DHL Group: Konzern senkt Prognose nach schwachen Quartalszahlen
Die Post bereitet sich mit Zusatzkräften auf das Weihnachtsgeschäft vor.
Foto: BloombergDüsseldorf. Nach einem mäßigen Herbstquartal kappt die Deutsche Post ihre Erwartungen für das Gesamtjahr. Hatte Vorstandschef Tobias Meyer im Fall einer raschen Weltwirtschaftserholung bislang noch einen Betriebsgewinn (Ebit) von sieben Milliarden Euro vorausgesagt, geht das Bonner Dax-Unternehmen nun noch bestenfalls von 6,6 Milliarden Euro aus. Das untere Ende der bisherigen Prognose von 6,2 Milliarden Euro behielt der Konzern bei, der sich seit wenigen Monaten DHL Group nennt.
„Die makroökonomische Erholung bleibt auch vor dem Hintergrund höherer Zinsen und geopolitischer Krisen bislang aus“, erklärte Meyer. Man habe sich jedoch früh auf unterschiedliche Szenarien eingestellt und sei deshalb auf einem guten Weg, die Jahresziele zu erreichen.
Der eingetrübte Ausblick dürfte die Märkte kaum überraschen. Bereits vor einer Woche hatte Muneeba Kayani, Analystin der Bank of America (BofA), in einer Studie vorausgesagt, dass die DHL Group ihren Ausblick in den kommenden Tagen senken werde.
Zur Nervosität gab es allen Grund: DHL-Vorstandschef Meyer hatte vor wenigen Monaten als Voraussetzung für das obere Ende seiner Gewinnprognose die Bedingung genannt, dass sich die Konjunktur bis Mitte des Jahres erhole. Weil eine Wende aber bislang ausblieb, senkte die BofA das Kursziel für die DHL Group vor einer Woche von 60 auf 51 Euro. Auch die Ausblicke von Wettbewerbern wie UPS, Kühne + Nagel und DSV waren zuletzt verhalten.
Mit einem Umsatzminus von 19,3 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro sind die Konzernerlöse noch deutlicher gesunken als von Analysten erwartet. Den Rückgang beim Betriebsergebnis von 32,4 Prozent auf nur noch 1,37 Milliarden Euro verursachten im Konzern gleich mehrere Sparten – allen voran das Fracht- und Speditionsgeschäft, das wegen der gesunkenen Frachtraten einen Ergebniseinbruch von 46,6 Prozent zu verkraften hatte.
Zudem verlor die Express-Division, die bislang zu den wesentlichen Ertragsbringern des Konzerns zählte, 34,1 Prozent ihres Betriebsgewinns gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Brief- und Paketgeschäft, das unter einem flauen E-Commerce litt, ging es beim Ergebnis um 28,6 Prozent nach unten. Vor allem Inflation und erhöhte Personalkosten drückten hier den Ertrag. Einzig beim Gewinn je Aktie, der mit 68 Cent 32,7 Prozent unter Vorjahr lag, hatten die Analysten einen noch etwas schlechteren Wert erwartet.
Schwächeres Geschäft als 2022 erwartet
Entscheidend für den Erfolg von DHL wird jetzt sein, ob das wichtige Geschäft vor Weihnachten die Jahresergebnisse noch retten kann. „Wir planen mit etwa denselben Kapazitäten wie im vergangenen Jahr“, sagte Konzernchef Meyer dem Handelsblatt. Der Branchenausblick allerdings ist verhalten. Für die Monate November und Dezember rechnet der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) mit einem leichten Rückgang zwischen null und zwei Prozent bei den Kurier-, Express- und Paketsendungen (KEP).
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Insgesamt würden in Deutschland in diesen zwei Monaten voraussichtlich 400 Millionen E-Commerce- und 315 Millionen zwischengewerbliche KEP-Sendungen transportiert – und damit rund zehn Millionen weniger als im Weihnachtsgeschäft 2022. Das Minus erwartet die vom BIEK beauftragte Marktforschungsfirma KE-Consult vorrangig im Business-to-Business-Geschäft (B2B), während sie in der Haustürzustellung noch auf ein Plus von fünf Millionen Paketen in der Vorweihnachtszeit hofft.
Doch Einigkeit herrscht bei diesem Ausblick keineswegs. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) spricht von einem „Onlinehandel ohne positive Impulse“, der Deutsche Handelsverband HDE will sich mit seiner Prognose bis zum 13. November Zeit lassen.
Anders als der BIEK sieht dagegen Alexander Irving vom US-Analysehaus Bernstein Research Hoffnungszeichen für das gewerbliche Versandgeschäft. Viele Gewerbebetriebe hätten ihren Lagerabbau inzwischen abgeschlossen, schrieb er neulich in einer Studie. Zumindest ein Teil des Bonner Logistikers könnte sich damit wieder erholen. Die Papiere von DHL, die seit Ende Juli ein Fünftel an Wert verloren haben, empfiehlt Bernstein Research daher mit der Einstufung „Outperform“ weiterhin zum Kauf. Zu Börsenbeginn lagen sie mit 36,75 Euro knapp 1,3 Prozent im Minus, drehten tagsüber jedoch über zwei Prozent ins Plus.
Erstpublikation: 08.11.2023, 08:07 Uhr.