Genossenschaft Deutsches Milchkontor zusammen. „Jedes Mal wurde den Milcherzeugern vorgegaukelt, dass damit ein verbesserter Milcherzeugerpreis entstehen würde. Die Realität ist eine andere“, heißt es vom Verband. Das Genossenschaftsmodell werde durch solche Megafusionen zunehmend ausgehöhlt.

Bauern verließen DMK wegen niedriger Milchpreise

Mit jedem Zusammenschluss verschwand im Wettbewerb um Rohmilch ein Milchabnehmer, der mit einem höheren Preis neue Milchbauern hätte werben können. Ohnehin zählten Arla und DMK nicht unbedingt zu denjenigen Molkereien, deren Milchpreis neue Milcherzeuger angelockt habe, so der Verband. Zwischenzeitlich waren etliche Milchbauern von der Genossenschaft DMK abgewandert. Denn das Milchgeld lag deutlich niedriger als bei vielen Wettbewerbern.

Allerdings würde der fusionierte Milchverarbeiter Arla bei Verhandlungen gegenüber Kunden aus dem Lebensmittelhandel oder der Gastronomie schlagkräftiger werden. Das könnte zu auskömmlicheren Preisen führen, betont DMK.

Hubertus Beringmeier, Präsident des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbandes, hält die Fusion vor dem Hintergrund eines sinkenden Milchangebots auf dem europäischen Markt für einen nachvollziehbaren Schritt. „Auf diese Weise können die Kräfte gebündelt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz der hiesigen Unternehmen zu sichern.“

Allerdings warnt er, die Stimme der deutschen Milchviehhalter dürfe bei einem Milchriesen mit Sitz in Dänemark nicht überhört werden.

Milch fehlt: Rekordpreise für Butter

Der Deal kommt zu einer Zeit mit Rekordpreisen für Butter und Milchprodukte. Denn die Nachfrage nach Milch ist hoch, und das Angebot geht eher zurück. Immer mehr Milchbauern geben auf – aus Altersgründen oder wirtschaftlichen Motiven.

Die Zahl der Milchkuhbetriebe ist seit 2000 von 138.500 auf 48.649 gesunken, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Die Milchmenge ist durch leistungsfähigere Milchkühe trotzdem über die Jahrzehnte gestiegen. Allerdings hatte die Blauzungenkrankheit laut DMK im vergangenen Jahr zur Verknappung der Milchmenge beigetragen.

Sortiment von Arla und DMK: Beide Molkereien stellen Käse, Butter und Milchprodukte her. Foto: DMK

In ganz Europa ist die Milchmenge rückläufig. Der Zusammenschluss von DMK und Arla würde zu einem stabileren Milchpool führen und die Marktposition stärken, heißt es bei DMK. Beide Unternehmen ergänzten sich im Hinblick auf Sortiment und Vertriebswege. DMK etwa sei stark in der Belieferung der Gastronomie. Arla habe ein internationales Vertriebsnetzwerk, von dem die Deutschen künftig profitieren könnten.

Ob es nach dem Zusammenschluss an Standorten in Deutschland zu Einsparungen komme, sei noch nicht besprochen, heißt es vonseiten der DMK. Die Deutschen hatten zuletzt die Schließung ihrer Käserei in Dargun in Mecklenburg-Vorpommern bekannt gegeben, weil Milch fehlt. Arla betreibt zwei große Molkereien in Deutschland.

Verwandte Themen
Dänemark
Deutschland
Europa

Mit dem Deal schreitet die Konsolidierung der deutschen Milchbranche voran. 2023 hatte die Unternehmensgruppe Theo Müller (Müllermilch, Weihenstephan) Marken und Werke der niederländischen Friesland Campina (Landliebe) in Deutschland übernommen.

Erstpublikation: 08.04.2025, 11:37 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt