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Coronakrise Lufthansa baut Passagier- zu Frachtjets um

Aus vier Flugzeugen baut der Konzern jetzt die Sitze aus, um mehr Platz für Waren zu schaffen. Denn die Nachfrage nach Frachtkapazität ist riesig. Doch das ist nicht trivial.
09.04.2020 - 10:29 Uhr 1 Kommentar
Eine Boeing 777 bringt acht Millionen Atemschutzmasken aus China nach Deutschland. Quelle: Reuters
Frachter von Lufthansa Cargo

Eine Boeing 777 bringt acht Millionen Atemschutzmasken aus China nach Deutschland.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Kommt auch in Deutschland die Pflicht, außerhalb des eigenen Heims eine Maske zu tragen, um andere vor einer möglichen Ansteckung zu schützen? Die Debatte läuft auf Hochtouren.

Sollte es so kommen, ist eine Branche besonders gefragt: die Luftfracht. Selbst wenn die Fertigung solcher Masken hierzulande hochgefahren wird – ohne Lieferungen etwa aus China wird der gewaltige Bedarf kaum zu decken sein.

Hinzu kommen zahlreiche andere medizinische Produkte, die dringend über weite Strecken befördert werden müssen. „Die Nachfrage ist aktuell dermaßen groß, dass etwa in China die Wartezeit für die Zuteilung von Frachtkapazitäten mittlerweile zehn bis 14 Tage beträgt“, sagt Nathan Zielke, der als Logistik-Berater aktuell unter anderem für ein Medizintechnikunternehmen tätig ist.

Die Frachtpreise lägen heute vier- bis fünfmal so hoch wie im März vor einem Jahr. „Aber die Kunden sind bereit, diese Preise zu bezahlen, wichtiger ist den meisten, dass ihre Waren zeitnah befördert werden.“

Angesichts der enormen Nachfrage hat Lufthansa beschlossen, vier ungenutzte Passagierjets vorübergehend zu Frachtern umzurüsten. Die Arbeiten sollen umgehend beginnen.

Das bedeutet: Die Sitze werden ausgebaut. Das ist nicht trivial. Denn an den Sitzen ist eine umfangreiche Elektronik angeschlossen. Alles muss so entfernt werden, dass die Flugzeuge später wieder für den Passagiereinsatz zurückgebaut werden können.

Dauerhaft werden die Flugzeuge kaum als Frachter genutzt werden. Sie haben einen entscheidenden Nachteil: Nur im sogenannten Belly, dem Bauch der Jets, gibt es große Türen, um dort Gepäck und Beifracht zu laden. Oben in der Kabine sind die Zugänge klein, größere Gebinde können dort nicht geladen werden. Das erhöht den Aufwand beim Be- und Entladen.

Fracht sichert den Airlines wenigstens ein paar Einnahmen

Dennoch lohnt sich der Umbau, vor allem weil absehbar ist, dass Lufthansa viele der Passagiermaschinen noch auf Monate hinaus nicht benötigen wird. Denn der Luftverkehr wird nach der Coronakrise erst ganz langsam wieder zur Normalität zurückkehren.

Gleichzeitig sichert das Frachtgeschäft der „Hansa“ wenigsten ein paar Einnahmen. Weil der Konzern in der Passagiersparte aktuell nur noch fünf Prozent des regulären Flugplans bedient, verliert das Unternehmen nach Aussagen von CEO Carsten Spohr eine Million Euro an Liquidität pro Stunde.

Der Vorstand will deshalb den Bereich stärken, der gut läuft. „Fracht hat derzeit eine besondere Rolle“, sagte Spohr am Dienstag in München, nachdem dort eine Boeing 777F – ein reiner Frachter - von Lufthansa Cargo mit acht Millionen Atemschutzmasken aus Schanghai kommend gelandet war. Deutschland brauche jetzt Waren und Produkte aus China, sagt Spohr.

Deshalb sollen nun auch mehr Passagiermaschinen ohne Umbau für die Fracht genutzt werden. Nach Angaben einer Sprecherin von Lufthansa Cargo sollen nach Ostern täglich fünf solcher Flüge angeboten werden. Eingesetzt werden dabei wie schon bisher Jets des Modells Airbus A330.

Erstmals wird aber auch eine A350 genutzt, der jüngste Flugzeugtyp in der Lufthansa-Flotte. Sie soll täglich zwischen China und München pendeln.

Lufthansa ist nicht die einzige Airline, die in dieser Krise Passagierflugzeuge „zweckentfremdet“. „Wir beobachten aktuell eine signifikante Zahl an Cargo-Flügen in Passagier- und Nicht-Frachtflugzeugen“, twitterte Eammon Brennan, der Chef der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol, in dieser Woche. Mit bis zu 180 Flügen pro Tag liege die Zahl dieser Art von Frachtflügen viermal so hoch wie an normalen Tagen.

Bjorn Fehrm vom Informationsdienst Leeham News ist überzeugt, dass sich der Einsatz von Passagierflugzeugen auch ohne Umbau lohnt, sogar wenn dabei überwiegend nur der Bauch der Jets genutzt werden kann: „Beim aktuellen Treibstoffpreis und den Frachtraten ist es sinnvoll, Passagier-Flugzeuge als ‚Belly-Frachter‘ zu fliegen.“

Angesichts des enormen Bedarfs an Frachtkapazitäten fragt sich Berater Zielke allerdings, warum Airlines wie etwa Lufthansa nicht schon früher in der Krise reagiert haben: „In Zeiten, wo angeblich alles unternommen wird, erstaunt es schon, dass es in Deutschland selbst binnen vier Wochen nicht machbar zu sein scheint, Sitze aus Passagiermaschinen zu entfernen, um dringend benötigte Zusatz-Kapazität zu schaffen.“

Mehr: Bittere Zeiten für Lufthanseaten

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1 Kommentar zu "Coronakrise: Lufthansa baut Passagier- zu Frachtjets um"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum baut Lufthansa nicht konsequent ihre Boeings zu Frachtern um? Die Unsicherheit, für welche Flugzeuge man einen Lufthansa-Flug bucht, war für mich schon seit einigen Jahren der Grund, diese Linie zu meiden; vor allem auch Mangels der Möglichkeit, den tatsächlich fliegenden Typ beim Billett-Kauf verbindlich festzulegen.

    Und in einer Boeing zu sitzen erregt selbst bei einem Gewohnheits-Flieger wie mir ein sonst unbekanntes flaues Bauchgefühl. Bei Gesichtsmasken, Blumen und selbst Tieren ist das sicher nicht der Fall. Deshalb wäre das jetzt doch die Gelegenheit ...

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