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  4. Deutsche Bahn: Vorstandschef Lutz muss jetzt zeigen, was er kann

Deutsche BahnBahn-Chef Richard Lutz muss nach seinem Brandbrief jetzt Lösungen präsentieren

Die schonungslose Analyse des Chefs zur Situation bei der Deutschen Bahn hat alle Beteiligten wachgerüttelt. Doch Lutz muss jetzt auch Konsequenzen ziehen.Dieter Fockenbrock 13.09.2018 - 16:41 Uhr Artikel anhören

Ein Bahn-Chef, der aus einer Eisenbahner-Familie stammt. Nun muss er seinen Konzern umkrempeln.

Foto: Gene Glover für Handelsblatt

Düsseldorf. Für Tausende Auszubildende ist Richard Lutz, 54, der „Familienvater und Godfather of Deutsche Bahn“. Mit diesem deutsch-englischen Kauderwelsch begrüßten junge Frauen und Männer vor wenigen Tagen ihren Vorstandschef. Zum Start des neuen Lehrjahres feierten sich Ausbilder und Auszubildende im „Cubix-Kino“ am Berliner Alexanderplatz.

Mit gutem Grund. Insgesamt 3 600 Azubis starten in diesem Jahr bei der Bahn in den Beruf – so viele wie noch nie.

Lutz riss dabei die Hände zur Siegerpose empor. Und erklärt den Ansturm auf die Bahn so: „Wir sind ein bunter Laden, bei dem engagierte junge Leute gerne anfangen – vielleicht auch, weil nicht alles perfekt läuft und man noch viel bewegen kann.“

In der Tat muss in dem 310.000-Mitarbeiter-Konzern einiges bewegt werden. Denn während Lutz den Eisenbahnernachwuchs willkommen heißt, schreiben seine Zuarbeiter schon fleißig an einem Brandbrief. Die Botschaft: „Die Lage ist ernst“, sehr ernst sogar.

Denn der Vorstandschef fürchtet um die Wirtschaftlichkeit der Deutschen Bahn, beklagt, dass Qualitäts- und Pünktlichkeitsziele schon wieder nicht erreicht werden, kritisiert die fehlende Zusammenarbeit der einzelnen Geschäftsbereiche.

Es ist eine schonungslose Analyse der Situation des Staatsunternehmens, die Lutz zwar seinen Führungskräften zugedacht hat, die aber erwartungsgemäß auch die Öffentlichkeit erreicht. Und spätestens jetzt hat sich der bislang eher blasse, freundliche Manager den Titel „Bahn-Chef“ auch verdient.

Im Januar 2017 musste er, der langjährige Finanzchef des Unternehmens, der meist im Hintergrund seines quirligen und plötzlich abgetretenen Vorgängers Rüdiger Grube wirkte, erst kommissarisch, dann hauptamtlich den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Bahn übernehmen. Ein schwieriger Job, wie Lutz gleich bei Amtsantritt im Beisein des Verkehrsministers einräumte. Jetzt ist klar: Es wird ein sehr schwieriger Job.

Großen Beifall erhält Lutz, ein passionierter Schachspieler, für seine Offenheit. Dabei hat er nur aufgeschrieben, was er vorher schon immer kritisiert hatte, etwa die mangelhafte Kooperation der Geschäftsbereiche. Doch offensichtlich haben die Eisenbahner das stets überhört. Jetzt können es alle lesen – bis hinauf zu Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

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Lutz war noch nie ein Schönredner. Aber ein echtes Profil fehlte ihm bislang. Er machte bei der Bahn lange da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hatte. Lutz war ja auch maßgeblich an allen Planungen beteiligt. Seit 2010 ist er Finanzchef der Bahn, sein ganzes Berufsleben hat er dort zugebracht. Geboren ist er in einer Eisenbahnerfamilie.

Jetzt aber wird es nicht mehr reichen, der zahlenkundige, freundliche Herr Lutz zu sein. Der Bund als Eigentümer, Kunden und Beschäftigte erwarten Lösungen für die von ihm selbst diagnostizierten Probleme. Die Analyse muss Konsequenzen haben. Es gibt viele, die ihm das nicht zutrauen.

Lutz ist ein Vielarbeiter, der morgens um halb fünf gern Anfragen an Kollegen verschickt. Bislang hatten Antworten Zeit bis nach Sonnenaufgang. Jetzt muss der „Godfather“ wohl mehr Druck machen.

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