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Der grüne Spagat Gore Tex: Wie die Konkurrenz dem Label auf die Pelle rückt

Dem Öko-Trend kann sich der Konzern nicht entziehen. Kompromisse bei der Funktion lehnen die Amerikaner aber ab. Das nutzt die Konkurrenz aus.
26.01.2020 - 09:05 Uhr Kommentieren
Die US-Marke ist in zahlreichen Textilien für den Outdoor-Bereich verarbeitet.
Jacke mit Gore-Tex-Membran

Die US-Marke ist in zahlreichen Textilien für den Outdoor-Bereich verarbeitet.

München Wasserdicht und atmungsaktiv: Mit diesen beiden Eigenschaften ist Gore-Tex groß geworden. Für viele Menschen ist die Marke geradezu das Synonym für wetterfeste Bekleidung. Das soll auch so bleiben. „Unsere Produkte müssen funktionieren, wir wollen die Kunden nicht enttäuschen“, sagt Gore-Manager Bernhard Kiehl.

Das Problem dabei: Damit die Leute möglichst trocken durch Wind und Wetter kommen, setzt der US-Konzern jede Menge Chemikalien ein. Das allerdings sehen Hersteller, Händler und Konsumenten zunehmend kritisch. Konkurrenten nutzen dies aus. Sie drängen mit Materialien auf den Markt, die angeblich genauso leistungsfähig sind wie Gore-Tex, dafür aber weniger umweltschädlich.

Gore ist daher zum Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie gezwungen. „Die Performance ist uns wichtig, da die Käufer hohe Erwartungen an uns haben“, erläutert Kiehl, der weltweit für die Nachhaltigkeit in der Textilsparte des amerikanischen Familienunternehmens zuständig ist. Gleichzeitig werde Gore-Tex aber Schritt für Schritt umweltfreundlicher.

Das zeigt sich beim neuen Material Gore-Tex „Pro“, das der Konzern am kommenden Wochenende auf der Sportmesse Ispo in München präsentiert. Was die S-Klasse für Daimler, das ist „Pro“ für Gore: Das Beste für die anspruchsvollsten Kunden. Die neue Textiltechnologie soll einerseits robuster und atmungsaktiver sein als die Vorgängergeneration, zudem beinhaltet sie erstmals Stretch.

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    Andererseits wird sie nachhaltiger hergestellt. Gore setzt dazu die sogenannte Spinndüsenfärbung ein, ein fortschrittliches Verfahren, bei dem nur noch etwa die Hälfte an Wasser verbraucht wird und auch der CO2-Ausstoß leicht sinkt. Darüber hinaus verwendet die Firma aufgearbeiteten Kunststoff alter PET-Flaschen. Am besten für die Umwelt aber sei, dass Bekleidung aus Gore-Tex „Pro“ wesentlich länger halte, meint Kiehl. Denn: „Die Lebensdauer ist entscheidend für die Ökobilanz.“

    Die Firma ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Lieferanten der Sport-Industrie, von großen Konzernen wie Adidas und Nike genauso wie von Mittelständlern wie Schöffel oder Meindl. Aus den Materialien des Konzerns fertigen die Labels wetterfeste Hosen, Jacken, Handschuhe und Schuhe. Daher spielt der Konzern eine entscheidende Rolle beim Umweltschutz in der Branche.

    Immer mehr neue Konkurrenztextilien

    Lange kamen die Hersteller vor allem für hochwertige Artikel nicht an Gore vorbei. Das aber hat sich geändert. So hat „The North Face“ als eine der weltweit größten Outdoor-Marken im Herbst eine eigene Textiltechnologie auf den Markt gebracht. Absolut wasserdicht und gleichzeitig enorm atmungsaktiv soll sie sein, dazu bestehen Innen- und Außenmaterial der 3-Lagen-Bekleidung zu 90 Prozent aus wiederverwerteten Stoffen.

    Noch viel bedrohlicher für Gore: Auf der Ispo zeigen zahlreiche Materialhersteller ihre neuen Textilien, die deutlich umweltfreundlicher sein sollen als die des Marktführers. Der Taiwaner Konzern BenQ Materials etwa behauptet, seine sogenannte Xpore-Technologie sei extrem leistungsfähig und gleichzeitig komplett frei von den umstrittenen Polytetrafluorethylen (PTFE) und Perfluorkohlenwasserstoffen (PFC).

    Diese Stoffe werden seit Jahrzehnten eingesetzt, damit Jacken und Schuhe dauerhaft Schmutz und Wasser abweisen. Für die Menschen in Produktionsländern wie China oder Indonesien ist PFC den Umweltschützern von Greenpeace zufolge jedoch eine Gefahr, weil die Chemikalien über das Abwasser in die Umwelt gelangen können. Dazu kommt: Selbst wenn die Käufer nicht unmittelbar krank werden, so seien die Stoffe auch ihrer Gesundheit nicht dienlich.

    Sympatex positioniert sich schon länger als umweltfreundliche Alternative zu Gore-Tex, durchaus mit Erfolg. Zur Ispo wartet der Münchner Mittelständler mit einer langen Liste prominenter Kunden auf, vom Skilabel Rossignol bis zum Handschuh-Spezialisten Roeckl Sports. Die Materialien von Sympatex sind Unternehmensangaben zufolge zu 100 Prozent recycelbar und frei von PTFE sowie PFC.

    Gore selbst will auf ökologisch bedenkliche PFC erst von 2023 an komplett verzichten. In monatelangen Verhandlungen haben sich Gore und Greenpeace 2017 darauf verständigt, welche Stoffe darunter fallen. Vorher sei die Entwicklung einfach nicht so weit, behauptet Manager Kiehl, und zwar in der gesamten Industrie. Für stark beanspruchte Textilien, etwa für lange Bergtouren oder Expeditionen, gebe es einfach noch keine massentaugliche Alternative. Für weniger anspruchsvolle Einsatzbereiche verzichtet aber auch Gore schon länger auf diese Stoffe.

    Wandel vollzieht sich nur langsam

    Einige Marken meiden aus Umweltschutzgründen bewusst das Material von Gore. Das schwäbische Label Vaude etwa. Doch insgesamt scheint die Strategie von Gore bislang aufzugehen, sich Zug um Zug zu wandeln. Beispiel Patagnonia: Die Outdoor-Marke ist der unbestrittene Öko-Primus der Branche.

    Die Kalifornier nutzen Gore-Tex eigenen Angaben zufolge nicht zuletzt aus einem Grund: das Material halte lange. Das sei am allerwichtigsten, um die Umwelt zu schützen. Und auch die Fabriken seien vorbildlich. Gore produziert im Münchner Umland, sowie in China und den USA.

    Gore selbst versucht, die Konsumenten zu informieren. Sie sollen die Ware möglichst über viele Jahre hinweg tragen. In Werbekampagnen klärt der Konzern über richtige Pflege auf. Aus gutem Grund: „Viele Konsumenten haben Angst, ihre teure Jacke zu waschen. Dabei ist das unbedingt nötig“, erklärt Kiehl. Mit einem Partner zusammen bietet Gore in Deutschland sogar einen eigenen Reinigungsservice an.

    Mit 3,7 Milliarden Dollar Umsatz ist Gore weitaus größer als die meisten der Sportmarken, die der Konzern bedient. Das hat seinen Grund: Das Unternehmen aus Delaware ist zwar weltbekannt für Gore-Tex. Den größten Teil vom Umsatz erzielt die Firma aber mit ganz anderen Industrien, das Spektrum reicht von der Medizintechnik bis zur Autobranche.

    Konsumenten können bislang nur schwer erkennen, wie nachhaltig Bekleidung und Schuhe hergestellt werden. Am Label „Grüner Knopf“ können sich die Menschen in Deutschland orientieren. Weltweit fehlt aber ein Standard. Um das zu ändern, haben sich global mehr als 250 Marken, Fabriken und Händler in der sogenannten „Sustainable Apparel Coalition“ zusammengeschlossen.

    Die Vereinigung hat den sogenannten Higg-Index entwickelt. Mit diesem Werkzeug sollen Umweltbelastung und die Sozialleistungen gemessen werden. Noch ist das System nicht fertig. In den nächsten Jahren aber werden die Käufer die Ware vergleichen können, ähnlich wie das heute beim Stromverbrauch von Elektrogeräten möglich ist.

    Eins steht indes heute schon fest: Es muss nicht immer die Hightech-Jacke sein, wenn der Weg nur mit dem Hund durch den Park führt.

    Mehr: Lesen Sie mehr über Trends und Innovationen in der Sportindustrie in unserem 22-seitigen Dossier „Fit in die Zukunft“

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